# Biomechanik

- Quelle: [Schwimmlexikon](https://schwimmlexikon.de/)
- Adresse: https://schwimmlexikon.de/3680-2/
- Englisch: biomechanics
- Schlagwörter: Biomechanik, Wissenschaft
- Autor: Klaus Rudolph
- Überarbeitet am: 2023-11-30
- Sprache: de

Biomechanik (biomechanics), [Wissenschaft](https://schwimmlexikon.de/wissenschaft/) sdiszplin, die als Sportbiomechanik mit Methoden und Gesetzmäßigkeiten der [Mechanik](https://schwimmlexikon.de/mechanik/) sportliche Bewegungsabläufe, aber auch Sportgeräte untersucht. Ziel im Sport ist, durch Optimierung der [Bewegungstechniken](https://schwimmlexikon.de/bewegungstechnik/) die [sportlichen Leistungen](https://schwimmlexikon.de/leistungsfaehigkeit-sportliche/) zu verbessern (→[Leistungsdiagnostik](https://schwimmlexikon.de/leistungsdiagnostik/))  Im Vordergrund steht hierbei die  „[Technikanalyse](https://schwimmlexikon.de/technikanalyse/)“, die sich auf biokinematische, biodynamische und zeitliche Parameter (→[Merkmale, biomechanisch](https://schwimmlexikon.de/merkmale-biomechanische/) e) stützt, die durch elektronische, mechanische und optische Verfahren gewonnen werden. Die heutige Biomechanik lehnt sich stark an andere Wissenschaftsdisziplinen an (Biologie, Medizin, Mathematik, Informatik usw.) und wird deshalb in verschiedene Arbeitsbereiche unterteilt (Leistungs-, Präventive-, Anatomische- Biomechanik usw.). Das Lehren der sportlichen [Bewegungsabläufe](https://schwimmlexikon.de/bewegungsablauf/), Erkennen und Beseitigen von [Technikfehlern](https://schwimmlexikon.de/technikfehler/) setzt beim [Trainer](https://schwimmlexikon.de/trainer/) biomechanisches Grundwissen voraus.

![]() Untersuchungsziele der Biomechanik (nach Ballreich, 1988)

In der Trainingspraxis des Schwimmens haben sich für biomechanische Untersuchungen [Messplatze](https://schwimmlexikon.de/messplatz/) für [Start](https://schwimmlexikon.de/messplatz-start/) und [Wende](https://schwimmlexikon.de/wende/) und die [Gegenstromanlage ](https://schwimmlexikon.de/gegenstromanlage/) für den [Einzelzyklus](https://schwimmlexikon.de/einzelzyklus/) bewährt, wo man biomechanisch und physiologische Parameter verbindend betrachten kann. So stellten z.B. japanische Sportwissenschaftler fest, dass der I-förmige Armzug beim Kraulen gegenüber dem S-förmigen Zuge vortriebswirksamer, aber nicht so effektiv (weniger Laktatauslenkung) ist (Ito et al. 2008). Oft sind neue Ergebnisse an die Entwicklung neuer Messverfahren gebunden. Durch den Einsatz von Inertialsensoren konnten Witt et al. (2016) den Einfluss der Schwimmgeschwindigkeit auf die Roll- oder Verwringungstechnik im [Freistilschwimmen](https://schwimmlexikon.de/freistilschwimmen/) untersuchen. Im Zuge der Digitalisierung dominieren computergestützte und automatisierte Verfahren. So konnte mittels eines Systems zur vollautomatischen Bestimmung [intrazyklischer Phasengeschwindigkeiten](https://schwimmlexikon.de/geschwindigkeit-zeit-verlauf-intrazyklischer-2/) die mühsame und arbeitsintensive manuelle Auswertung ersetzt werden (Lienhart et al. 2015).

Exkurs: Da die konventionellen statistischen und theoretischen Modellierungsparadigmen in der angewandten Sportbiomechanik nur begrenzte Informationen über Koordinations- und Kontrollmuster liefern und es nicht erlauben, athletenspezifische optimale Sporttechniken zu identifizieren, können objektive Kriterien, auf denen technische Modifikationen beruhen, die konsistent zu verbesserten Leistungsergebnissen führen, für einzelne Athleten nicht zuverlässig ermittelt werden. Angesichts dieser Einschränkungen wird ein alternativer Ansatz befürwortet, der mit den Grundsätzen der Theorie dynamischer Systeme in Einklang steht und sich an den bahnbrechenden Erkenntnissen von Bernstein (1967) über den Erwerb von Fähigkeiten orientiert. Bei diesem Ansatz werden kinematische und kinetische Daten verwendet, um die Suche des Sportlers nach seinem eigenen optimalen Koordinations- und Kontrollmuster zu lenken, während er während des Trainings aktiv seinen perzeptiv-motorischen Arbeitsbereich erkundet. Dieser Ansatz scheint angesichts des aktuellen biomechanischen Wissens über Sporttechniken und der offensichtlichen Unfähigkeit bestehender biomechanischer Modellierungsansätze, genau vorherzusagen, wie sich Änderungen der Technik auf die Leistungsergebnisse einzelner  (Glazier 2021).

Im Vierjahresrhythmus findet das Internationale Symposium "Biomechanics & Medicine in Swimming" statt. Sämtliche im Rahmen der bisherigen Symposien veröffentlichten Beiträge inklusive der Volltexte können abgerufen werden unter: [http://www.iat.uni-leipzig.de/service/datenbanken/biomechanics-medicine-in-swimming](http://www.iat.uni-leipzig.de/service/datenbanken/biomechanics-medicine-in-swimming) - Zugriff 30.11.23

Die deutschen Biomechaniker haben 1997 in Ulm die Deutsche Gesellschaft für Biomechanik e.V. gegründet. Die Sportbiomechaniker haben eine eigenständige Sektion in der Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft (dvs) ([http://www.dvs-biomechanik.de/](http://www.dvs-biomechanik.de/)).

Mehr zum Thema (aktuelle Übersicht):

Rauscher & Witt (Hrsg.). dvs-Tagung Biomechanik: Biomechanik und Kognition. (Sport und Wissenschaft: Beihefte zu den Leipziger Sportwissenschaftlichen Beiträgen, 14). (2018). Berlin: Lehmanns Media.

Thomas, Zeni & Winter (2023). Winter´s biomechanics and motor control of human movement (Winters Biomechanik und motorische Kontrolle der menschlichen Bewegung). Hoboken: Wiley. Zugriff am 07.11.2023 unter [https://www.wiley-vch.de/de/fachgebiete/medizin-und-gesundheit/winter-39-s-biomechanics-and-motor-control-of-human-movement-978-1-119-82702-3](https://eur03.safelinks.protection.outlook.com/?url=https%3A%2F%2Fwww.wiley-vch.de%2Fde%2Ffachgebiete%2Fmedizin-und-gesundheit%2Fwinter-39-s-biomechanics-and-motor-control-of-human-movement-978-1-119-82702-3&data=05%7C01%7Ckrudolph%40mediadolphin.com%7C692f4f3562ab4fb57ae008dbebdc6d4b%7C6cf8b39167c94d3dab9ec4660cbf248f%7C0%7C0%7C638363106157120001%7CUnknown%7CTWFpbGZsb3d8eyJWIjoiMC4wLjAwMDAiLCJQIjoiV2luMzIiLCJBTiI6Ik1haWwiLCJXVCI6Mn0%3D%7C3000%7C%7C%7C&sdata=PefAWIMOJAMh7AobM562tZYWOjw1B7gShNZ2E6RxVS0%3D&reserved=0) - Zugriff 30.11.23

## Quellen

- Ballreich, R. (1988). Einführung in die Biomechanik des Sports. In: Ballreich & Baumann (Hrsg.) Grundlagen der Biomechanik des Sports. Probleme-Methoden-Modelle.Enke Verlag, Stuttgart, 13-53
- Glazier, P. S. (2021). Beyond animated skeletons: How can biomechanical feedback be used to enhance sports performance? (Mehr als animierte Skelette: Wie kann biomechanisches Feedback genutzt werden, um die sportliche Leistung zu verbessern?). Journal of Biomechanics, 129 (110686), . Zugriff am 20.11.2022 unter https://doi.org/10.1016/j.jbiomech.2021.110686. https://doi.org/10.1016/j.jbiomech.2021.110686
- Ito, Matsumoto & Daisuke Abe (2008). A difference of blood lactate level in freestyle swimming between S-shaped and I-shaped stroke. 1st International Scientific Conference of Aquatic Space Activities. Kongressband 258-263
- Lienhart, Küchler & Zecha (2015). Vollautomatische zeitkontinuierliche Bestimmung intrazyklischer Phasengeschwindigkeiten von Schwimmerinnen bzw. Schwimmern im Schwimmkanal einschließlich Zugfrequenz und Zuglänge. BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2014/15, Strauß-Köln, 91-95
- Witt, Köhler, Polenz & Hartenstein (2016). Roll- oder Verwringungstechnik im Freistilschwimmen – welchen Einfluss hat die Schwimmgeschwindigkeit auf die technische Ausführung? DSTV-Reihe, Bd.39, S. 29-37

## Verwandte Begriffe

- [Wissenschaft](https://schwimmlexikon.de/wissenschaft/)
- [Mechanik](https://schwimmlexikon.de/mechanik/)
- [Bewegungstechnik](https://schwimmlexikon.de/bewegungstechnik/)
- [Leistungsfähigkeit, sportliche](https://schwimmlexikon.de/leistungsfaehigkeit-sportliche/)
- [Leistungsdiagnostik](https://schwimmlexikon.de/leistungsdiagnostik/)
- [Technikanalyse](https://schwimmlexikon.de/technikanalyse/)
- [Merkmale, biomechanische](https://schwimmlexikon.de/merkmale-biomechanische/)
- [Bewegungsablauf](https://schwimmlexikon.de/bewegungsablauf/)
- [Achse](https://schwimmlexikon.de/achse/)
- [Algorithmus](https://schwimmlexikon.de/algorithmus/)
- [Anatomie](https://schwimmlexikon.de/anatomie/)
- [Arbeit](https://schwimmlexikon.de/arbeit/)

## Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2023). Biomechanik. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/3680-2/ (abgerufen am 20. Oktober 2026).
