# Angst

- Quelle: [Schwimmlexikon](https://schwimmlexikon.de/)
- Adresse: https://schwimmlexikon.de/angst/
- Englisch: anxiety
- Schlagwörter: Pädagogik, Psychologie, Wettkampf
- Autor: Klaus Rudolph
- Überarbeitet am: 2017-03-16
- Sprache: de

Angst (anxiety), ein durch eine direkte oder eingebildete Bedrohung ausgelöster, zumeist leistungsmindernder und somit negativer Erregungszustand ("negative Erwartungs[emotion"](https://schwimmlexikon.de/emotion/)), wobei die willens- und verstandesmäßige Steuerung weitgehend aufgehoben ist. Stammesgeschichtlich verwurzelt veranlasst die Angst zur Flucht („Angst verleiht Flügel“) oder zum Vermeiden gefährlicher Situationen (Verletzung bis Tod). Sie kann aber auch als lustvoll erlebt werden (→[Extremsport](https://schwimmlexikon.de/extremsport/)). Oft wird Angst synonym mit [Furcht](https://schwimmlexikon.de/furcht/) verwendet, obwohl diese sich mehr auf konkrete Situationen bezieht und folglich besser abgebaut werden kann. Die Spanne der Ängste reicht von einfachen Unsicherheiten über Zwänge, Paniken bis [Psychose](https://schwimmlexikon.de/psychose/) n. Es werden Existenzängste, soziale Ängste und [Leistungsangst](https://schwimmlexikon.de/leistungsangst/) unterschieden.

Symptome: erhöhter [Puls](https://schwimmlexikon.de/puls/), Anstieg des [Blutdrucks,](https://schwimmlexikon.de/blutdruck/) schnelle [Atmung](https://schwimmlexikon.de/atmung/) bis hin zur Atemnot, trockener Mund, veränderte Mimik, Blässe oder Erröten, [Schwitzen,](https://schwimmlexikon.de/schwitzen/) Zittern, Schwäche, Schwindelgefühl, [Durchfall](https://schwimmlexikon.de/durchfall/), Harndrang und Übelkeit sowie eventuell auch Wahrnehmungsstörungen oder Ohnmacht. Eine Megaanalyse von Studien aus dem Wettklampfsport zeigte starke Assoziationen zwischen Konkurrenzangst und weiblichem Geschlecht, niedrigerem Alter und geringerer Erfahrungszeit (Vedovato & de Lima 2018). Fortes et al. (2017) wiesen bei Schwimmern einen Zusammenhang zwischen [Herzfrequenzvariabilität](https://schwimmlexikon.de/herzfrequenzvariabilitaet-hrv/) und Wettkampfangst nach.

Im Schwimmsport begegnet uns die ganze Palette von Angstzuständen, in der Anfängerausbildung als „Gefahrenschutzeffekt“ (Angst vor Wasser) oder später als objektbezogene Furcht (Angst vor [Wettkampf](https://schwimmlexikon.de/wettkampf/)). Besonders die erste Begegnung mit dem Wasser in einem Schwimmbecken kann zahlreiche primäre Ängste auslösen (Unbekanntes, Orientierungsschwierigkeiten, Luftmangel, Augenbrennen durch Chlor usw.). Der ängstliche Sportler wirkt verkrampft, verlässt taktische Konzeptionen, Technikfehler schleichen sich ein. Das Übel liegt dann weniger im Wettkampf, sondern mehr im [Training](https://schwimmlexikon.de/training/) ([→Trainingszustand](https://schwimmlexikon.de/trainingszustand/), →[Kondition](https://schwimmlexikon.de/kondition/)). Tu erst etwas und dann zeige, was du kannst. Zur Vermeidung von Angst sind [Medikamente](https://schwimmlexikon.de/medikamentenmissbrauch/) und [Alkohol](https://schwimmlexikon.de/alkohol/) die falschen Helfer. Der Trainer sollte pädagogische Maßnahme im sozialen Spannungsfeld des Sportlers bevorzugen. Bei Berücksichtigung des intellektuellen sowie psychophysischen Entwicklungsstandes des Sportlers helfen folgende Maßnahmen Angst abzubauen (Baumann, 2006, S.258 ff):

 	verknüpfe Neues mit Bekanntem, das schafft [Selbstvertrauen](https://schwimmlexikon.de/selbstvertrauen/) und eine stabile Lerngrundlage
 	vermeide zu große Hindernisse, indem du vom Einfachen zum Schwierigen gehst (erst muss [Einzelbewegung](https://schwimmlexikon.de/einzelbewegung/) beherrscht werden, bevor zur [Gesamtbewegung](https://schwimmlexikon.de/gesamtbewegung/) übergegangen wird)
 	differenziere im methodischen Vorgehen in Deiner Gruppe nach Leistungsunterschieden, [Alter](https://schwimmlexikon.de/alter/), [Reife](https://schwimmlexikon.de/reife/) oder Geschlecht.
 	Verzichte auf persönliche [Kritik](https://schwimmlexikon.de/kritik/), suche positive Ansätze, organisiere [Erfolgserlebnis](https://schwimmlexikon.de/erfolgserlebnis/) se
 	Mache dein Training transparent, schaffe strukturierte Lernbedingungen
 	Schlechte Leistung ≠ schlechter Sportler, Verlieren (→[Versagen](https://schwimmlexikon.de/versagen-menschliches/)) gehört zum Sport
 	Angst darf eingestanden werden
 	In der [Gruppe](https://schwimmlexikon.de/gruppe-soziale/) kann der Einzelne Angst besser „abladen“ (entsprechendes [Gruppenklima](https://schwimmlexikon.de/gruppenklima/) vorausgesetzt)
 	Körperkontakt kann Angst mindern, von der [Hilfestellung](https://schwimmlexikon.de/hilfestellung/) bis zum beruhigenden Armauflegen
 	Deine Sportler sollten sich in Deiner Nähe geborgen fühlen, [Vertrauen](https://schwimmlexikon.de/vertrauen/) ist dabei die Grundlage
 	Informiere deine Sportler umfassend (→[Ziele](https://schwimmlexikon.de/ziel/), →[Trainingsplanung](https://schwimmlexikon.de/trainingsplanung/), Wettkämpfe, →[Gegner](https://schwimmlexikon.de/gegneranalyse/)) und nehme ihnen so die Angst vor Unbekanntem
 	Zeige emotionale Wärme (Rücksichtnahme, Einsicht, Mitgefühl, Ruhe und Gesprächsbereitschaft)
 	Binde in vertretbaren Rahmen Ängstliche in der Gruppe an Nichtängstliche, es „färbt ab“
 	Stelle klare und begreifbare Aufgaben, die das Leistungsniveau des Sportlers berücksichtigen
 	Übe schrittweise die Konfrontation mit dem Publikum (vom Wettkampf in der Gruppe über [Vereine](https://schwimmlexikon.de/verein/)….)
 	Achte auf das [Umfeld](https://schwimmlexikon.de/umfeld/) des Sportlers, manche Wettkampfangst ist dem [Leistungsdruck](https://schwimmlexikon.de/leistungsdruck/) durch die [Eltern](https://schwimmlexikon.de/eltern/) geschuldet

Hinzu kommen noch eine Reihe somatischer (körperlicher) Verfahren zur Verminderung psychischer und physischer Erregungszustände ([Aufwärmen](https://schwimmlexikon.de/vorstartzustand/) vor dem [Start](https://schwimmlexikon.de/start/) als „psychischer Blitzableiter“), [Visualisierungsprogramme](https://schwimmlexikon.de/visualisierung/), Kontrolle des Muskeltonus durch [psychoregulative Verfahren,](https://schwimmlexikon.de/verfahren-psychoregulative/) [Biofeedbackverfahren](https://schwimmlexikon.de/biofeedback/) bis zum  [„positiven Denken](https://schwimmlexikon.de/denken-positives/)“ (das aber immer auf realistischer Grundlage fußen muss).

Angst ist nur dann eine [Krankheit](https://schwimmlexikon.de/krankheit/), wenn sie unglücklich macht und verhindert, dass zu tun, was man tun will (Kagan, amerikanischer Psychologe, [http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/psychologie-stellen-sie-sich-ihren-aengsten-a-721984.html](http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/psychologie-stellen-sie-sich-ihren-aengsten-a-721984.html)). Dann ist Hilfe durch einen →[Psychotherapeuten](https://schwimmlexikon.de/psychotherapie/) angeraten. Auf die neurotischen Ängste ([Phobie](https://schwimmlexikon.de/phobie/) n usw.) wird hier nicht eingegangen. →[Angstgegner](https://schwimmlexikon.de/angstgegner/), →[Ängstlichkeit](https://schwimmlexikon.de/aengstlichkeit/), →[Stress](https://schwimmlexikon.de/stress/)

 

„Man flieht nicht, weil man Angst hat, sondern man hat Angst, weil man flieht.“ William James (1842-1910) amerikanischer Psychologe

Exkurs: Mangelndes [Wissen](https://schwimmlexikon.de/wissen/) kann auch Ängste schüren. So wird bei manchem Sportler und [Trainer](https://schwimmlexikon.de/trainer/) im Laktat immer noch ein Abfallprodukt gesehen, das man unbedingt vermeiden sollte. Es wird allgemein angenommen, dass [Laktatakkumulation](https://schwimmlexikon.de/laktatakkumulation/) immer die nachfolgende Leistung beeinträchtigt, indem es den [anaeroben Energiebeitrag](https://schwimmlexikon.de/energiestoffwechsel-anaerober/) reduziert und die Muskelarbeit beeinträchtigt. Mehrere Experimente führten aber nach einem vorerhöhten Lakatatspiegel durch nicht-dominante Muskelgruppen (z.B. Aufwärmen) zu einer deutlich verringerten Netto-Blutlaktat-Zunahme von 30-50%. Diese Hemmung der Laktaktatproduktion reduzierte nicht, sondern verstärkte stattdessen die hochintensive Trainingsleistung bei allen dynamischen Arbeitsbelastungen, die länger als 60 s andauerten und verlagerte den Metabolismus zu einem dominanteren oxidativen Prozess (Hofmann et al. 2016). Erhärtet das die physiologische Begründung des extremen Trainings von Michael Andrew (→[USRPT](https://schwimmlexikon.de/usrpt/))?

## Quellen

- Fortes, da Costa, Paes, do Nascimento Junior, Fiorese & Ferreira (2017). Influence of competitive-anxiety on heart rate variability in swimmers. Journal of Sports Science & Medicine (16)4, 498-504
- Hofmann, Müller & Tschakert (2016). Don´t be afraid of lactate! Paradox effects of elevated blood lactate concentration on highintensity exercise performance. 21th Annual Congress of the European College of Sport Science (ECSS), Vienna, 6. -9. July 2016, S. 456

## Verwandte Begriffe

- [Emotion](https://schwimmlexikon.de/emotion/)
- [Extremsport](https://schwimmlexikon.de/extremsport/)
- [Furcht](https://schwimmlexikon.de/furcht/)
- [Psychose](https://schwimmlexikon.de/psychose/)
- [Leistungsangst](https://schwimmlexikon.de/leistungsangst/)
- [Puls](https://schwimmlexikon.de/puls/)
- [Blutdruck](https://schwimmlexikon.de/blutdruck/)
- [Atmung](https://schwimmlexikon.de/atmung/)
- [Achtsamkeit](https://schwimmlexikon.de/achtsamkeit/)
- [Affekthandlung](https://schwimmlexikon.de/affekthandlung/)
- [Ängstlichkeit](https://schwimmlexikon.de/aengstlichkeit/)
- [Desensibilisierung](https://schwimmlexikon.de/desensibilisierung/)

## Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2017). Angst. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/angst/ (abgerufen am 20. Oktober 2026).
