# Beanspruchung

- Quelle: [Schwimmlexikon](https://schwimmlexikon.de/)
- Adresse: https://schwimmlexikon.de/beanspruchung/
- Englisch: demand
- Schlagwörter: Belastung, Psychologie, Training
- Autor: Klaus Rudolph
- Überarbeitet am: 2017-03-21
- Sprache: de

Beanspruchung (demand), „subjektive Auswirkung einer von außen einwirkenden Belastung“ (Wörterbuch Psychologie, 2004), auf das Training übertragen „die Inanspruchnahme individueller [Leistungsvoraussetzungen](https://schwimmlexikon.de/leistungsvoraussetzung/) bei Bewältigung einer [Trainingsbelastung](https://schwimmlexikon.de/trainingsbelastung/)“ (Schnabel et al. 2008, S.224).

Training zielt darauf ab, die Funktionssysteme des Organismus kurzzeitig aus dem Gleichgewicht (→[Homöostase](https://schwimmlexikon.de/homoeostase/)) zu bringen und zu einer [Anpassung](https://schwimmlexikon.de/anpassung/) auf höherem Niveau zu führen. Inwieweit das gelingt, hängt einmal von der Reizstärke (→[Reizschwelle](https://schwimmlexikon.de/reizschwelle/), →[Belastungskategorien](https://schwimmlexikon.de/belastungskomponente/)) des Trainings, zum anderen vom Leistungsstand der Systeme ab, also den Leistungsvoraussetzungen des Sportlers. Da die Leistungsvoraussetzungen der Sportler in einer Gruppe nie gleich sind, führt ein für alle einheitliches [Trainingsprogramm](https://schwimmlexikon.de/trainingsprogramm/) zu unterschiedlichen Beanspruchungen. Das kann von „reizlos“ (es entwickelt sich nichts) bis zu „überzogen“ (→[Übertraining](https://schwimmlexikon.de/uebertraining/)) gehen. Dabei ist eine Beanspruchung nicht nur ein energetisch-medizinisch-physiologisches Problem, sondern Folge von Handlungen und Ursache weiterer Handlungen ([Motivation](https://schwimmlexikon.de/motivation/) sprozesse). (Nitsch & Udris, 1976).

Im [Hochleistungstraining](https://schwimmlexikon.de/hochleistungstraining-hlt/) versucht man mit den ITP (→[Trainingsplan, individueller](https://schwimmlexikon.de/trainingsplan-individueller-itp/)) diese Vorgänge optimal zu lösen, womit der Nachwuchstrainer mit seinen Gruppen von 10-20 Kindern überfordert ist. Dieser sollte sich zumindest mit einem [Feedback](https://schwimmlexikon.de/feedback/) nach jeder [Trainingseinheit](https://schwimmlexikon.de/trainingseinheit-te/) über „erlebte Belastung“ informieren und das Geschehen nicht ganz einer „natürlichen Auswahl“ überlassen. →[Stress](https://schwimmlexikon.de/stress/), →Beanspruchungsgrad, →[Reizschwelle](https://schwimmlexikon.de/reizschwelle/)

 

| Vor dem Wettkampf | Während des Wettkampfes | Nach dem Wettkampf |
| ###### - die richtige Körperspannung finden ###### - positive Ziele und Erinnerungen aktualisieren | ######   - trotz Wettkampfsituation eigene Ziele fokussieren- Anstrengung kontrollieren | ######  - mit Sieg und Niederlage umgehen ######  - optimal regenerieren ######  - Ziele anpassen |

 

Tab.: Beanspruchungsregulation (nach Kleinert, 2005)

Schwimmer reagierten, gemessen am Erholungs-Beanspruchungszustand ([Beanspruchungsgrad](https://schwimmlexikon.de/beanspruchungsgrad/)), auf [Trainingsbelastungen](https://schwimmlexikon.de/trainingsbelastung/) höchst individuell. Sowohl die Art der Reaktion als auch deren zeitliche Verzögerung variieren zwischen den Schwimmerinnen, als auch bei derselben Schwimmerin zu unterschiedlichen Zeitpunkten. Während einige Sportlerinnen wie erwartet mit einem sinkenden Erholungszustand auf intensives Training reagierten, fühlten sich andere durch höhere Beanspruchungen im Training erholter und ausgeglichener. Diese Reaktionen erfolgten teilweise unmittelbar nach dem Training und bei anderen Athletinnen erst um einige Tage verzögert. Das unterstreicht die Forderung nach einer individuellen Betreuung mit einer entsprechenden Erfassung von Trainings- und Erholungsdaten der Athleten (Collette 2016).

Exkurs: Aus ökonomischen Gründen steht der Schwimmer, besonders ab längeren Strecken, vor der Frage, in welchem Umfang (Zweier- bis Sechserschlag) und mit welcher Intensität er die Beinbewegung einsetzt. Wir erklärten den größeren Energieverbrauch immer mit der größeren Muskelmasse der Beine gegenüber den Armen. Tatsächlich konnten australische Sportwissenschaftler nachweisen, dass die unteren Gliedmaßen bei verschiedenen Schwimmgeschwindigkeiten für einen höheren Prozentsatz der Stoffwechselkosten verantwortlich waren als die oberen Gliedmaßen (Morris et al. 2017).

## Quellen

- Kleinert, J. (2005). Leistungsreserven aus sportbiologischer Sicht. DSV-Jahrestagung, Barsinghausen 10/2005
- Morris, Osborne, Shephard, Jenkins & Skinner (2017). Velocity, oxygen uptake, and metabolic cost of pull, kick, and whole-body swimming (12)8, 1046-1051

## Verwandte Begriffe

- [Leistungsvoraussetzung](https://schwimmlexikon.de/leistungsvoraussetzung/)
- [Trainingsbelastung](https://schwimmlexikon.de/trainingsbelastung/)
- [Homöostase](https://schwimmlexikon.de/homoeostase/)
- [Anpassung](https://schwimmlexikon.de/anpassung/)
- [Reizschwelle](https://schwimmlexikon.de/reizschwelle/)
- [Belastungskomponente](https://schwimmlexikon.de/belastungskomponente/)
- [Trainingsprogramm](https://schwimmlexikon.de/trainingsprogramm/)
- [Übertraining](https://schwimmlexikon.de/uebertraining/)
- [Beanspruchungsgrad](https://schwimmlexikon.de/beanspruchungsgrad/)
- [Belastung](https://schwimmlexikon.de/belastung/)
- [Belastungs-Beanspruchungs-Interaktion](https://schwimmlexikon.de/belastungs-beanspruchungs-interaktion/)
- [Belastungsempfinden, subjektives](https://schwimmlexikon.de/belastungsempfinden-subjektives/)

## Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2017). Beanspruchung. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/beanspruchung/ (abgerufen am 26. Oktober 2026).
