# Belastbarkeit

- Quelle: [Schwimmlexikon](https://schwimmlexikon.de/)
- Adresse: https://schwimmlexikon.de/belastbarkeit/
- Englisch: load tolerance
- Schlagwörter: Anatomie, Belastung, Physiologie, Psychologie, Verletzung
- Autor: Klaus Rudolph
- Überarbeitet am: 2020-11-03
- Sprache: de

Belastbarkeit (load tolerance), [Fähigkeit](https://schwimmlexikon.de/faehigkeit/) des Organismus, [Belastungen](https://schwimmlexikon.de/belastung/) ohne gesundheitliche Störungen zu ertragen, oder in Bezug auf den Sport die [Trainings](https://schwimmlexikon.de/trainingsbelastung/)- und Wettkampfbelastungen positiv zu verarbeiten. Belastbarkeit ist eine komplexe Zustandsgröße des Organismus, die durch genetische [Veranlagung](https://schwimmlexikon.de/veranlagung/), [Umwelt](https://schwimmlexikon.de/umwelt/) einflüsse und innere Bedingungen gekennzeichnet ist. Kategorien sind die allgemein - organismische Belastbarkeit, die mechanische Belastbarkeit, die psycho-soziale Belastbarkeit und die Belastbarkeit leistungsbestimmender Systeme (s. Abb.). Dabei ist die Belastbarkeit des Organismus so groß wie die [Leistungsfähigkeit](https://schwimmlexikon.de/leistungsfaehigkeit-sportliche/) seines schwächsten Gliedes. Diese ganzheitliche Betrachtungsweise ist Voraussetzung für ein erfolgreiches [Training](https://schwimmlexikon.de/training/), insbesondere in den [Entwicklungsphasen](https://schwimmlexikon.de/entwicklungsphasen/) der Kinder und Jugendlichen (Fröhner,1993). Nicht zu unterschätzen ist dabei "geplante Erholung" (→[Belastungs-Beanspruchungs-Interaktion](https://schwimmlexikon.de/belastungs-beanspruchungs-interaktion/)). So konnte bei Eliteturnerinnen ein Abfall der sportlichen Leistung bei Schlafdefiziten festgestellt werden (Dumortier et al. 2018).

Beispiele: 1. Ein hochtalentierter Schwimmer kann seine [Leistungen](https://schwimmlexikon.de/leistung/) nicht steigern, da er sein Training wegen[Infekt](https://schwimmlexikon.de/infekt/) en immer wieder unterbrechen muss. Er ist hoch [motiviert](https://schwimmlexikon.de/motivation/), doch kommt er nicht dazu sein [Talent](https://schwimmlexikon.de/talent/) zu entfalten. Hier hilft in den „gesunden Trainingsphasen nicht mehr oder intensiveres Training, sondern grundsätzlich der Mut zur [Pause](https://schwimmlexikon.de/pause/). Der Junge braucht einmal Zeit für sich, für eine „Runderneuerung“, besonders für eine Stabilisation seines [Immunsystems](https://schwimmlexikon.de/immunsystem/). Erst dann wird er wieder belastbar sein und seine Karriere erfolgreich fortsetzen können.

2. Monotones "Kachelzählen" bereits in frühen Jahren führt zu [muskulären Dysbalancen](https://schwimmlexikon.de/dysbalance-muskulaere/). Bei Schwimmern ist besonders das [Schultergelenk](https://schwimmlexikon.de/schwimmerschulter/) betroffen, da die [Innenrotatoren](https://schwimmlexikon.de/innenrotation/) oftmals stärker beansprucht sind als deren [Antagonisten](https://schwimmlexikon.de/antagonist/). Die Folge sind Schulterschmerzen, die wiederum Trainingseinschränkungen und Leistungsabfall bedingen. Dem sollte bereits prophylaktisch mit Kräftigungs-, Dehnungs- und Sensomotorikübungen entgegnet werden (Mühlberger 2015).

3. In der Hatz zwischen Schule/Studium und Training werden oft Abstriche am [Essen](https://schwimmlexikon.de/sporternaehrung/) gemacht ("Mahlzeit zwischen Tür und Angel"). Dabei wird unterschätzt, dass erst eine optimale Ernährung die im [Leistungssport](https://schwimmlexikon.de/leistungssport/) notwendige Belastbarkeit sichert. Es fehlen dann nicht nur die notwendigen [Kalorien](https://schwimmlexikon.de/kalorienbedarf/) für die Muskelarbeit, sondern auch das Immunsystem wird auf Dauer geschwächt.

Exkurs:

 	Entgegen früherer Lehrbuchmeinung sind [Kinder](https://schwimmlexikon.de/kinderleistungssport/) gut [aerob](https://schwimmlexikon.de/ausdauer-aerobe/) und [anaerob](https://schwimmlexikon.de/anaerob/) belastbar. Sie [regenerieren](https://schwimmlexikon.de/regeneration/) sogar schneller nach intensiven Belastungen als Erwachsene. Kritisch können sich aber die mit einer [frühzeitigen Spezialisierung](https://schwimmlexikon.de/spezialisierung-fruehzeitige/) verbundenen chronisch-monotonen Übungen und hohen Stoßbelastungen auf den [passiven Bewegungsapparat](https://schwimmlexikon.de/bewegungsapparat-passiver/) auswirken (Sperlich et al. 2009). Damit liegen im Schwimmen die Belastungsprobleme weniger im [Training](https://schwimmlexikon.de/training/) selbst als in der durch Schule/Studium und Leistungssport hervorgerufenen [Gesamtbelastung](https://schwimmlexikon.de/gesamtbelastung/) (→[Stress](https://schwimmlexikon.de/stress/), →[Doppelbelastung Schule und Sport](https://schwimmlexikon.de/doppelbelastung-schule-und-sport/)).
 	Bei der Entwicklung von [Rehabilitations](https://schwimmlexikon.de/rehabilitation/)- oder Leistungsprogrammen sind 3 Konzepte entscheidend: der "Boden", die "Decke" und die Zeit. Der Boden repräsentiert die aktuelle Kapazität des Athleten, während die Decke die Kapazität darstellt, die für die Ausübung der spezifischen Aktivitäten der Sportart erforderlich ist. Eine Herausforderung in den meisten Sportumgebungen ist die Zeit, die benötigt wird, um vom Boden zur Decke zu gelangen. Werden die Trainingsbelastungen der Athleten zu schnell gesteigert, besteht ein erhöhtes [Verletzungs](https://schwimmlexikon.de/verletzung/)- und Leistungsrisiko (Gabbett 2020).

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"Wie belastbar Kinder sind, stellt sich immer erst zwanzig Jahre später heraus" Thomas S. Lutter (*1962), deutscher Lyriker und Musiker

## Quellen

- Dumortier, Mariman, Boone, Delesie, Tobback, Vogelaers & Bourgois (2018). Sleep, training load and performance in elite female gymnasts. European Journal of Sport Science (18)2, 151-161
- Fröhner, G. (1993). Die Belastbarkeit als zentrale Größe im Nachwuchstraining. Münster: Philippka
- Gabbett, T. J. (2020). How much? How fast? How soon? Three simple concepts for progressing training loads to minimize injury risk and enhance performance. Journal of Orthopaedic & Sports Physical Therapy, 50 (10), 570-573. Zugriff am 03.11.2020 unter https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31726926/ - Zugriff 22.01.23
- Mühlberger, C. (2015). Belastbarkeitssicherndes Ausgleichstraining im Sportschwimmen. Leistungssport (45)1, 4-6
- Sperlich, Heilemann, Zinner, Krüger & Mester (2009). Internationaler Vergleich zum Training und zur Belastbarkeit von Kindern und Jugendlichen mit besonderer Berücksichtigung von intensiven Training, Sport- und Präventivmedizin, S. 39

## Verwandte Begriffe

- [Fähigkeit](https://schwimmlexikon.de/faehigkeit/)
- [Belastung](https://schwimmlexikon.de/belastung/)
- [Trainingsbelastung](https://schwimmlexikon.de/trainingsbelastung/)
- [Veranlagung](https://schwimmlexikon.de/veranlagung/)
- [Umwelt](https://schwimmlexikon.de/umwelt/)
- [Leistungsfähigkeit, sportliche](https://schwimmlexikon.de/leistungsfaehigkeit-sportliche/)
- [Training](https://schwimmlexikon.de/training/)
- [Entwicklungsphasen](https://schwimmlexikon.de/entwicklungsphasen/)
- [Adoleszenz](https://schwimmlexikon.de/adoleszenz-2/)
- [Akupunktur](https://schwimmlexikon.de/akupunktur/)
- [Alterssport](https://schwimmlexikon.de/alterssport/)
- [Anpassungsfähigkeit](https://schwimmlexikon.de/anpassungsfaehigkeit/)

## Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2020). Belastbarkeit. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/belastbarkeit/ (abgerufen am 28. Oktober 2026).
