# Computersimulation

- Quelle: [Schwimmlexikon](https://schwimmlexikon.de/)
- Adresse: https://schwimmlexikon.de/computersimulation/
- Schlagwörter: Biomechanik, Informatik, Physiologie, Wissenschaft
- Autor: Klaus Rudolph
- Überarbeitet am: 2017-03-23
- Sprache: de

Computersimulation (computer simulation), Durchführung einer (simulierten) [Bewegungshandlung](https://schwimmlexikon.de/bewegungshandlung/) mit Hilfe eines Computerprogramms, wobei durch Änderungen einzelner [Parameter](https://schwimmlexikon.de/parameter/) des Modells Erkenntnisse gewonnen werden können Die Naturwissenschaften nutzen die Computersimulation zur Veranschaulichung des Verhaltens einfacher Systeme bis zur Analyse und Darstellbarkeit komplexer dynamischer Systeme. Biologische Systeme, angefangen von einfachen Organismen bis hin zum menschlichen Körper, sind hochkomplexe Systeme. Dies ist wohl die Ursache dafür, dass mit Ausnahme der[Biomechanik](https://schwimmlexikon.de/3680-2/) in der Biologie und [Psychologie](https://schwimmlexikon.de/psychologie/) das Instrument der [Simulation](https://schwimmlexikon.de/simulation/) gegenüber einer traditionell experimentell orientierten [Forschung](https://schwimmlexikon.de/forschung-empirische/) wenig entwickelt ist.

Die [Sportwissenschaft](https://schwimmlexikon.de/sportwissenschaft/) hat noch Nachholebedarf, biologische Funktionen des menschlichen Organismus, wie z.B. dessen mechanische muskuläre Leistung systemtheoretisch zu analysieren und das dynamische Belastungsverhalten bis hin zu sportlichen Spitzenleistungen im Computer zu simulieren. Ein hervorragendes Beispiel ist das Modell der [Energiestoffwechselr](https://schwimmlexikon.de/energiestoffwechsel/) egulation von Mader (1984). Mader begründet ein Konzept der Stoffwechselregulation mit Ableitungen der Gleichungen für die Beschreibung der [Energiebilanz](https://schwimmlexikon.de/energiebilanz/), des Phosphorylierungsgleichgewichts, der Aktivierungskennlinien der Stoffwechselsysteme von [Glykolyse](https://schwimmlexikon.de/glykolyse/) und [Atmung](https://schwimmlexikon.de/atmung/) und der Gleichungen zur Beschreibung des dynamischen Verhaltens. Obwohl die Computersimulation einen faszinierenden Einblick in die [„Blackbox“](https://schwimmlexikon.de/blackbox/), die Möglichkeit integrativer Betrachtung des Phänomens der menschlichen Leistung im Sport bietet (Mader & Allmer, 1996), wird heute noch vorwiegend in der angewandten leistungsphysiologischen Forschung und Praxis experimentell an der `Hardware Mensch' als „Blackbox“ getestet.

Nach eingehender Studienlage werden vor allem biomechanische Fragestellungen (Sprung/Wurf) mit Computersimulationen bearbeitet. Im Schwimmen legte  Mader mit seinen Arbeiten Grundlagen für Simulationen [physiologischer](https://schwimmlexikon.de/physiologie/) Prozesse (s.o.). Nach diesem Ansatz untersuchten Jahre später Rodriguez & Mader (2003) das dynamische Verhalten des Energiestoffwechsels beim Schwimmen anhand von [Fettstoffwechselmessungen](https://schwimmlexikon.de/fettstoffwechsel/). Sie kamen zu der Erkenntnis, dass die Relevanz des [aeroben](https://schwimmlexikon.de/ausdauer-aerobe/) Beitrags zum Gesamtenergiebedarf insbesondere bei jungen Schwimmern nicht unterschätzt werden darf. Eine Erkenntnis, die die Nachwuchsprogramme der Amerikaner wie auch des DSV prägt. Im Schwimmen erschwert das Fehlen experimenteller Daten, numerische Simulationen von Schwimmern auf der freien Oberfläche zu validieren (Sato & Hino 2013). Dank der Entwicklung der Computertechnik häufen sich aber Untersuchungen, wo mit Hilfe von Simulationen [Widerstände](https://schwimmlexikon.de/widerstand/) und [Kräfte](https://schwimmlexikon.de/kraft/) bei verschiedenen Schwimmbewegungen und [Wasserlagen](https://schwimmlexikon.de/wasserlage/) ermittelt werden, wie die folgenden Beispiel der letzten Jahre zeigen:

 	 Das australische Institut für Sport hat ein freies Schwimmanalysesystem namens "Assisted Towing Method" (ATM) entwickelt, mit dem das momentane aktive Ganzkörper-Widerstandsprofil des Schwimmers bei der maximalen [Schwimmgeschwindigkeit](https://schwimmlexikon.de/schwimmgeschwindigkeit/) des Schwimmers geschätzt werden kann. Aus dem aktiven Widerstands- und [Beschleunigungsprofil](https://schwimmlexikon.de/3120-2/) des Schwimmers kann auch das Antriebskraftprofil berechnet werden (Mason et al. 2012).
 	 Für die Simulation des [Bewegungsapparates](https://schwimmlexikon.de/bewegungsapparat/) im Schwimmen haben japanische Wissenschaftler die Software SWUM entwickelt (Nakashima et al., 2007).
 	 Marinho et al. (2010) gelang es, die [hydrodynamischen](https://schwimmlexikon.de/hydrodynamik/) Eigenschaften eines echten Handmodells eines Schwimmers mit verschiedenen Fingerpositionen mittels computergestützter Simulation darzustellen. Sie stellten u.a. fest, dass die Hand mehr Vortrieb erzeugen kann, wenn Daumen und Finger leicht gespreizt sind.

 	Bideau et al. (2010) entwickelten eine Methode zur Bestimmung des Querschnitts des Schwimmerkörpers auf der Basis von Computeranimation. Es wurde ein spezieller [Algorithmus](https://schwimmlexikon.de/algorithmus/) entwickelt, um den Körperquerschnitt automatisch anhand von Körperkonturen zu erhalten.
 	Computergestützte Ganzkörper-Fließdynamikanalysen können zum Modellieren und Lösen komplexer Probleme des Flüssigkeitsflusses verwendet werden und eignen sich ideal für die Analyse des Widerstands und des [Vortriebs](https://schwimmlexikon.de/vortrieb/) im gesamten Körper beim Schwimmen (Banks et al. 2014).

(weitere Studien unter:[https://www.iat.uni-leipzig.de/datenbanken/iks/bms/](https://www.iat.uni-leipzig.de/datenbanken/iks/bms/))

## Quellen

- Banks, James, Hudson, Taunton & Turnock (2014). An analysis of swimmer's passive wave resistance using experimental data and CFD simulations. XIIth International Symposium for Biomechanics and Medicine in Swimming (2014)
- Bideau, Nicolas, Sanders & Kulpa (2010). A new method to evaluate cross-sectional area based on computer animation of swimming. Biomechanics and Medicine in Swimming XI – Abstracts, 60 (O-053)
- Mader & Allmer (Hrsg.) (1996). Möglichkeiten zur Theoriebildung und Ergebnisinterpretation. Brennpunkte der Sportwissenschaft. St. Augustin: Academia-Verlag
- Mader, A. (1984). Eine Theorie zur Berechnung der Dynamik und des steady state von Phosphorylierungszustand und Stoffwechselaktivität der Muskelzelle als Folge des Energiebedarfs. DSHS-Köln
- Sato & Hino (2013). A computational fluid dynamics analysis of hydrodynamic force acting on a swimmers hand in a swimming competition. Journal of Sports Science & Medicine (12)4, 679-689

## Verwandte Begriffe

- [Bewegungshandlung](https://schwimmlexikon.de/bewegungshandlung/)
- [Parameter](https://schwimmlexikon.de/parameter/)
- [Biomechanik](https://schwimmlexikon.de/3680-2/)
- [Psychologie](https://schwimmlexikon.de/psychologie/)
- [Simulation](https://schwimmlexikon.de/simulation/)
- [Forschung, empirische](https://schwimmlexikon.de/forschung-empirische/)
- [Sportwissenschaft](https://schwimmlexikon.de/sportwissenschaft/)
- [Energiestoffwechsel](https://schwimmlexikon.de/energiestoffwechsel/)
- [Computergrafik](https://schwimmlexikon.de/computergrafik/)

## Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2017). Computersimulation. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/computersimulation/ (abgerufen am 31. Oktober 2026).
