# Differenzierungsfähigkeit

- Quelle: [Schwimmlexikon](https://schwimmlexikon.de/)
- Adresse: https://schwimmlexikon.de/differenzierungsfaehigkeit/
- Englisch: differentiation ability
- Schlagwörter: Bewegungslehre, Koordination, Motorik
- Autor: Klaus Rudolph
- Überarbeitet am: 2017-03-27
- Sprache: de

Differenzierungsfähigkeit (differentiation ability), auch kinästhetische oder motorisch Differenzierungsfähigkeit, Komponente der [koordinativen Fähigkeiten](https://schwimmlexikon.de/faehigkeit-koordinative/) zum Erreichen einer hohen Feinabstimmung von [Bewegungsphasen](https://schwimmlexikon.de/bewegungsphasen/) oder [Teilkörperbewegungen](https://schwimmlexikon.de/teilkoerperbewegung/), die sich in [Bewegungsgenauigkeit](https://schwimmlexikon.de/bewegungsgenauigkeit/) und [Bewegungsökonomie](https://schwimmlexikon.de/bewegungsoekonomie/) äußert (Meinel & Schnabel, 2004, S.221), z.B. das Einfädeln in eine Nadel. Sie ist gleichzeitig Voraussetzung für weitere koordinative Fähigkeiten wie z.B. [Gleichgewichts](https://schwimmlexikon.de/gleichgewichtsfaehigkeit/)- und [Rhythmusfähigkeit.](https://schwimmlexikon.de/rhythmisierungsfaehigkeit/) Eine wesentliche Grundlage guter Differenzierungsfähigkeit ist die [Bewegungserfahrung](https://schwimmlexikon.de/bewegungserfahrung/), folglich vielseitiges Üben von der [Grundausbildung](https://schwimmlexikon.de/grundausbildung-schwimmerische/) an. Zugleich unterstützt sie in Verbindung mit der [Umstellungsfähigkeit](https://schwimmlexikon.de/umstellungsfaehigkeit/) eine schnellere Anpassung an neue [Techniken](https://schwimmlexikon.de/technik-sportliche/) (→[Überlernen](https://schwimmlexikon.de/ueberlernen/)), z.B. durch veränderte [Wettkampfbestimmungen.](https://schwimmlexikon.de/10698-2/) →[Differenzierung](https://schwimmlexikon.de/differenzierung/)

Der Schwimmer benötigt eine gut ausgebildete Differenzierungsfähigkeit bei

 	genauem Wiederholen und Beibehalten von Bewegungen in Raum ([Zykluslänge](https://schwimmlexikon.de/zyklusweg-sz/)) und Zeit ([Frequenz](https://schwimmlexikon.de/zugfrequenz/), [Anzahl Züge pro Bahn](https://schwimmlexikon.de/zugzahl/), Einhalten der 15m-Tauchbegrenzung, Abstand zur Wand vor [Wende](https://schwimmlexikon.de/wende/) und[Anschlag,](https://schwimmlexikon.de/anschlag/)
 	der Entspannung bestimmter Muskelgruppen ([Rückholphase](https://schwimmlexikon.de/rueckholphase/), [Kompensationsschwimmen](https://schwimmlexikon.de/kompensationsbereich-ko/)),
 	der Geschwindigkeitsregulation ([Tempogefühl](https://schwimmlexikon.de/tempogefuehl/), [Rennverlauf](https://schwimmlexikon.de/rennstruktur/)),
 	ökonomischen Krafteinsatz (Länge des [Gleitens](https://schwimmlexikon.de/gleiten/) nach Start und Wende, pro Zug)
 	Konzentration auf bestimmte Körperteile (Druck an der Hand, [Wasserlage](https://schwimmlexikon.de/wasserlage/) bei bestimmter [Kopfhaltung](https://schwimmlexikon.de/kopfhaltung/))
 	Auseinandersetzung mit dem Umfeld (Wasserbeschaffenheit, [Startblock](https://schwimmlexikon.de/startblock/), Wende) bis zur Reaktion auf Gegner (Zwischenspurt).

In der Summe dieser Einzelaktionen sprechen wir vom “Wassergefühl“ des Schwimmers als eine wesentliche Grundlage zum Erreichen der [Feinform](https://schwimmlexikon.de/feinform/)(→[Feinkoordination](https://schwimmlexikon.de/feinkoordination/)) der [Schwimmtechnik](https://schwimmlexikon.de/schwimmechnik/). Die Genauigkeit der Ausführung der Schwimmtechnik kann deshalb auch als Maß für die Differenzierungsfähigkeit gelten, mit biomechanischen Methoden präzisiert als Geschwindigkeit bestimmter Teilkörper (Handgeschwindigkeit), bestimmte Winkel (→[Anstellwinkel](https://schwimmlexikon.de/anstellwinkel/) der Beine beim [Brustschwimmen](https://schwimmlexikon.de/brustschwimmen/)) oder Krafteinsätze (z.B. [Seitigkeitsverhalten](https://schwimmlexikon.de/seitigkeit/) an der [Zugbank)](https://schwimmlexikon.de/zugbank/) (Meinel & Schnabel, 2004, S. 213). Wichtig ist hierbei eine sofortige [Rückinformation](https://schwimmlexikon.de/rueckinformation/), damit der Schwimmer die Bewegung differenziert regulieren kann (→[Messplatztraining](https://schwimmlexikon.de/messplatztraining/)) →[Geschicklichkeit](https://schwimmlexikon.de/geschicklichkeit/)

Exkurs: Die Wettkampftaktik ist stark an die [kinästhetischen](https://schwimmlexikon.de/kinaesthesie/) Differenzierungsfähigkeit gebunden. In einer Studie wurden die tatsächlichen Zeiten über 50m mit den vom Schwimmer erwarteten verglichen. Diese korrelierten bei den Schwimmern stärker als bei den Schwimmerinnen (Invernizzi et al. 2010). Haben Schwimmer tatsächlich ein besseres Zeitgefühl (Timing)?

## Quellen

- Invernizzi, Longo, Scurati & Michielon (2010). Evaluation of the kinaesthetic differentiation abilities in male and female swimmers. Biomechanics and Medicine in Swimming XI, Kongressband 324-325
- Meinel & Schnabel (2004). Bewegungslehre – Sportmotorik. München: Südwest-Verlag

## Verwandte Begriffe

- [Fähigkeit, koordinative](https://schwimmlexikon.de/faehigkeit-koordinative/)
- [Bewegungsphasen](https://schwimmlexikon.de/bewegungsphasen/)
- [Teilkörperbewegung](https://schwimmlexikon.de/teilkoerperbewegung/)
- [Bewegungsgenauigkeit](https://schwimmlexikon.de/bewegungsgenauigkeit/)
- [Bewegungsökonomie](https://schwimmlexikon.de/bewegungsoekonomie/)
- [Gleichgewichtsfähigkeit](https://schwimmlexikon.de/gleichgewichtsfaehigkeit/)
- [Rhythmisierungsfähigkeit](https://schwimmlexikon.de/rhythmisierungsfaehigkeit/)
- [Bewegungserfahrung](https://schwimmlexikon.de/bewegungserfahrung/)
- [Feinkoordination](https://schwimmlexikon.de/feinkoordination/)
- [Geschicklichkeit](https://schwimmlexikon.de/geschicklichkeit/)
- [Wassergefühl](https://schwimmlexikon.de/wassergefuehl/)

## Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2017). Differenzierungsfähigkeit. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/differenzierungsfaehigkeit/ (abgerufen am 25. Oktober 2026).
