# Elektromyostimulation

- Quelle: [Schwimmlexikon](https://schwimmlexikon.de/)
- Adresse: https://schwimmlexikon.de/elektromyostimulation/
- Schlagwörter: Physiologie, spezifische Kraft, Trainingsmittel
- Autor: Klaus Rudolph
- Überarbeitet am: 2025-09-13
- Sprache: de

Elektrosmyostimulation (EMS) (electro-myo-stimulation), griech. myos „Muskel“; „[Reizung](https://schwimmlexikon.de/belastungsreiz/) der Muskulatur durch elektrische Ströme bestimmter Frequenz, Stärke und Dauer, wodurch [atrophierte](https://schwimmlexikon.de/muskelatrophie/) und geschwächte [Muskelgruppen](https://schwimmlexikon.de/muskelgruppe/) schneller zur normalen [Leistungsfähigkeit](https://schwimmlexikon.de/leistungsfaehigkeit-motorische/) gebracht werden als durch Willkürkontraktion allein“ (Neumann, in: Schnabel & Thieß, 1993, S.249). s. [Elektromyostimulation](https://schwimmlexikon.de/elektromyostimulation/)

EMS wird hauptsächlich in der Sportmedizin eingesetzt, um Schmerzen zu lindern und Schwellungen nach sportbedingten Verletzungen von Sehnen und Bändern zu reduzieren (Fujiya & Goto (2016). Nach ersten Hinweisen zur Anwendung der EMS im Leistungssport sollte deren Einsatz im [Training](https://schwimmlexikon.de/training/)  an ausgereifte muskuläre Strukturen gebunden sein und somit dem [Hochleistungstraining](https://schwimmlexikon.de/hochleistungstraining-hlt/) unter Aufsicht erfahrener [Sportmediziner](https://schwimmlexikon.de/sportmediziner/) vorbehalten bleiben, da bei unsachgemäßer Anwendung Herkammerflimmern eintreten kann (Paerisch 1971). Besonders nach Erstanwendungen wurden hohe Kreatinkinase-Werte festgestellt. Deshalb verweisen Kemmler et al. (2016): darauf, "dass (a) unsachgemäße WB-EMS-Erstapplikation durchaus negative gesundheitliche Konsequenzen haben kann, (b) eine ausbelastende bzw. sehr intensive WB-EMS-Erstapplikation in jedem Fall zu unterbleiben hat und (c) ein rascher Gewöhnungseffekt auch hinsichtlich ausbelasteter WB-EMS-Applikation auftritt. Letzteres ist zur Realisierung relevanter Effekte, vergleichbar einem konventionellen Krafttraining, nicht zwingend nötig."  Empfohlen werden mittelfrequente Stromformen (Frequenzen um 2.000 Hz und modulierte Ströme), wie sie in einigen Therapiegeräten, aber auch in Trainingssystemen genutzt werden.

Der Nutzen für den Hochleistungssportler war in der [Sportwissenschaft](https://schwimmlexikon.de/sportwissenschaft/) lange umstritten und durch ein Übergewicht von Studien unter [isometrischen](https://schwimmlexikon.de/krafttraining-isometrisches/) Bedingungen gekennzeichnet. Erst als hochintensive mechanische Kraftbelastungen und submaximale EMS bei dynamischer Bewegungsausführung vereint wurden, wurde eine höhere Aktivierung und Kraftentfaltung über das gesamte [Bewegungsausmaß](https://schwimmlexikon.de/bewegungsradius-rom/) erreicht  "Zusätzlich zur submaximalen Stimulation der Muskulatur über ein festgelegtes Bewegungsausmaß in dynamischer Ausführung können moderne Ganzkörper-EMS Geräte außerdem mehrere Muskelgruppen simultan ansteuern und so Muskelketten unterstützend stimulieren und dadurch das Training intensivieren. Durch die simultane Stimulation von [Agonisten](https://schwimmlexikon.de/agonist/) und [Antagonisten](https://schwimmlexikon.de/antagonist/) kann auch eine größere Körper- und Gelenksstabilisation erreicht werden." (Wirtz & Kleinöder, 2015). Micke et al. (2018) konnten nachweisen, dass besonders die ischiocrurale Muskulatur auf EMS besser ansprach als ein identisches Training ohne EMS (S. 61). In der Trainingspraxis der Schwimmer hat sich zur Optimierung der muskulären Ansteuerung „EMS in der Bewegung“ (→[Schwimmbank](https://schwimmlexikon.de/schwimmbank/)) bei einer Dauer von 2-3 Wochen (3-5x wöchentlich) bewährt. So erhöhte ein dreiwöchiges EMS-Training die Kraft des [m. latissimus dorsi](https://schwimmlexikon.de/rueckenmuskel-breiter/) und die Schwimmleistung (Pichon et al. 1995). Unmittelbar vor und nach der EMS sind keine intensiven [Trainingsmethoden](https://schwimmlexikon.de/trainingsmethode/)(ausgenommen [Sprints](https://schwimmlexikon.de/sprintschnelligkeit/)) zu planen. Ferner ist nach EMS ein Rückgang der maximalen Kontraktionsfähigkeit und der zentralen Aktivierungsfähigkeit beobachtet worden (Boerio et al. 2005). →[Maximalkraft, exzentrische](https://schwimmlexikon.de/maximalkraft-exzentrische/)

Die Sportler im kurzen [Zeitprogramm](https://schwimmlexikon.de/zeitprogramm/) (Sprung, Wurf, Sprint) werden durch das zumeist kraftausdauerorientierte Training unzureichend ihren neuromuskulären Bewegungsprogrammen entsprechend belastet. "[Neuromuskulär](https://schwimmlexikon.de/neuromuskulaer/) inadäquate Belastungsreize führen zu keiner [Konditionierung](https://schwimmlexikon.de/konditionierung/) der vorhandenen [Bewegungsstruktur](https://schwimmlexikon.de/bewegungsstruktur/), sondern eher zu deren Störung oder gar Zerstörung. Der semispezifische [Trainingsbereich](https://schwimmlexikon.de/trainingsbereich/) stellt dabei das Hauptproblem dar. Hier kann das kurze Zeitprogramm aufgrund der relativ geringen [Geschwindigkeit](https://schwimmlexikon.de/geschwindigkeit/) s- bzw. [Intensität](https://schwimmlexikon.de/belastungsintensitaet/) sanforderungen auch von den Sportlern mit kurzem Zeitprogramm meistens nicht realisiert werden. Im Gegensatz zur EMS, die auf Kraftzuwachs und [Muskelaufbau](https://schwimmlexikon.de/muskelaufbau/) orientiert war, wendeten Leipziger Sportwissenschaftler ein Verfahren (Bioimpulser Schnellkrafttraining) an, das primär auf die Beeinflussung neuromuskulärer Programme ausgerichtet war. Damit war es gelungen, dass Sportler im kurzen Zeitprogramm mit Hilfe der Bewegungsgesteuerten Neuromuskulären Stimulation (BNS) in höherem Maße strukturadäquat trainieren können und sich in ihren Kraft- und Leistungsparametern sehr gut entwickeln (Lehmann et al. 1999).

Exkurs: Das EMS-Training kommt ursprünglich aus der [Physiotherapie](https://schwimmlexikon.de/physiotherapie/) und spielt besonders wegen seiner Zeiteffektivität eine bedeutende Rolle im [Fitnessmarkt](https://schwimmlexikon.de/fitness/). In Deutschland trainieren mittlerweile rund 140.000 Menschen bei rund 1.500 EMS-Anbietern. ([https://www.fitogram.de/pro/articles/ems-markt-in-deutschland-2016-teil-1](https://www.fitogram.de/pro/articles/ems-markt-in-deutschland-2016-teil-1) - Zugriff 7.04.2019). Dabei werden von den Herstellern bahnbrechende Trainingserfolge im Liegen gepriesen („Bodystreet“: Gewichtsverlust, Hautstraffung usw.) und es wird unterschlagen, dass EMS körpereigene Unterstützung braucht, um richtig zu funktionieren. In einer Auswertung verschiedener Studien kommen Narvaez et al. (2025) zu dem Ergebnis, dass die Verwendung von neuromuskulärer Elektrostimulation während konventionellem Widerstandstraining (RT) zu größeren Zuwächsen bei [Kraft](https://schwimmlexikon.de/muskelkraft/) und [Muskelmasse](https://schwimmlexikon.de/wp-content/uploads/Muskelmasse-scaled.jpg) führt als nur isoliert durchgeführten RT. Dabei hat die Wahl EMS-spezifischer Faktoren wie der Anwendungsmodus, die Kombination mit willkürlicher Aktivierung und die Auswahl der Stimulationsprotokolle einen Einfluss auf die Größe der Effekte und sollte daher insbesondere bei Sportlern sorgfältig abgewogen werden (Mike et al. 2022). es sollten aber auch die Kosten nicht unterschätzt werden (z.B. 20 € für 15 Minuten, u.U. über 1000€ jährlich). Wer von Termin zu Termin hetzt und bei weniger Zeit ähnliche Ergebnisse wie beim "normalen" Fitnesstraining erwartet, kann es versuchen. Zu den angeblich ausreichenden 20 Minuten einmal pro Woche (?) kommt etwa die gleiche Zeit beim Anlegen der Spezialkleidung und Elektroden hinzu.

Video: (Beitrag NDR) [https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/EMS-Training-Schaedlich-fuer-Muskeln-und-Nieren,emstraining100.html](https://www.ndr.de/ratgeber/gesundheit/EMS-Training-Schaedlich-fuer-Muskeln-und-Nieren,emstraining100.html) (Zugriff 13.02.2019)

## Quellen

- Boerio, Jubeau, Zory & Maffiuletti (2005). Central and peripheral fatigue after electrostimulation-induced resistance exercise. Med. Sci. Sports Exerc., 37 (6) 2005, 973-978
- Fujiya & Goto (2016). New aspects of microcurrent electrical neuromuscular stimulation in sports medicine. The Journal of Physical Fitnes (5)1, 69-72
- Kemmler, Froehlich, Fröhlich, von Stengel, & Kleinöder (2016). Whole-body electromyostimulation – The need for common sense! Rationale and guideline for a safe and effective training. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin (67)9, 218-221
- Lehmann, Voß & Witt (1999). Erste Erfahrungen im Praxiseinsatz der Bewegungsgesteuerten Neuromuskulären Stimulation (BNS) mit dem neuen Bioimpulser "Schnellkrafttrainer". Leistungssport (29)4, 39-43
- Micke, Wirtz, Dörmann & Kleinöder (2018). Entwicklung und Evaluation von Trainingsprogrammen zur Steigerung muskulärer Leistung (Peak Power) für sportartübergreifende motorische Grundfähigkeiten (Sprint, Sprung, Wurf, Schlag) mit Elektromyostimulation und deren Integration in das Anforderungsprofil verschiedener Disziplinen im Leistungssport. BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2016/17, 57-62
- Narvaez, Apaflo, Wagler, McAinch & Bajpeyi (2025). The additive effect of neuromuscular electrical stimulation and resistance training on muscle mass and strength. European Journal of Applied Physiology, Zugriff am 07.02.2025 unter https://doi.org/10.1007/s00421-024-05700-2. https://doi.org/10.1007/s00421-024-05700-2
- Paerisch, M. (1971). Erfahrungen und Erkenntnisse aus Experimenten mit der Elektromyostimulation. Theorie und Praxis des Leistungssports, 11(1973) Beiheft, 50-55
- Pichon, Chatard, Martin & Cometti (1995). Electrical stimulation and swimming performance. Medicine & Science in Sports & Exercise, Indianapolis 27(1995)12, S. 1671 - 1676
- Wirtz & Kleinöder (2015). Auswirkungen von dynamischen Kraftbelastungen und simultaner elektrischer Stimulation auf akute metabolische, enzymatische und hormonelle Reaktionen sowie langfristige Anpassungen differentieller Kraft-, Ausdauer- und Schnelligkeitsparameter an einen 6-wöchigen Trainingsblock. BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2013/14, 65-71

## Verwandte Begriffe

- [Belastungsreiz](https://schwimmlexikon.de/belastungsreiz/)
- [Muskelatrophie](https://schwimmlexikon.de/muskelatrophie/)
- [Muskelgruppe](https://schwimmlexikon.de/muskelgruppe/)
- [Leistungsfähigkeit, motorische](https://schwimmlexikon.de/leistungsfaehigkeit-motorische/)
- [Training](https://schwimmlexikon.de/training/)
- [Hochleistungstraining (HLT)](https://schwimmlexikon.de/hochleistungstraining-hlt/)
- [Sportmediziner](https://schwimmlexikon.de/sportmediziner/)
- [Sportwissenschaft](https://schwimmlexikon.de/sportwissenschaft/)
- [Atrophie](https://schwimmlexikon.de/atrophie/)
- [Elektromyografie](https://schwimmlexikon.de/elektromyografie/)
- [Inaktivitätsatrophie](https://schwimmlexikon.de/inaktivitaetsatrophie/)
- [Intensivierung](https://schwimmlexikon.de/intensivierung/)

## Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2025). Elektromyostimulation. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/elektromyostimulation/ (abgerufen am 20. Oktober 2026).
