# Entwicklungsphase, sensible

- Quelle: [Schwimmlexikon](https://schwimmlexikon.de/)
- Adresse: https://schwimmlexikon.de/entwicklungsphase-sensible/
- Englisch: developmental phase, sensitive
- Schlagwörter: Langfristiger Leistungsaufbau, Nachwuchstraining
- Autor: Klaus Rudolph
- Überarbeitet am: 2017-04-12
- Sprache: de

Entwicklungsphase, sensible (developmental phase, sensitive), von der Embryologie übernommenes Konzept, wonach "es in der morphologischen Entwicklungvon pflanzlichen und tierischen Organismen zeitlich begrenzte Abschnitte gibt, in denen die Zellsysteme auf Einflüsse aus der Umgebung besonders empfindlich reagieren, während solche Einflüsse in einem späteren Entwicklungsstadium keine entwicklungsbestimmenden Auswirkungen mehr haben". Von seinen Studien mit Tieren angeregt entwickelte Lorenz das Konzept der Prägung. Letztendlich steht aber die Annahmen über sensible Phasen in der menschlichen Entwicklung „auf schwachen Beinen" (Baur, 1987, S.9). Winter sah einen möglichen empirischen Nachweises sensibler Phasen skeptisch und sprach lediglich von "trainingsgünstigen Zeiträumen für die Ausprägung sportlicher Fähigkeiten und Fertigkeiten" (Winter, 1980,102).

Ungeachtet dessen dominierte der Begriff der sensitiven Phasen die Lehrbücher als ein Lebensabschnitt, in dem der Sportler auf [Trainingsreize i](https://schwimmlexikon.de/trainingswirkung/) ntensiver reagiert als zu anderen Zeiten und somit lern- und anpassungsfähiger ist (auch Prägungsphasen). Diese Phasen sind, insbesondere im Bereich der [Motorik](https://schwimmlexikon.de/motorik/), vielfach [empirisch](https://schwimmlexikon.de/empirisch/) nachgewiesen („bestes motorisches [Lernalter](https://schwimmlexikon.de/lernalter-bestes/)“), wobei aber neuere Untersuchungen die Befundlage zur „Theorie der sensiblen Phasen“ kontrovers darstellen und so der endgültige wissenschaftliche Nachweis der „sensitiven Phasen“ noch ausbleibt (Hohmann et al. 2002). Dem entgegen führen Leipziger Sportwissenschaftler drei Positionen ins Feld (in Schnabel et.al.2008, S. 412).

 	Sensible Phasen bedingen nicht schicksalhaft die Leistungsentwicklung, später ist aber zumeist der Trainingsaufwand höher.
 	Durch die Nutzung sensibler Phasen können im [langfristigen Aufbau](https://schwimmlexikon.de/leistungsaufbau-langfristiger/) Entwicklungspotenzen effektiver genutzt werden.
 	Durch belastungsreduzierte Phasen wird einerseits der Halte- und Stützapparat geschont, andererseits frühzeitig an die [Kraft](https://schwimmlexikon.de/kraft/)/[Last-](https://schwimmlexikon.de/last/) und [Hebelverhältniss](https://schwimmlexikon.de/hebel/) e angepasst.

Exkurs: Letztendlich „wird akzeptiert, dass die Praxis des [Hochleistungssports](https://schwimmlexikon.de/hochleistungssport/) Unterstützung seitens der [Trainingswissenschaft](https://schwimmlexikon.de/trainingswissenschaft/) benötigt und dabei nicht immer auf die Klärung strittiger Fragen warten kann“ (ebenda). Eine mechanistische Zuordnung bestimmter Fähigkeitsentwicklungen an das Lebensalter sind besonders im [mittleren Kindesalter](https://schwimmlexikon.de/kindesalter-mittleres/) bis zum[frühen Jugendalter](https://schwimmlexikon.de/jugendalter-fruehes/) wegen der unterschiedlichen Wachstumsverläufe schwer zu praktizieren. Trotzdem gibt es Schwerpunkte, die für ein systematisches [Nachwuchstraining](https://schwimmlexikon.de/nachwuchstraining/) von den Wissenschaftlern des IAT „auf den Punkt“ gebracht wurden:

„Alle energetischen und neuronalen Systeme sind jederzeit trainierbar, die Anpassungsmechanismen verlaufen jedoch in den jeweiligen Entwicklungs­abschnitten effektiver, wenn die [Belastung](https://schwimmlexikon.de/belastung/) in [Umfang](https://schwimmlexikon.de/belastungsumfang/), [Intensität](https://schwimmlexikon.de/belastungsintensitaet/) und Fre­quenz individuell angemessen erfolgt. Vor dem Abschluss der [Geschlechtsreife](https://schwimmlexikon.de/geschlechtsreife/) sollte der Schwerpunkt auf der Ausbildung grundlegender sportlicher Bewegungsformen (von vielseitig hin zu sportart­gerichtet), der [Schnelligkeit](https://schwimmlexikon.de/9270-2/) und [Gewandthei](https://schwimmlexikon.de/gewandtheit/) t sowie der [Kraft](https://schwimmlexikon.de/kraft) zur Sicherung der [Belastbarkeit](https://schwimmlexikon.de/belastbarkeit/) liegen.“ (Hoffmann et al, 2013, S.8).

 

## Quellen

- Baur, J. (1987). Über die Bedeutung "sensibler Phasen" für das Kinder- und Jugendtraining. Leistungssport (17)4, 9-14
- Hoffmann, Pfützner, Wick Büsch, Seidel, Wolfarth, Wulff und Henschel (2013). Wege an die Spitze. Nachwuchsleistungssport-Symposium 6.- 8. Mai 2013 in Leipzig, IAT - Institut für Angewandte Trainingswissenschaft Leipzig (2013)
- Hohmann, Lames & Letzelter (2002). Einführung in die Trainingswissenschaft. Wiebelsheim: Limpert 2002

## Verwandte Begriffe

- [Trainingswirkung](https://schwimmlexikon.de/trainingswirkung/)
- [Motorik](https://schwimmlexikon.de/motorik/)
- [empirisch](https://schwimmlexikon.de/empirisch/)
- [Lernalter, bestes](https://schwimmlexikon.de/lernalter-bestes/)
- [Leistungsaufbau, langfristiger](https://schwimmlexikon.de/leistungsaufbau-langfristiger/)
- [Kraft](https://schwimmlexikon.de/kraft/)
- [Last](https://schwimmlexikon.de/last/)
- [Hebel](https://schwimmlexikon.de/hebel/)
- [Sensitive Phase](https://schwimmlexikon.de/sensitive-phase/)

## Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2017). Entwicklungsphase, sensible. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/entwicklungsphase-sensible/ (abgerufen am 4. November 2026).
