# Erbanlage

- Quelle: [Schwimmlexikon](https://schwimmlexikon.de/)
- Adresse: https://schwimmlexikon.de/erbanlage/
- Schlagwörter: Talent
- Autor: Klaus Rudolph
- Überarbeitet am: 2017-04-12
- Sprache: de

Erbanlage/Erbgut (genetic trait; hereditary factor), „die auf den [Genen](https://schwimmlexikon.de/genetik/) beruhende Potenz eines Organismus zur Ausbildung bestimmter Merkmale“ (ROCHE-Lexikon, 1987) oder einfach gesagt, [Eigenschaften](https://schwimmlexikon.de/eigenschaft/) und [Fähigkeiten](https://schwimmlexikon.de/faehigkeit/), die die Vorfahren mit auf den Weg gegeben haben.

Indem körperliches [Wachstum](https://schwimmlexikon.de/wachstum/) und [Reifung](https://schwimmlexikon.de/reifung/) stark von den Erbanlagen mitbestimmt werden, werden zugleich Möglichkeiten und Grenzen des sportlichen [Talents](https://schwimmlexikon.de/talent/) aufgezeigt. Dabei ist der „Henne versus Ei-Streit“ end- wie sinnlos. Man ist sich aber einig, dass der genetische Einfluss im Bereich der [Motorik](https://schwimmlexikon.de/motorik/) bedeutsam sei (Kaross & Martin, 1996).

Die Erbanlagen beziehen sich im Schwimmen nicht nur auf den [Körperbau](https://schwimmlexikon.de/koerperbau/), der ins Auge fallend immer wieder beispielhaft herangezogen wird, sondern auf physiologische und psychologische Abläufe, die aber stark dem Wechselspiel von Erbe und [Umwelt](https://schwimmlexikon.de/umwelt/) unterliegen. Der direkte Vergleich mit den [Eltern](https://schwimmlexikon.de/eltern/) erweist sich dabei nicht immer als Treffer, denn die [Anlagen](https://schwimmlexikon.de/veranlagung/) gehen manchmal verschlungene Wege („er ist mehr nach dem Opa als dem Vater geraten“). Wer kennt nicht den Ausspruch „Entweder er hat’s oder hat‘s nicht“, wenn es zum Beispiel um das Wassergefühl geht oder „Aus einem Ackergaul macht man kein Rennpferd“, wenn Sprinter gesucht werden. 75 Prozent der Kinder, die [Leistungssport](https://schwimmlexikon.de/leistungssport/) betreiben, haben leistungsorientierte Eltern. Was nun - Erbe oder Umwelt? Besser: Erbe und Umwelt!

Exkurs: Von Mendels Erbsenzählerei (1854) über die [Chromosomen](https://schwimmlexikon.de/x-chromosom/) theorie (1888) bis zur Isolierung eines einzelnen Gens durch Beckwith 1969 war es ein Weg voller Erkenntnisse und Widersprüche. Heute steht die Referenzsequenz des menschlichen [Genoms](https://schwimmlexikon.de/genom/) zum Download im Internet bereit. Seit 2003 gilt das menschliche Genom als entschlüsselt. Das ist eine beeindruckende Entwicklung. Zugleich wird aber immer wieder vor zu viel Euphorie gewarnt. Obwohl die Techniken zur [Genmanipulation](https://schwimmlexikon.de/genormforschung/) vorhanden sind, wird immer offensichtlicher, dass es keine kausal gerichtete Beziehung zwischen [Genotyp](https://schwimmlexikon.de/genotyp/) und Eigenschaft gab, „sondern es sich bei der Ausprägung [phänotypische](https://schwimmlexikon.de/phaenotyp/) r Merkmale um einen hochkomplexen Prozess von Wechselwirkungen und Rückkoppelungen zwischen [DNS](https://schwimmlexikon.de/desoxyribonukleinsaeure-dna/), RNS, [Proteinen](https://schwimmlexikon.de/protein/) und Zellplasma handelte" (Martin & Weiss, 2009, S.46). Es ist sicherzustellen, dass die dank der neuen molekularen Technologien (Sequenzierung) gewonnene große Datenmenge ethisch verantwortungsvoll zum Verständnis der molekularen Grundlagen für die sportliche Leistungsfähigkeit beiträgt (Santos et al. 2016).
Sagt Marilyn Monroe zu Albert Einstein: „Wäre es nicht wundervoll, wenn wir ein Kind hätten mit deiner Intelligenz und meiner Schönheit?“ Einstein erwidert: „Wäre toll, aber was machen wir, wenn es andersherum kommt?“

## Quellen

- Kaross & Martin (1996). Das „sportliche Talent“, In: Starischka et al. (Hrsg.): Schwerpunktthema Nachwuchstraining. Erlensee, 178-180
- Martin &. Weiß (2009). Die Auflösung der menschlichen Natur, in Bios und Zoë, Suhrkamp Verlag Frankfurt a.M,
- Santos, Pimentel-Coelho, Budowle, de Moura-Neto, Dornelas-Ribeiro, Pompeu & Silva (2016). The heritable path of human physical performance: from single polymorphisms to the "next generation". Scandinavian Journal of Medicine & Science in Sports (26)6, 600-612

## Verwandte Begriffe

- [Genetik](https://schwimmlexikon.de/genetik/)
- [Eigenschaft](https://schwimmlexikon.de/eigenschaft/)
- [Fähigkeit](https://schwimmlexikon.de/faehigkeit/)
- [Wachstum](https://schwimmlexikon.de/wachstum/)
- [Reifung](https://schwimmlexikon.de/reifung/)
- [Talent](https://schwimmlexikon.de/talent/)
- [Motorik](https://schwimmlexikon.de/motorik/)
- [Körperbau](https://schwimmlexikon.de/koerperbau/)
- [Charakter](https://schwimmlexikon.de/charakter/)
- [Determinante](https://schwimmlexikon.de/determinante/)
- [Dominanz](https://schwimmlexikon.de/dominanz/)
- [Ehrgeiz](https://schwimmlexikon.de/4362-2/)

## Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2017). Erbanlage. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/erbanlage/ (abgerufen am 27. Oktober 2026).
