# Ermüdung

- Quelle: [Schwimmlexikon](https://schwimmlexikon.de/)
- Adresse: https://schwimmlexikon.de/ermuedung/
- Englisch: fatigue
- Schlagwörter: Belastung, Physiologie, Psychologie, Regeneration
- Autor: Klaus Rudolph
- Überarbeitet am: 2024-06-14
- Sprache: de

Ermüdung (fatigue), (Physiologie): vorübergehender Abfall der Leistungsfähigkeit, der akut nach geistigen oder körperlichen Belastungen oder chronisch bei Übertraining (chronisches Müdigkeitssyndrom) auftreten kann. Erstmals wurde eine Arbeitsdefinition von Ermüdung von Edwards (1981) vorgeschlagen: "Ermüdung ist ein Versagen, die erforderliche oder erwartete Arbeitsleistung aufrechtzuerhalten". Man unterscheidet zentrale (vom [ZNS](https://schwimmlexikon.de/zentralnervensystem/) gesteuerte) von peripherer (die [Muskulatur](https://schwimmlexikon.de/muskel/) betreffende) Ermüdung.  Auslöser einer Ermüdung des Nervensystems sind veränderte Transmittersubstanzen, einer muskulären Ermüdung zumeist eine mangelhafte [Energiebereitstellung](https://schwimmlexikon.de/energiebereitstellung/). Bei Schwimmern bestand ein logarithmischer Zusammenhang zwischen Leistung und Aktivitätsniveau des vegetativen Nervensystems (Chalencon et al. 2012). Ermüdung ist ein Schutzmechanismus gegenüber überhöhter [Beanspruchung](https://schwimmlexikon.de/beanspruchung/). Ein Gradmesser der Ermüdung ist die [Erholungspulssumme](https://schwimmlexikon.de/erholungspulssumme/) oder auch Veränderungen der [Herzfrequenzvariabilität](https://schwimmlexikon.de/herzfrequenzvariabilitaet-hrv/) (Schmitt et al. 2016). Durch [Regenerationsmaßnahmen](https://schwimmlexikon.de/regenerationsmassnahmen/) kann einer Ermüdung vorgebeugt werden. Erfahrene und qualifizierte Trainer erkennen den Grad der Ermüdung des Schwimmers besonders an der Stabilität seiner Technik (Thow et al. 2014, Tella et al. 2008). Andererseits können Ermüdungsprozesse durch eine hohe Bewegungsökonomie verzögert werden (Hahn 1992) →[Ermüdung, mentale](https://schwimmlexikon.de/ermuedung-mentale/)

Platonov (2013) grenzt den Begriffsinhalt von Ermüdung von dem der subjektiven Ermüdung ab. Danach ist Ermüdung ein objektiver Prozess, der infolge anstrengender oder langdauernder Tätigkeit entsteht; subjektive Ermüdung dagegen die Wahrnehmung bzw. die Widerspiegelung dieses Prozesses, der den Organismus vor übermäßiger Erschöpfung schützt. Nach Kuznetsova & Ovchinnikov (2018) ist Ermüdung eine biomechanische Kategorie. So beeinflusste die ermüdungsbedingte Veränderung isometrischer Spitzendrehmomente von Ellenbogenbeuger und -strecker Zyklusfrequenz und [Zyklusweg](https://schwimmlexikon.de/zyklusweg-sz/) (Greco et al., Dekerle & King, 2014), wie auch weitere raumzeitliche Variablen (Ribeiro et al. 2014). Logisch - aber man muss es eben erst einmal wissenschaftlich nachweisen.

Exkurs: Die Wissenschaft hat inzwischen einen „Stimmungsmacher“ entdeckt, der den „Inneren Schweinehund“ ein Stück in Schach hält: Seretonin, ein [Neurotransmitter](https://schwimmlexikon.de/neurotransmitter/) lockert die vom [ZNS](https://schwimmlexikon.de/zentralnervensystem/) angezogene Notbremse wieder etwas. Die [WADA](https://schwimmlexikon.de/wada/) muss sich kümmern!

## Quellen

- Chalencon, Busso, Lacour, Garet, Pichot, Connes, Gabel, Roche & Barthélémy (2012). A model for the training effects in swimming demonstrates a strong relationship between parasympathetic activity, performance and index of fatigue (7)12, 10.1371/journal.pone.0052636. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0052636
- Findeisen, Linke & Pickenhain (1980). Grundlagen der Sportmedizin. Leipzig: Johann Ambrosius Barth 1980
- Hahn, A. A. (1992). Wechselbeziehungen zwischen Ermüdungsprozessen und der Koordination von Teilbewegungen im Training und Wettkampf des Sportschwimmers. Leistungssport (22)3, 38-40
- Platonov, W. (2013). Die Periodisierung des sportlichen Trainings. Allgemeine Theorie und ihre praktische Anwendung (Kapitel 9: Belastung, Ermüdung, Wiederherstellung, Superkompensation und verzögerter Trainingseffekt, S. 165-201), Kiew: Olimpiiskaja literatura (russ.),
- Ribeiro, Morais, Figueiredo, de Jesus, Vilas-Boas & Fernandes (2014). Effect of fatigue in spatiotemporal parameters during 100 m front-crawlevent monitored through 3D dual-medial automatic tracking, XIIth International Symposium for Biomechanics and Medicine in Swimming, 218-222
- Schmitt, Regnard, Auguin & Millet (2016). Monitoring training and fatigue with heart rate variability: Case study in a swimming Olympic champion. Journal of Fitness Research (5)3, 38-45

## Verwandte Begriffe

- [Zentralnervensystem](https://schwimmlexikon.de/zentralnervensystem/)
- [Muskel](https://schwimmlexikon.de/muskel/)
- [Energiebereitstellung](https://schwimmlexikon.de/energiebereitstellung/)
- [Beanspruchung](https://schwimmlexikon.de/beanspruchung/)
- [Erholungspulssumme](https://schwimmlexikon.de/erholungspulssumme/)
- [Herzfrequenzvariabilität (HRV)](https://schwimmlexikon.de/herzfrequenzvariabilitaet-hrv/)
- [Regenerationsmaßnahmen](https://schwimmlexikon.de/regenerationsmassnahmen/)
- [Ermüdung, mentale](https://schwimmlexikon.de/ermuedung-mentale/)
- [Affekthandlung](https://schwimmlexikon.de/affekthandlung/)
- [Aldosteron](https://schwimmlexikon.de/aldosteron/)
- [Ausdauer](https://schwimmlexikon.de/ausdauer/)
- [Ausdauer, wettkampfspezifische](https://schwimmlexikon.de/ausdauer-wettkampfspezifische/)

## Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2024). Ermüdung. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/ermuedung/ (abgerufen am 25. Oktober 2026).
