# Gedächtnis

- Quelle: [Schwimmlexikon](https://schwimmlexikon.de/)
- Adresse: https://schwimmlexikon.de/gedaechtnis/
- Englisch: memory
- Schlagwörter: Lernen, Physiologie, Psychologie
- Autor: Klaus Rudolph
- Überarbeitet am: 2017-05-21
- Sprache: de

Gedächtnis (memory), Fähigkeit des [Gehirn](https://schwimmlexikon.de/gehirn/) s, Informationen zu speichern und abzurufen. Dazu zählen auch [Bewegungsmuster](https://schwimmlexikon.de/bewegungsmuster/). Es werden drei Gedächtnisbereiche unterschieden:

 	Ultrakurzzeit (sensorisches) - Gedächtnis mit großer Speicherkapazität und sehr geringer Speicherdauer (max. 2 Sekunden),
 	[Kurzzeit – Gedächtnis](https://schwimmlexikon.de/6737-2/) (Arbeitsgedächtnis) mit begrenzter Speicherkapazität und Speicherdauer bis zu einer halben Minute,
 	[Langzeit - Gedächtnis](https://schwimmlexikon.de/langzeitgedaechtnis/) mit großer Speicherkapazität und Speicherdauer über Jahre bis zu einem Leben lang.

Im Gehirn gibt es keinen abgrenzbaren umfassenden Gedächtnisbereich, sondern das Gedächtnis beruht überwiegend auf Zusatzleistungen anderweitig spezialisierter Teile des Gehirns (Wikipedia). Ein wichtiges Areal für Lernen und Gedächtnisbildung ist der [Hippocampus](https://schwimmlexikon.de/5691-2/).

Im Langzeitgedächtnis können Inhalte zu sportlichen Bewegungen oder taktischen Situationen abgerufen werden. So ist der Tatbestand, dass man nach langer Pause das Schwimmen nicht verlernt, dem Langzeit - Gedächtnis zu danken. [Bewegungsvorstellungen](https://schwimmlexikon.de/bewegungsvorstellung/) ergeben sich aus der gespeicherten [Wahrnehmung](https://schwimmlexikon.de/wahrnehmung/) eigener und/oder fremder [Bewegungen](https://schwimmlexikon.de/bewegung/). Dabei ist die sprachlich-begriffliche Fixierung der Inhalte der visuellen und [kinästhetischen](https://schwimmlexikon.de/kinaesthesie/) Wahrnehmung eine wichtige Voraussetzung für diesen Prozess. Beim Erlernen neuer Handlungsabläufe zum Zusammenfügen einzelner Aktionselemente sollte auf das Arbeitsgedächtnis (s.o.) zurückgegriffen werden (Seidler et al. 2013).  [Schlaf](https://schwimmlexikon.de/schlaf/) ist unerlässlich, um sowohl zuvor erworbene motorische Erinnerungen zu stabilisieren als auch die Wirksamkeit des Gehirns aufrechtzuerhalten, um plastische Veränderungen vorzunehmen, um neue [Fähigkeiten](https://schwimmlexikon.de/faehigkeit/) zu erlernen (Wenderoth, 2018).

Regelmäßige Bewegung kann Studien aus USA, Australien und Schweden zufolge den Gedächtnis-Abbau nicht nur aufhalten, sondern sogar umkehren. Sie führte zu signifikant erhöhten Mengen eines Botenstoffs, der als möglicher Grund für die Hippocampus-Vergrößerung angesehen wird. Dieser bildet neues Hirngewebe und hilft auch bei der Entstehung neuer Erinnerungen (Erickson et al. 2010). Hirnforscher benennen Drei Fronten gegen Demenz: gesund und ausgewogen essen, nur moderat Alkohol trinken und regelmäßig Sport treiben. Bei der zunehmenden Vergreisung unserer Bevölkerung ergibt sich so auch ein wichtiges Aufgabenfeld für den DSV ([Masters](https://schwimmlexikon.de/masterschwimmen/)). →[Training, mentales](https://schwimmlexikon.de/training-mentales/), →[Visualisierung](https://schwimmlexikon.de/visualisierung/), →[Antizipation](https://schwimmlexikon.de/antizipation/)

Exkurs: Lehmann (2018) kommt in seiner Dissertation über hirnstrukturelle Korrelate der Steigerung motorischer Lernprozesse durch neuromodulatorische Voraktivierung zu folgenden Erkenntnissen:

 	dass Variationen in der Struktur der grauen und weißen Hirnsubstanz vor dem Lernprozess zukünftige motorische Lernerfolge voraussagen, 
 	 dass durch eine kurzzeitige Ausdauerintervention die Lerngeschwindigkeit zukünftiger motorischer Lernprozesse förderlich beeinflusst werden kann und 
 	 dass dieser Effekt maßgeblich über Plastizität in primär [sensomotorisch](https://schwimmlexikon.de/regulation-sensomotorische/)-assoziierten Bereichen der weißen Hirnsubstanz vermittelt wird.

„Das gute Gedächtnis ist wie ein Sack, es behält alles. Das bessere Gedächtnis ist wie ein Sieb, es behält nur, worauf es ankommt“.
Hellmut Walters (1930-1985) Deutscher Schriftsteller

## Quellen

- Erickson, Prakash, Voss, Chaddock, Heo, McLaren, Pence, Martin, Vieira, Woods, McAuley & Kramer (2010). BDNF is associated with age-related decline in hippocampal volume. Journal of Neuroscience. 30: 5368-75.
- Lehmann, N. (2018). Hirnstrukturelle Korrelate der Steigerung motorischer Lernprozesse durch eine neuromodulatorische Voraktivierung: Quer- und Längsschnittstudie. Leipzig Universität Leipzig, Sportwissenschaftliche Fakultät 2018 (Diss.)
- Seidler, Bo & Anguera (2013). Neurocognitive contributions to motor skill learning: The role of working memory. Journal of Motor Behavior (44)6, 445-453
- Wenderoth, N. (2018). Motor learning triggers neuroplastic processes while awake and during sleep. Exercise and Sport Sciences Reviews, 46 (3), 152-159.

## Verwandte Begriffe

- [Gehirn](https://schwimmlexikon.de/gehirn/)
- [Bewegungsmuster](https://schwimmlexikon.de/bewegungsmuster/)
- [Kurzzeitgedächtnis](https://schwimmlexikon.de/6737-2/)
- [Langzeitgedächtnis](https://schwimmlexikon.de/langzeitgedaechtnis/)
- [Hippocampus](https://schwimmlexikon.de/5691-2/)
- [Bewegungsvorstellung](https://schwimmlexikon.de/bewegungsvorstellung/)
- [Wahrnehmung](https://schwimmlexikon.de/wahrnehmung/)
- [Bewegung](https://schwimmlexikon.de/bewegung/)
- [Antizipation](https://schwimmlexikon.de/antizipation/)
- [Assoziation](https://schwimmlexikon.de/assoziation/)
- [Chunk-Bildung](https://schwimmlexikon.de/chunk-bildung/)
- [Closed-loop-Kontrolle](https://schwimmlexikon.de/closed-loop-bewegung/)

## Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2017). Gedächtnis. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/gedaechtnis/ (abgerufen am 6. Oktober 2026).
