# Geschlechtsdimorphismus

- Quelle: [Schwimmlexikon](https://schwimmlexikon.de/)
- Adresse: https://schwimmlexikon.de/geschlechtsdimorphismus/
- Englisch: sexual di-morphism
- Schlagwörter: Leistungsdiagnostik, Sportmedizin
- Autor: Klaus Rudolph
- Überarbeitet am: 2025-05-19
- Sprache: de

Geschlechtsdimorphismus (sexual di-morphism), griech. dímorphos „zweigestaltig;" nicht auf die Geschlechtsorgane bezogene geschlechtsspezifische Unterschiede in [Anatomie](https://schwimmlexikon.de/anatomie/) und [Physiologie](https://schwimmlexikon.de/physiologie/), [Psyche](https://schwimmlexikon.de/8167-2/) bis zu den [konditionellen](https://schwimmlexikon.de/faehigkeit-konditionelle/) und [koordinativen Fähigkeiten](https://schwimmlexikon.de/faehigkeit-koordinative/). Die Divergenzen beginnen im frühen Jugendalter und formen sich zum Erwachsenenalter hin voll aus. Dabei erlangen die Mädchen etwa mit 16 Jahren die Vollreife, die Jungen etwa zwei Jahre später. Die tiefgreifenden geschlechtsspezifischen Unterschiede in der menschlichen [Leistung](https://schwimmlexikon.de/leistung/) in Bezug auf [Kraft](https://schwimmlexikon.de/kraft/), [Leistung](https://schwimmlexikon.de/leistungsvermoegen/), [Geschwindigkeit](https://schwimmlexikon.de/geschwindigkeit/) und [Ausdauer](https://schwimmlexikon.de/ausdauer/), sind größtenteils auf die direkten und indirekten Auswirkungen von Sexual[steroidhormonen](https://schwimmlexikon.de/steroide/), Geschlechtschromosomen und [Epigenetik](https://schwimmlexikon.de/vererbung/) zurückzuführen. Sie liefern eine wissenschaftliche Begründung und einen Rahmen für politische Entscheidungen über geschlechtsspezifische Kategorien im Sport während der [Pubertät](https://schwimmlexikon.de/pubertaet/) und im Erwachsenenalter. Zu beachten ist aber die geschlechtsspezifische Verzerrung und das Problem, dass es in der Forschung zur menschlichen Leistung in vielen Bereichen der Biologie und [Physiologie](https://schwimmlexikon.de/physiologie/) nur unzureichende Studien und Informationen über Frauen gibt (Hunter & Senefeld, 2024). Zudem hat die bewusste Anerkennung und Förderung geschlechtlicher Parität in Organisationen ([Gender Diversity](https://schwimmlexikon.de/transgender/)) die Problematik kompliziert.

Schwimmerinnen erreichen im Mittel nur 93% der [Körperhöhe](https://schwimmlexikon.de/koerperhoehe/) der Schwimmer, haben weniger [Muskelmasse](https://schwimmlexikon.de/muskelmasse-aktive/) und demzufolge auch nur etwa 70% der [spezifischen Kraft](https://schwimmlexikon.de/kraft-spezifische/). Trotz dieser ungünstigeren Ausgangssituation schwimmen sie nur etwa 10% langsamer als die Schwimmer, wobei dieser Unterschied mit zunehmender Streckenlänge geringer wird. Das ist ein Spezifikum des Schwimmsports (im Vergleich zu anderen Ausdauersportarten), da der höhere [Fettanteil](https://schwimmlexikon.de/gewicht-spezifisches/) besonders bei langsameren [Schwimmgeschwindigkeiten](https://schwimmlexikon.de/schwimmgeschwindigkeit/) von Vorteil ist, während bei hohen Geschwindigkeiten mehr [Kraft](https://schwimmlexikon.de/kraft/) und Hebel wirken und größere [Körpermasse](https://schwimmlexikon.de/koerpermasse/) eher hinderlich ist (Stager u.a. 1984, Bremer, 2003). Ferner sinken die Beine bei niedrigeren Schwimmgeschwindigkeiten nicht so stark ab wie bei den Schwimmern, die ein höheres [Drehmoment](https://schwimmlexikon.de/drehmoment/) der Beine im Verhältnis zum [Rumpf](https://schwimmlexikon.de/rumpf/) haben (Gagnon & Montpetit, 1981). Schwimmerinnen erreichen das [Hochleistungsalter](https://schwimmlexikon.de/hochleistungsalter/) 1-2 Jahre eher, was teilweise bei Wettkämpfen (JEM), [Kadernormen](https://schwimmlexikon.de/kadernorm/) und insgesamt der [Talentförderung](https://schwimmlexikon.de/talentfoerderung/) berücksichtigt wird. Insgesamt sind die geschlechtsspezifischen Unterschiede wohl weitaus größer als bisher angenommen. So gehen Wizemann & Pardue (2001) nach umfangreichen [Genom](https://schwimmlexikon.de/genom/)-Untersuchungen sogar davon aus, dass jede [Zelle](https://schwimmlexikon.de/zelle/) ein Geschlecht habe. →[Koedukation](https://schwimmlexikon.de/koedukation/), →[Talentauswahl](https://schwimmlexikon.de/talentauswahl/)

![]() Vergleich körperlicher- und Leistungsparameter zwischen Schwimmern und Schwimmerinnen (Schwimmer = 100%)

"Wer sich einen Marathonplan aus dem Netz zieht, bekommt einen Plan - für Männer. Frauen merken das oft erst, wenn ihr Körper nicht mitzieht oder sie sich verletzen" (Laura Hottenrott, Marathonläuferin und Sportwissenschaftlerin, DER SPIEGEL 19/25, S. 93)

Exkurs: "Die Besonderheiten der [Adaptation](https://schwimmlexikon.de/adaptation-biologische/) des weiblichen Organismus an körperliche und psychische (emotionale) Belastungen sind anders als bei den Männern. Im Organismus von Männern und Frauen kommen dieselben [Hormone](https://schwimmlexikon.de/hormone/) vor, jedoch in unterschiedlichen Mengen und Verhältnissen. Dadurch entstehen die Geschlechtsunterschiede, woraus der Dimorphismus resultiert, den es genau zu untersuchen und zu beachten gilt. Die Gesetzmäßigkeiten der Bildung von Anpassungsreaktionen des weiblichen Organismus an Veränderungen des äußeren und inneren Milieus sind äußerst unzureichend erforscht" (Tschiene in Leistungssport 5/2013, S.43). Die wenigen vorliegenden Studien deuten darauf hin, dass sich Frauen meist anders verletzen, teilweise häufiger verletzen und sich andere Verletzungen zuziehen als Männer. Dennoch basieren aktuelle Empfehlungen zu Prävention, Diagnostik und Therapie auf Daten männlicher Athleten (BISp: Strategiepapier - Frauen und Mädchen im Sport, Bonn 2024, S.17). "Viele Dinge, die heute durch Social Media geistern, klingen zwar gut, sind aber mehr Lifestyle als Wissenschaft. Gerade für Frauen bedeutet das: mehr Verantwortung, mehr Wissen. Den eigenen Körper wirklich ernst nehmen, nicht nur optimieren" (Kuno Hottenrott, Sportwissenschaftler in DER SPIEGEL 19/25, S.93).

## Quellen

- Gagnon & Montpetit (1981). Technological development fort the development of the center of volume in the human body. J Biomech 14/235-241
- Hunter & Senefeld (2024). Sex differences in human performance. The Journal of Physiology, 602 (17), 4129-4156. Zugriff am 30.09.2024 unter https://doi.org/10.1113/JP284198. https://doi.org/10.1113/JP284198
- Wizemann & Pardue (Hrsg.) (2001). Exploring the biological contribution to health: Does sex matter? Washington: NAP

## Verwandte Begriffe

- [Anatomie](https://schwimmlexikon.de/anatomie/)
- [Physiologie](https://schwimmlexikon.de/physiologie/)
- [Psyche](https://schwimmlexikon.de/8167-2/)
- [Fähigkeit, konditionelle](https://schwimmlexikon.de/faehigkeit-konditionelle/)
- [Fähigkeit, koordinative](https://schwimmlexikon.de/faehigkeit-koordinative/)
- [Leistung](https://schwimmlexikon.de/leistung/)
- [Kraft](https://schwimmlexikon.de/kraft/)
- [Leistungsvermögen](https://schwimmlexikon.de/leistungsvermoegen/)
- [Geschlechtshormon](https://schwimmlexikon.de/geschlechtshormon/)
- [Jugendalter](https://schwimmlexikon.de/jugendalter/)
- [Koedukation](https://schwimmlexikon.de/koedukation/)
- [Raumorientierung](https://schwimmlexikon.de/raumorientierung/)

## Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2025). Geschlechtsdimorphismus. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/geschlechtsdimorphismus/ (abgerufen am 5. November 2026).
