# Individualisierung

- Quelle: [Schwimmlexikon](https://schwimmlexikon.de/)
- Adresse: https://schwimmlexikon.de/individualisierung/
- Englisch: individualization
- Schlagwörter: Psychologie, Trainingsprinzip
- Autor: Klaus Rudolph
- Überarbeitet am: 2025-05-19
- Sprache: de

Individualisierung (individualization), von lat. individuum „Unteilbares, ‚Einzelding“; in der [Soziologie](https://schwimmlexikon.de/soziologie/) der Übergang des Menschen (→[Individuum](https://schwimmlexikon.de/individuum/)) von der Fremd- zur Selbstbestimmung. Der deutsche Philosoph und Pädagoge Herbart erklärte bereits 1807, dass die Verschiedenheit der Köpfe beim Lernen in Gruppen [Differenzierung](https://schwimmlexikon.de/differenzierung/) unverzichtbar macht. Das setzt voraus, den Schüler nicht als Objekt zu sehen, sondern als Subjekt zu achten. Individuelle [Förderung](https://schwimmlexikon.de/foerderung/) sollte darauf abzielen, jedem Schüler die Chance zu geben, sein Potential umfassend zu entwickeln. In der Schule wie auch im [Leistungssport](https://schwimmlexikon.de/leistungssport/) macht die Gleichheit der Aufgabe (Zensuren, sportliche Höchstleistungen) durch die tatsächliche Ungleichheit der Individuen differenziertes (individuelles) Vorgehen notwendig (vgl. Hintz et al. 2001). Die moderne Gesellschaft hat eine enorme Individualisierungsdynamik erfahren, einmal durch die zunehmende Individualisierung von Bildungsprinzipien, zum anderen durch die Mediatisierung der Lebenswelten (Thiel, A. 2020).

Im Leistungssport ist Individualisierung ein pädagogisch-didaktisches Prinzip, wonach das Handeln auf die [Leistungsvoraussetzungen](https://schwimmlexikon.de/leistungsvoraussetzung/) des einzelnen Sportlers ausgerichtet ist, um die individuell höchstmöglichen Leistungen zu erzielen. Als [Prinzip der zunehmenden Individualisierung](https://schwimmlexikon.de/prinzip-der-zunehmenden-individualisierung/) ist sie maßgeblicher Bestandteil des Trainingsprozesses. Während im [Grundlagentraining](https://schwimmlexikon.de/grundlagentraining/) und [Aufbautraining](https://schwimmlexikon.de/aufbautraining-abt/) noch nach [Gruppenplänen](https://schwimmlexikon.de/gruppentrainingsplan/) trainiert, im Rahmen der [Belastungsfaktoren](https://schwimmlexikon.de/belastungsfaktor/) aber bereits auf die unterschiedlichen [Fähigkeiten](https://schwimmlexikon.de/faehigkeit/) des Schwimmers eingegangen wird, dominiert ab [Anschlusstraining](https://schwimmlexikon.de/anschlusstraining/) die [individuelle Trainingsplanung](https://schwimmlexikon.de/trainingsplan-individueller-itp/) mit dem Ziel, die individuellen Stärken (→[Talent](https://schwimmlexikon.de/talent/)) zu erkennen und zu fördern. Dabei funktioniert Individualisierung nur, wenn die Athleten selbstständig mitdenken (Hottenrot, K.: DER SPIEGEL 19/25, S.92).

Unter soziologischem Aspekt macht die Tendenz der zunehmend individualisierten Handlungsstrukturen in der Gesellschaft auch vor dem [Sport](https://schwimmlexikon.de/sport/) nicht halt und demontiert die traditionellen sozialen Strukturen (→[Verein](https://schwimmlexikon.de/sportverein/) versus [Fitnessstudio](https://schwimmlexikon.de/fitnesscenter/) usw.). Auch im [Sportschwimmen](https://schwimmlexikon.de/sportschwimmen/) besteht durch die „Ansammlung von Einzelkämpfern“ (→[Individualsportart](https://schwimmlexikon.de/individualsportart/)) und die besondere Förderung der Einzelleistung (→[Sponsoring](https://schwimmlexikon.de/sponsoring/)) die Gefahr der [Entfremdung](https://schwimmlexikon.de/entfremdung/) von der [Gruppe](https://schwimmlexikon.de/gruppe-soziale/). Hier ist der [Trainer](https://schwimmlexikon.de/trainer/) aufgefordert, die sozialen Elemente des Leistungssports (→[Lehrgänge](https://schwimmlexikon.de/lehrgang/), →[Mannschaftswettkämpfe](https://schwimmlexikon.de/mannschaft/)) zu nutzen. Letztlich sind die hohen [Dropout](https://schwimmlexikon.de/4285-2/)-Raten auch ein Zeichen des Verlusts an Bindungsintensität zur Trainingsgruppe oder zum Verein.

Je höher die [sportlichen Ziele](https://schwimmlexikon.de/leistungsziel/) sind, umso mehr müssen die Fähigkeiten des einzelnen entwickelt und gefordert werden. Das betrifft besonders den [Hochleistungssport](https://schwimmlexikon.de/hochleistungssport/). Somit wurde neben [Spezialisierung](https://schwimmlexikon.de/spezialisierung-sportliche/) und [Professionalisierung](https://schwimmlexikon.de/professionalisierung/) die Individualisierung als ein Wesensmerkmal des modernen Leistungssports betont. Für Leistungsschwimmer kann das begründet werden (Rudolph, 2015, S.17), weil sie

durch ihre [Veranlagung](https://schwimmlexikon.de/anlage/) und den bisherigen Trainingsaufbau unterschiedliche Leistungsvoraussetzungen mitbringen,

sich durch die Spezialisierung auf unterschiedliche [Wettkampfstrecken](https://schwimmlexikon.de/disziplingruppe/) vorbereiten,

entsprechend ihres Alters und Leistungsniveaus die Teilnahme an unterschiedlichen [Wettkämpfen](https://schwimmlexikon.de/wettkampf/) anstreben ([JEM](https://schwimmlexikon.de/jugendeuropameisterschaft-schwimmen/), nur [DM](https://schwimmlexikon.de/deutsche-meisterschaft-dm/) bis [EM](https://schwimmlexikon.de/europameisterschaft/)/[WM](https://schwimmlexikon.de/weltmeisterschaft/)…),

unterschiedliche Trainings- und Wettkampferfahrung sowie Stabilität aufweisen,

unterschiedlichen [Förderstrukturen](https://schwimmlexikon.de/sportfoerderung/)([Kaderkreise](https://schwimmlexikon.de/kadersystem/), Auswahlmannschaften usw.) angehören,

unterschiedliche Ausbildungswege gehen (Schule, Studium, Beruf) und

unterschiedlich sozial gebunden sind (Dominanz [Elternhaus](https://schwimmlexikon.de/elternhaus/), Freundschaften, Familiengründung usw.).

Fordere am Ende einer [Trainingseinheit](https://schwimmlexikon.de/trainingseinheit-te/) ein kurzes [Feedback](https://schwimmlexikon.de/feedback/) Deiner Sportler zur erfahrenen Belastung (→[Beanspruchung](https://schwimmlexikon.de/beanspruchung/)).  Und vergiss bei aller Individualisierung nicht: der Mensch ist ein „Herdentier“. Also nutze die soziale Kraft Deiner [Trainingsgruppe](https://schwimmlexikon.de/trainingsgruppe/), denn unser Gehirn ist „weniger ein Denk- als vielmehr ein Sozialorgan" (Hüther, 2001).

„Lisa ist zu groß, Anna zu klein, Emil zu dünn, Fritz zu verschlossen, Flora ist zu offen, Emilie ist zu schön, Erwin ist zu hässlich, Paul ist zu dumm, Sabine ist zu clever, Traudel ist zu alt, Theo ist zu jung.

Jeder ist irgendetwas zu viel. Jeder ist irgendetwas zu wenig. Jeder ist irgendwie nicht normal.

Ist hier jemand, der ganz normal ist? Nein, hier ist niemand, der ganz normal ist. Das ist normal.“  (Hermann-Josef Kuckartz, Dipl. Verw. W.)

Exkurs: "Es dauert mehrere Jahre, bis ein Coach verstanden hat, wie bestimmte Schwimmer am besten auf das Training reagieren (Maglischo 1993, Colwin 1995). Jeder einzelne Schwimmer wird nicht nur auf einen bestimmten Trainingsreiz unterschiedlich reagieren, sondern auch sehr persönliche Ziele für Training und Wettkampf haben. Der Coach muss diese Faktoren berücksichtigen, wenn er als effektiv angesehen werden will. Die Anpassung des Coachingprozesses an die Bedürfnisse der einzelnen Schwimmer und unter Berücksichtigung von Alter und Reife, dem Grad der bisherigen Ausbildung und Erfahrung sowie dem aktuellen Kenntnisstand sollte dazu beitragen, herausfordernde, aber realistische individuelle Leistungsziele zu erreichen. Ein solcher Ansatz sollte zu einem für jeden einzelnen Schwimmer spezifischen Trainingsmodell führen, unabhängig von Status, Alter, wahrgenommenem Potenzial oder Bevorzugung". N. Cross, Universität Edinburgh ([https://pdfs.semanticscholar.org/fa](https://pdfs.semanticscholar.org/fa39/b4a2d27adb3b993a1d1d6116f431df52c2c9.pdf) - Zugriff 10.07.2023)

## Quellen

- Hintz, Pöppel & Rekus (2001). Neues schulpädagogisches Wörterbuch. Weinheim: Juventa
- Rudolph, K. (2015). Nachwuchskonzeption Schwimmen 2020: Probleme und Hintergründe. Schwimmen – Lernen und Optimieren, 38 (2015), S. 22-33

## Verwandte Begriffe

- [Soziologie](https://schwimmlexikon.de/soziologie/)
- [Individuum](https://schwimmlexikon.de/individuum/)
- [Differenzierung](https://schwimmlexikon.de/differenzierung/)
- [Förderung](https://schwimmlexikon.de/foerderung/)
- [Leistungssport](https://schwimmlexikon.de/leistungssport/)
- [Leistungsvoraussetzung](https://schwimmlexikon.de/leistungsvoraussetzung/)
- [Prinzip der zunehmenden Individualisierung](https://schwimmlexikon.de/prinzip-der-zunehmenden-individualisierung/)
- [Grundlagentraining](https://schwimmlexikon.de/grundlagentraining/)
- [Entwicklungsgemäßheit](https://schwimmlexikon.de/entwicklungsgemaessheit/)
- [Entwicklungskonzeption, individuelle](https://schwimmlexikon.de/entwicklungskonzeption-individuelle/)
- [Mittelwert](https://schwimmlexikon.de/mittelwert/)
- [Prinzip der Einheitlichkeit und Differenzierung](https://schwimmlexikon.de/prinzip-der-einheitlichkeit-und-differenzierung/)

## Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2025). Individualisierung. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/individualisierung/ (abgerufen am 5. November 2026).
