# Kapazität, anaerobe

- Quelle: [Schwimmlexikon](https://schwimmlexikon.de/)
- Adresse: https://schwimmlexikon.de/kapazitaet-anaerobe/
- Englisch: anaerobic capacity
- Schlagwörter: Ausdauer, Physiologie
- Autor: Klaus Rudolph
- Überarbeitet am: 2020-08-06
- Sprache: de

Kapazität, anaerobe (anaerobic capacity), die Summe aller Arbeitserträge der energiereichen Phosphate ([ATP](https://schwimmlexikon.de/adenosintriphosphat-atp/), [KP](https://schwimmlexikon.de/kreatinphosphat/))  und der [Laktatbildung](https://schwimmlexikon.de/laktatbildung/). Die [anaerobe](https://schwimmlexikon.de/anaerob/) Kapazität ist in der [Leistungsdiagnostike](https://schwimmlexikon.de/leistungsdiagnostik/) schwieriger zu erfassen als die [aerobe Kapazität](https://schwimmlexikon.de/kapazitaet-aerobe/). „Eine wesentliche Ursache hierfür ist, dass alle für die Stoffwechselprozesse benötigten Substrate in der [Muskel](https://schwimmlexikon.de/muskel/) zelle vorliegen und diese nur durch aufwendige Verfahren, wie z. B. [muskelbioptische Analysen](https://schwimmlexikon.de/muskelbiopsie/) und 31PMR-Spektroskopie (Erkennen der kleinsten Bauteile wie Ionen, Atome, Moleküle) direkt gemessen werden können. Die Bestimmung von Zwischen- und Endprodukten, wie z. B. Laktat, Brenztraubensäure u. a. im peripheren Blut lässt nur indirekte Aussagen aufgrund der komplexen Dynamik der Diffusions- und Eliminationsprozesse zu“ (Heck & Schulz, 2002). Vorauszusetzen ist eine [Belastungsintensität](https://schwimmlexikon.de/belastungsintensitaet/) über der [maximalen Sauerstoffaufnahme](https://schwimmlexikon.de/sauerstoffaufnahme-maximale-vo2max/), um den aeroben Anteil der [Energiebereitstellung](https://schwimmlexikon.de/energiebereitstellung/) weitgehend einzuschränken. Niedrige Parameter sind oft dem unbefriedigendem Leistungsvermögen des Sportlers geschuldet und führen zu Fehleinschätzungen (Rushall, B.: ICAR 1990-91 Report). Zudem sind zuverlässige Aussagen zur lokalen anaeroben Leistungsfähigkeit der Muskulatur nur durch spezifische lokale Belastungen möglich (Nitzsche et al. 2018).

Die anaerobe Kapazität kann auch bei Kindern gesteigert werden, allerdings ist die [Laktatkonzentration](https://schwimmlexikon.de/laktat/) wegen der relativen Muskelmasse geringer als bei Erwachsenen. Bei vergleichbarer muskulärer [Ausbelastung](https://schwimmlexikon.de/ausbelastung/) erholen sich Kinder entgegen bisheriger Auffassung schneller. Das ist auf eine effektivere respiratorische Kompensation der metabolischen [Azidose](https://schwimmlexikon.de/azidose/) und eine schnellere [Resynthese](https://schwimmlexikon.de/resynthese/) von [Kreatinphosphat](https://schwimmlexikon.de/kreatinphosphat/) und [ATP](https://schwimmlexikon.de/atp/) zurückzuführen (Beneke, 2019).

Im Schwimmen ist die anaerobe Kapazität eine wichtige Voraussetzung für Strecken von 50-200m (Vojtenko & Solomatin,  2018). Sie wird im [Stufentest](https://schwimmlexikon.de/stufentest/) durch die maximale [Laktat](https://schwimmlexikon.de/laktat/) auslenkung nach der [Ausbelastung](https://schwimmlexikon.de/ausbelastung/)(maximale Stufe im Stufentest) gewertet (→[Mobilisation](https://schwimmlexikon.de/mobilisation/)), wobei aber hier beachtliche Anteile der aeroben Kapazität mit eingehen. Es scheint, dass Junioren im Schwimmen ihre anaerobe Kapazität in einem größeren Ausmaß ausnutzen als die Juniorinnen. Schwimmer sind oft entweder aerobe oder anaerobe orientiert (veranlagt). Während beide Systeme durch Training verbessert werden können, konzentrieren sich verschiedene Schwimmer oft auf ein System, möglicherweise zu Lasten der Entwicklung des anderen (Mitchell et al. 2014). Statistische Analysen der Leistungsentwicklung in Laufdisziplinen über 10 Jahre zeigen einen Rückgang der anaeroben Kapazität bei Spitzensportlern (Morton, 2014).

Exkurs: Japanische Sportwissenschaftler ließen 20 Hochschulschwimmer [Distanzen](https://schwimmlexikon.de/distanz/) von 50/100/200/400m maximal schwimmen. Die [Regressionsgerade](https://schwimmlexikon.de/regressionsgerade/) zwischen Distanz und [Zeit](https://schwimmlexikon.de/zeit/) zeigte einen deutlichen Zusammenhang mit verschiedenen [Indizes](https://schwimmlexikon.de/index/) der anaeroben Kapazität (u.a. Laktat). Das Konzept der [kritischen Geschwindigkeit](https://schwimmlexikon.de/schwimmgeschwindigkeit-kritische/) stelle damit einen guten Index der anaeroben Kapazität dar ohne invasive (in Körper eingreifende) Messungen einsetzen zu müssen (Shimoyama et al. 2010). Damit widerlegen die Autoren die Auffassung, dass der y-Schnittpunkt der Regressionslinie zwischen Strecke und Zeit keine [reliable](https://schwimmlexikon.de/reliabilitaet/) Bewertung der anaeroben Kapazität liefern würde (Dekerle et al. 2002). Über eine Modellierung (50-m-Maximalschwimmen mit Gleichungskoeffizient, der die Klassifikation des Schwimmers bestimmt) sagten Issurin et al. (2001) die Geschwindigkeitsregimes für die Entwicklung der hauptsächlichen biomotorischen Komponenten als nichtinvasive Methode voraus.

## Quellen

- Beneke, R. (2019). Leistungs- und Erholungsfähigkeit im Kindes- und Jugendalter. Vortrag Kongress Nachwuchsförderung NRW 29.-30.04.19 DSHS Köln
- Dekerle, Sidney, Hespel & Pelayo (2002). Validity and reliability of critical speed, critical stroke rate and anaerobic capacity in relation to front crawl swimming performance. International Journal of Sports Medicine (23)2, 93-98
- Heck & Schulz (2002). Methoden der anaeroben Leistungsdiagnostik. Dt.Z. für Sportmedizin. 7/8 2002. 203-212
- Issurin, Kaufman & Tenenbaum (2001). Modeling of velocity regiments for anaerobic and aerobic power exercises in high-performance swimmers. The Journal of Sports Medicine and Physical Fitness (41)4,433-440
- Mitchell, Rattray, Saunders & Pyne (2014). The interplay of critical velocity and anaerobic distance capacity and their relationship to competition performance. XIIth International Symposium for Biomechanics and Medicine in Swimming, 442-447
- Morton, R. (2014). A decline in anaerobic distance capacity of champion athletes over the years? International Journal of Sports Science and Coaching (9)5, 1057-1065
- Nitzsche, Baumgärtel & Schulz (2018). Comparison of maximum lactate formation rates in ergometer sprint and maximum strength loads. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin (69)1, 13-18
- Shimoyama, Okita, Baba & Sato (2010). Does the y-intercept of a regression line in the critical velocity concept represent the index for evaluating anaerobic capacity? Biomechanics and Medicine in Swimming XI, 288-290
- Vojtenko & Solomatin (2018). Bioenergeticeskie kriterii normirovanija trenirovocnych nagruzok i special’noj rabotosposobnosti plovcov vysokogo klass, Vestnik sportivnoj nauki; Sports science bulletin, 4, 67-70

## Verwandte Begriffe

- [Adenosintriphosphat (ATP)](https://schwimmlexikon.de/adenosintriphosphat-atp/)
- [Kreatinphosphat](https://schwimmlexikon.de/kreatinphosphat/)
- [Laktatbildung](https://schwimmlexikon.de/laktatbildung/)
- [anaerob](https://schwimmlexikon.de/anaerob/)
- [Leistungsdiagnostik](https://schwimmlexikon.de/leistungsdiagnostik/)
- [Kapazität, aerobe](https://schwimmlexikon.de/kapazitaet-aerobe/)
- [Muskel](https://schwimmlexikon.de/muskel/)
- [Muskelbiopsie](https://schwimmlexikon.de/muskelbiopsie/)
- [Atemtraining](https://schwimmlexikon.de/atemtraining/)
- [Bewegungsökonomie](https://schwimmlexikon.de/bewegungsoekonomie/)
- [Deadaptation](https://schwimmlexikon.de/deadaptation/)
- [Endspurt](https://schwimmlexikon.de/endspurt/)

## Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2020). Kapazität, anaerobe. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/kapazitaet-anaerobe/ (abgerufen am 25. Oktober 2026).
