# Kraftmessung

- Quelle: [Schwimmlexikon](https://schwimmlexikon.de/)
- Adresse: https://schwimmlexikon.de/kraftmessung/
- Englisch: force measurement
- Schlagwörter: Biomechanik, Kraft, Leistungsdiagnostik
- Autor: Klaus Rudolph
- Überarbeitet am: 2020-01-24
- Sprache: de

Kraftmessung (force measurement), Quantifizierung der [Kraft](https://schwimmlexikon.de/kraft/) mit spezifischen Messverfahren. In vielen Bereichen des Sports und der Medizin zählt die Kraftdiagnostik zum grundlegenden Untersuchungsinventar, um den funktionalen Zustandes von Athleten oder Patienten zu bewerten. "Dabei zählt die Messung der maximalen [isokinetischen](https://schwimmlexikon.de/isokinetisch/) Muskelkraft zu den Standardverfahren, da sie mit einigen Vorteilen verbunden ist. So führt sie nicht zur Erschöpfung des Probanden, ist schnell zu realisieren und ohne komplizierte Testgeräte einsetzbar. Von großer Bedeutung ist auch, dass mit ihr eine Vielzahl funktionaler [Muskelgruppen](https://schwimmlexikon.de/muskelgruppe/) untersucht werden kann, zu denen man präzise Testergebnisse erhält" (Stoll et al. 2002).

Im weitesten Sinn ist die Anzahl der [Liegestütze](https://schwimmlexikon.de/liegestuetz/) pro Zeiteinheit auch eine grobe Kraftmessung. Aber in vielen Sportarten eignen sich besser [dynamografische](https://schwimmlexikon.de/dynamografie/) Methoden (z.B. Startklötze, Messdolle). Damit werden Kraft-Zeit-Verläufe, Anstiegsgeschwindigkeit der Kraft, [Kraftstöße](https://schwimmlexikon.de/kraftstoss/) und Kraftmaxima angezeigt. Da unter den Bedingungen von [Training](https://schwimmlexikon.de/training/) und [Wettkampf](https://schwimmlexikon.de/wettkampf/) der [Muskel](https://schwimmlexikon.de/muskel/) nicht direkt zugänglich ist, werden nur [äußere Kräfte](https://schwimmlexikon.de/kraft-aeussere/)(Wechselwirkung von Sportler und äußeren Bewegungswiderständen) ermittelt.

Beim Schwimmen kommt hinzu, dass die Messung der Kraft (→[Kraft, spezifisch](https://schwimmlexikon.de/kraft-spezifische/) e) sehr kompliziert und mit vielen Mängeln behaftet ist. So wird die „spezifische Kraft/Wasser“ am [Schwimmwiderstandsgerät](https://schwimmlexikon.de/schwimmwiderstandsgeraet-swg/) nur indirekt über die [Schwimmgeschwindigkeit](https://schwimmlexikon.de/schwimmgeschwindigkeit/)(definierter Weg zu Zeit) im Verhältnis zum [Widerstand](https://schwimmlexikon.de/widerstand/)([Last](https://schwimmlexikon.de/last/)) bestimmt. Verfahren mit Ringkraftmessbügel (Bestimmung der →[„vorwärtstreibenden Kraft“)](https://schwimmlexikon.de/kraft-vorwaertstreibende/) haben sich in der Kraftdiagnostik der Schwimmer bislang nicht durchgesetzt, ein ähnliches Verfahren wird aber neuerdings vom Handel angeboten (s. Bild).  Somit wurde die Kraft hauptsächlich in Bewegung (dynamisch) an semispezifischen Seilzuggeräten (→[Seilzugergometer](https://schwimmlexikon.de/seilzugergometer/)) gemessen und damit stark auf die Schulter-/ Armmuskulatur beschränkt. Swaine et al. stellten 1998 ein Landergometer vor, mit dem sowohl die Bein- als auch die Armbewegung beim Kraulschwimmen simuliert und gleichzeitig eine Kraftmessung durchgeführt werden konnte. Ähnliche Versuche scheiterten in Deutschland in der Trainingspraxis. Für wissenschaftliche Untersuchungen mussten oft Puppen (Schleppversuche im Strömungskanal) oder modelierte Formen (z.B. Untersuchung des Einflusses der Position des Daumens, des Spreizens der Finger und der Beugung des Handgelenks auf Widerstand und Auftriebskräfte, Berger et al. 1997) herhalten. Diese werden zunehmend durch Computer modelliert.

Die [Sprungkraft](https://schwimmlexikon.de/sprungkraft/) wird sowohl mit Sprungmatten indirekt (über die [Sprunghöhe](https://schwimmlexikon.de/9149-2/)) als auch mit Kraftmessplatten auf dem [Startblock](https://schwimmlexikon.de/startblock/) ermittelt. Zur Bestimmung [allgemeiner Kraftfähigkeiten](https://schwimmlexikon.de/kraft-allgemeine/) steht auch für den Schwimmer das gesamte Reservoire sportmotorischer [Tests](https://schwimmlexikon.de/test/) zur Messung der Arm-, Bein- und Rumpfkraft zur Verfügung, wobei [dynamisch](https://schwimmlexikon.de/krafttraining-dynamisches/) und [isometrisch](https://schwimmlexikon.de/isometrisch/) nutzbare Messplätze vorrangig beansprucht und von den [OSP](https://schwimmlexikon.de/olympiastuetzpunkt-osp/) angeboten werden. In der Regel wird hier die Wirksamkeit ganzer [kinematischer Ketten](https://schwimmlexikon.de/kette-kinematische/) ermittelt. Vornehmlich in Kliniken und einigen OSP werden zur standardisierten isokinetischen konzentrischen Kraftmessung Cybex - Geräte verwendet. Eine genaue Differenzierung der Kraft einzelner Muskeln durch die Messung der [Muskelquerschnittsfläche](https://schwimmlexikon.de/muskelquerschnitt/) erlaubt die Computertomografie, die aber für die wenigsten Sportler verfügbar ist. Somit ist die Kraftmessung im Schwimmen vorrangig Grobdiagnose.

## Quellen

- Stoll, Huber, Seifert, Stucki & Michel (2002). Isometric muscle strength measurement. Thieme-Stuttgart

## Verwandte Begriffe

- [Kraft](https://schwimmlexikon.de/kraft/)
- [isokinetisch](https://schwimmlexikon.de/isokinetisch/)
- [Muskelgruppe](https://schwimmlexikon.de/muskelgruppe/)
- [Liegestütz](https://schwimmlexikon.de/liegestuetz/)
- [Dynamografie](https://schwimmlexikon.de/dynamografie/)
- [Kraftstoß](https://schwimmlexikon.de/kraftstoss/)
- [Training](https://schwimmlexikon.de/training/)
- [Wettkampf](https://schwimmlexikon.de/wettkampf/)
- [Kette, kinematische](https://schwimmlexikon.de/kette-kinematische/)
- [Kraft-Weg-Kurve](https://schwimmlexikon.de/kraft-weg-kurve/)
- [Maximalkraft, dynamische](https://schwimmlexikon.de/maximalkraft-dynamische/)
- [Trainingswissenschaftler](https://schwimmlexikon.de/trainingswissenschaftler/)

## Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2020). Kraftmessung. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/kraftmessung/ (abgerufen am 24. Oktober 2026).
