# Laktat

- Quelle: [Schwimmlexikon](https://schwimmlexikon.de/)
- Adresse: https://schwimmlexikon.de/laktat/
- Englisch: lactate
- Schlagwörter: Ausdauertraining, Biochemie, Leistungsdiagnostik, Physiologie, Sportmedizin, Trainingssteuerung
- Autor: Klaus Rudolph
- Überarbeitet am: 2022-11-22
- Sprache: de

Laktat (lactate), lat. lactis „Milch“; fälschlich als [Milchsäure](https://schwimmlexikon.de/milchsaeure/) bezeichnetes Dissoziationsprodukt (Dissoziation = Aufspaltung einer chemischen Verbindung) derselben im [Blut](https://schwimmlexikon.de/blut/). Im Ergebnis der [Glykolyse](https://schwimmlexikon.de/glykolyse/) entsteht als Endprodukt des [anaeroben Stoffwechsels](https://schwimmlexikon.de/energiestoffwechsel-anaerober/) Laktat:

##### ADP + Glukose (Glykogen) → ATP + Laktat

Laktat kann bei Belastung über die [Glukoneogenese](https://schwimmlexikon.de/gluconeogenese/) wieder zu [Glykogen](https://schwimmlexikon.de/glykogen/) resynthetisiert werden, die Glykolyse wird quasi rückwärts durchlaufen. Durch hohe Konzentration von Laktat im Blut fällt die [Wasserstoffionenkonzentration](https://schwimmlexikon.de/wasserstoffionenkonzentration/)(→[pH-Wert](https://schwimmlexikon.de/ph-wert/)) ab. Sinkt der pH-Wert in der Muskelzelle unter 6,4, dann wird die Energiebildung gehemmt (Hottenrott & Neumann, 2010, S. 64). Müde in dem Sinne machen also nicht Laktat, sondern die Wasserstoffionen, welche die Aufnahme von [Kalzium](https://schwimmlexikon.de/kalzium/) hemmen, das wiederum benötigt wird, um frische Energie aus [Adenosintriphosphat](https://schwimmlexikon.de/adenosintriphosphat-atp/)(ATP) freizusetzen.

In der [Leistungsdiagnostik](https://schwimmlexikon.de/leistungsdiagnostik/) ist Laktat ein wesentlicher [Parameter](https://schwimmlexikon.de/parameter/) zur Erfassung der [Belastungsintensität](https://schwimmlexikon.de/belastungsintensitaet/) und damit zur [Trainingssteuerung](https://schwimmlexikon.de/trainingssteuerung/), der sich auch wegen der preiswerten und unkomplizierten Bestimmung durchgesetzt hat, obwohl die „monokausale Diagnostik durch Parametereinengung (eben nur auf Laktat) im [Hochleistungssport](https://schwimmlexikon.de/hochleistungssport/) unzuverlässig ist und die Möglichkeiten der Fehleinschätzung zur Wirksamkeit des Trainings erhöht“ (Neumann, Berbalk & Gohlitz, 1999). Aber Mangel an Geld, Zeit und Personal führen immer wieder zum Kompromiss. Im Ruhezustand beträgt die Laktatkonzentration im Blut um 1,0 mmol/l (→[Ruhelaktat](https://schwimmlexikon.de/ruhelaktat/)) und kann bei [Wettkämpfen](https://schwimmlexikon.de/wettkampf/) bis auf 24 mmol/l im Schwimmen ansteigen (→[Wettkampflaktat](https://schwimmlexikon.de/wettkampflaktat/)). Laktat wird aktiv besser abgebaut als passiv. Deshalb wird nach Wettkämpfen oder intensiven [Trainingseinheiten](https://schwimmlexikon.de/trainingseinheit-te/) Schwimmen um 1000m im [Kompensationsbereich](https://schwimmlexikon.de/kompensationsbereich-ko/)(→[Ausschwimmen](https://schwimmlexikon.de/ausschwimmen/)) empfohlen. Die Messung erfolgt heute mittels [Laktatanalysern](https://schwimmlexikon.de/laktatanalyser/) und kann vom Trainer vorgenommen werden, wozu aber eine Einweisung durch medizinisches Personal (und bei Minderjährigen die Erlaubnis der Erziehungsberechtigten) vorauszusetzen ist. Die Ergebnisse unterliegen physiologischen Schwankungen (bis 10%), sind aber im individuellen [Längsschnittvergleich](https://schwimmlexikon.de/laengsschnittvergleich/) und bei Kenntnis der Einflussfaktoren ([Sportliche Form](https://schwimmlexikon.de/form-sportliche/), Glykogenspeicher (→[Glykogendepletion](https://schwimmlexikon.de/glykogendepletion/)), muskuläre [Ermüdung](https://schwimmlexikon.de/ermuedung/), [Muskelfaseransteuerung](https://schwimmlexikon.de/muskelfaserschaltung/), Außentemperatur) auch unter 10% Messwertdifferenzen signifikant. Selbst zwischen den Orten der Abnahme des Kapillarblutes (Ohrläppchen oder Fingerbeere) bestehen Unterschiede (Lucki u.a. 2005). Die Laktatkinetik ist ein wesentlicher Bestandteil der Trainingssteuerung. Sie bleibt aber eine Gradwanderung zwischen Wissenschaftlichkeit und Scharlatanerie. Neuere molekulare und biochemische Techniken führten Brooks und Mitarbeiter (2000) zu folgenden Erkenntnissen:

 	Dies ist zunächst die Ablösung der [Sauerstoff-Mangeltheorie](https://schwimmlexikon.de/sauerstoff-mangeltheorie/), nach der eine unzureichende Sauerstoffversorgung auf muskulärer Ebene für die Laktatproduktion ursächlich sein sollte. Hier sind alternative Mechanismen zu nennen, wie zum Beispiel der Einfluss von [Enzymen](https://schwimmlexikon.de/enzyme/) oder [Hormonen](https://schwimmlexikon.de/hormone/).
 	Der [Skelettmuskel](https://schwimmlexikon.de/skelettmuskulatur/) wird nicht mehr allein als Ort der Laktatproduktion sondern auch der [Laktatelimination](https://schwimmlexikon.de/laktateliminierung/) gesehen (→[Laktateliminierungsrate](https://schwimmlexikon.de/laktateliminierungsrate/)).
 	Eine bedeutende Rolle kommt der Glykoneogenese aus Laktat zu, die unter anderem von der Faserzusammensetzung der Muskulatur (→[Muskelfaserstruktur](https://schwimmlexikon.de/muskelfaserzusammensetzung/)) abhängig ist.
 	Der Laktattransport über die Zellebene hinaus wird heute nicht mehr auf [Diffusionsvorgänge](https://schwimmlexikon.de/diffusion/) zurückgeführt, sondern auf ein differenziertes Transportsystem auf [Protein](https://schwimmlexikon.de/protein/) basis („monokarboxylat-transporter“).
 	Insgesamt ist der Laktatstoffwechsel mit Laktatproduktion, -verteilung und -elimination ein komplexer Mechanismus, bei dem nicht nur die Muskulatur, sondern weitere Organe und Strukturen eine wichtige Rolle spielen, die in der „[Laktat Shuttle Theorie“](https://schwimmlexikon.de/laktat-shuttle-theorie/) zusammengefasst werden (Gladden, 2000).

Damit wird Laktat nicht mehr wie früher als Hauptursache für Müdigkeit angesehen, sondern als Marker des [anaeroben](https://schwimmlexikon.de/anaerob/) Glukose[katabolismus](https://schwimmlexikon.de/katabolismus/) (Dzintare & Krišans (2019)

Exkurs: Abschließend nochmals zur „Entzauberung eines Fetischs“: „Laktatwerte spiegeln nur wider, was im Blut ist. Wir wissen nicht, was in der Muskulatur passiert. Einige Menschen transportieren das Laktat viel schneller aus dem Muskel als andere. Außerdem ist es ungeeignet zur Steuerung des Trainings, weil man nicht ständig seine Blutwerte zur Hand hat. Auch Pulswerte variieren von Mensch zu Mensch. Es gibt nicht das eine Trainingsrezept für alle. Und die Werte, die in der Fachliteratur angegeben sind, sind immer nur Richtungswerte.“ (Bloch, Biochemiker der DSHS Köln im Interview mit SPIEGEL-ONLINE am 18.10.2013). Mit diesen „Richtwerten“ steuern aber erfahrene Trainer seit Jahrzehnten erfolgreich das Training, weil sie wesentliche Zusammenhänge kennen, wie die Leistung zustande gekommen ist. „Bei allen Bemühungen, das Training anhand von wissenschaftlichen Erkenntnissen zu steuern, ist es aber auch das implizite Wissen eines Trainers, welches entscheidend zum Erfolg beiträgt, sich aber gleich wie die physio-psychologische Dynamik des Athleten als nicht quantifizierbare Variable den wissenschaftlichen Erklärungsmodellen entzieht.“ (Holfelder & Bubeck, 2012, S.37). Laktat bleibt ein wichtiges Instrument zur Diagnose der sportartspezifischen [Ausdauerleistungsfähigkeit](https://schwimmlexikon.de/ausdauer/)(Faude et al. 2009), dessen Aussagekraft besonders durch Längsschnittuntersuchungen bei konstanten Rahmenbedingungen erhöht wird (Maasen & Schneider, 2011, S.96).

## Quellen

- Brooks, G. A. (2000). Intra- and extra-cellular lactate shuttles. in: Medicine and Science in Sports and Exercise: 32
- Dzintare & Krišans (2019). Lactate - harmful or helpful (Laktat - schädlich oder hilfreich). LASE Journal of Sport Science, 10 (1), 86-91. Zugriff am 24.04.2020 unter https://journals.rsu.lv/index.php/LASE/issue/view/23/29
- Faude, Kindermann & Meyer (2009). Lactate threshold concepts: How valid are they? Sports Med. 39. 469–490.
- Gladden, L. B. (2000). Muscle as a consumer of lactate. in: Medicine and Science in Sports and Exercise: 4 (32), 764-771
- Holfelder & Bubeck (2012). Theoretische Betrachtungen über die Trainingssteuerung anhand des Laktatstoffwechsels und der Muskelfasertypisierung. Schweizerische Zeitschrift für «Sportmedizin und Sporttraumatologie» 60 (1), 32–39
- Neumann, Berbalk & Gohlitz (1999). Atemgasanalyse im Leistungssport. Z. für Angew. TrWi, 6 (1999) 2, 9-43
- Rudolph & Berbalk (2000). Ausdauerdiagnostik im Rahmen der DSV-KLD von 1992 - 1997. DSTV-Reihe 17/33-55

## Verwandte Begriffe

- [Milchsäure](https://schwimmlexikon.de/milchsaeure/)
- [Blut](https://schwimmlexikon.de/blut/)
- [Glykolyse](https://schwimmlexikon.de/glykolyse/)
- [Energiestoffwechsel, anaerober](https://schwimmlexikon.de/energiestoffwechsel-anaerober/)
- [Gluconeogenese](https://schwimmlexikon.de/gluconeogenese/)
- [Glykogen](https://schwimmlexikon.de/glykogen/)
- [Wasserstoffionenkonzentration](https://schwimmlexikon.de/wasserstoffionenkonzentration/)
- [pH-Wert](https://schwimmlexikon.de/ph-wert/)
- [Atemrhythmus](https://schwimmlexikon.de/atemrhythmus/)
- [Atemtraining](https://schwimmlexikon.de/atemtraining/)
- [Ausdauer](https://schwimmlexikon.de/ausdauer/)
- [Ausdauer, anaerobe](https://schwimmlexikon.de/ausdauer-anaerobe-2/)

## Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2022). Laktat. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/laktat/ (abgerufen am 2. November 2026).
