# Leistungsprognose

- Quelle: [Schwimmlexikon](https://schwimmlexikon.de/)
- Adresse: https://schwimmlexikon.de/leistungsprognose/
- Englisch: performance prognosis
- Schlagwörter: Hochleistungssport, Statistik, Trainingssteuerung
- Autor: Klaus Rudolph
- Überarbeitet am: 2024-06-11
- Sprache: de

Leistungsprognose (performance prognosis), „wissenschaftlich begründete Aussage von möglichen sportlichen [Leistungen](https://schwimmlexikon.de/leistung/) zu einem bestimmten späteren Zeitpunkt“ (Schnabel & Thieß, 1993, S.541). →[Prognose](https://schwimmlexikon.de/prognose/)

Im Schwimmen werden auf der Grundlage der bisherigen Entwicklung mittels mathematischer Trendberechnungen (→[Trend](https://schwimmlexikon.de/trend/)) die [Zielzeiten](https://schwimmlexikon.de/zielzeit/) für einen Olympiazyklus (→[Olympiade](https://schwimmlexikon.de/olympiade/)) ermittelt. Oftmals bietet sich als optimale Lösung die [lineare Regression](https://schwimmlexikon.de/regressionsgerade/) an (Rudolph, 2001; Tillinger et al. 2005, Stauunton et al. 2024). Wichtige Leistungsindikatoren waren die "Freischwimmgeschwindigkeit" ([clean speed](https://schwimmlexikon.de/schwimmgeschwindigkeit/)) und die [Wende](https://schwimmlexikon.de/wende/) nleistung bei den längeren Strecken (200 m, 400 m, 800 m), die [Startleistung](https://schwimmlexikon.de/messplatz-start/) bei den [Sprint](https://schwimmlexikon.de/sprint/) rennen (Staunton et al. 2024).

Die Leistungsprognose ist die Grundlage der [Vierjahresplanung](https://schwimmlexikon.de/vierjahresplan/) und den davon abgeleiteten Leistungsvoraussetzungen und der [Leistungsstruktur](https://schwimmlexikon.de/leistungsstruktur/). Bei den [Olympischen Spielen](https://schwimmlexikon.de/olympische-spiele/) 2004 wurden die prognostizierten Zeiten, um sich für das [Finale](https://schwimmlexikon.de/finale/) zu qualifizieren, von den Schwimmern zu 100,12 ± 0,48% und von den Schwimmerinnen zu 99,97 ± 0,30% erreicht. Jede Prognose kann nur so gut sein, wie die ihr zugrundeliegenden Daten. Außerdem zählt auch hier das dialektische Prinzip vom Sprung in eine neue Qualität nach quantitativen Anhäufungen, nur lässt sich der Zeitpunkt dieses Sprunges schlecht exakt voraussehen.

Am Beispiel der 200m [Rückenschwimmen](https://schwimmlexikon.de/rueckenschwimmen/) der Damen sind drei solcher regelbedingten "Bremsböcke" zu berücksichtigen: 1957 der Ausschluss von [Kurzbahn](https://schwimmlexikon.de/kurzbahn/) leistungen, 1991 die Begrenzung der [Tauchphase](https://schwimmlexikon.de/uebergang/) auf 15m und 2010 das Verbot der [Hightech-Anzüge](https://schwimmlexikon.de/hightech-schwimmanzuege/) („Dopingleistungen“ bleiben hierbei unberücksichtigt). Trotzdem gelang es nach einer kurzen Stagnation  immer wieder den [Weltrekord](https://schwimmlexikon.de/weltrekord/) zu verbessern. Problematisch bleibt aber weiterhin die mathematische Berechnung über einen so langen Zeitraum, wie das Beispiel zeigt (s. Abb.). Nach der linearen und exponentiellen Trendlinie wären zu den OS 2020 Traumzeiten unter 2:00 min zu erwarten gewesen. Realistischer erscheint hier die polynomische Trendlinie, die eine geringe Verbesserung des WR von Missy Franklin knapp unter 2:03 min anzeigt. In der Praxis hat sich zur berechneten Prognose das „individuelle Korrektiv“ erfahrener Trainer (→[Experte](https://schwimmlexikon.de/experte/)) bewährt.

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Abb. Entwicklung des [Weltrekords](https://schwimmlexikon.de/weltrekord/) über 200m Rücken der Damen von 1928 bis 2016 (Prognose Finale für 2008 bei 1:56,2 min)

Kurzfristige Leistungsprognosen lassen sich recht zuverlässig aus [Stufentests](https://schwimmlexikon.de/stufentest/) ermitteln, weniger präzise über die [Kritische Schwimmgeschwindigkeit](https://schwimmlexikon.de/schwimmgeschwindigkeit-kritische/) bei jungen Schwimmern (Zacca & Castro, 2010). Kupper (1972) leitete aus anthropometrischen und Kraft-Parametern recht zuverlässige Leistungsprognosen für JEM-Teilnehmer ab. Komplizierter als die Vorhersage von messbaren Disziplinen wie im Schwimmen ist die [Prognose sportlichen Talents](https://schwimmlexikon.de/talentprognose/), die immer wieder an der Komplexität sportlicher Leistungen scheitert (→[Talenterkennung](https://schwimmlexikon.de/talenterkennung/)) und erst mit der Entschlüsselung der [genetischen Anlagen](https://schwimmlexikon.de/erbanlage/) (→[Genanalyse](https://schwimmlexikon.de/genanalyse/)) einen Qualitätssprung erfahren wird.

Exkurs: Der Hagener Trainer Joshua Neuloh hat mit einem Expertenteam über 40.000 Einzel-Rennen, 1600 Staffel-Rennen und über 600.000 Rechenschritte in Zusammenhang mit 1248 neuen Rennen von den Olympischen Spielen in London" analysiert und daraus einen mathematischen [Algorithmus](https://schwimmlexikon.de/algorithmus/) abgeleitet, der zukünftige Olympia-Ergebnisse vorhersagt (s. ["Swimnex™ Tabelle"](https://swimsportnews.de/8355-prognose-berechnet-8-neue-weltrekorde-bis-und-bei-olympia-2020)). Die Vorhersage lag zu den Olympischen Spielen in Rio 2016 bei 69% der männlichen und 54% der weiblichen Olympiasieger deutlich daneben. Die Prognosen waren mit großem Aufwand berechnet, aber dummerweise haben sich die Sportler nicht daran gehalten. Es bleibt dabei, „[valide](https://schwimmlexikon.de/validitaet/) Voraussagen der Leistungsentwicklung sind nur bedingt auf wissenschaftlich solider Basis zu erhalten“ (Krug in Schnabel et al. 2008, S.568). Russische Sportwissenschaftler haben zur Vorhersage der Wettkampfleistung junger Sportler auf der Grundlage der Technologie der künstlichen Intelligenz 34 Indikatoren einbezogen. Der Kontrolltest des erstellten Programms ergab eine Fehlerwahrscheinlichkeit von nur 11 % bei der Vorhersage der Wettkampfleistung. Bei unterstützendem Umfeld (Eltern,Trainer) stieg die Wahrscheinlichkeit auf 86% (Nagovitsyn et al. 2023).  Busso & Chalencon (2023) untersuchten Gültigkeit und Genauigkeit von Impuls-Antwort-Modellen zur Modellierung und Vorhersage von Trainingseffekten auf die Leistung von Schwimmern. Die verwendeten Modelle lieferten zwar relevante Annäherungen an die Beziehung zwischen Training und Leistung, ihre Fähigkeit zur Vorhersage künftiger Leistungen aus vergangenen Daten für die individuelle Trainingsplanung war jedoch nicht zufriedenstellend.

Akzeptiere die Diagnose, aber nicht die Prognose. Ebo Rau (*1945), deutscher Mediziner

## Quellen

- Busso & Chalencon (2023). Validity and accuracy of impulse-response models for modeling and predicting training effects on performance of swimmers. Medicine & Science in Sports & Exercise, 55 (7), 1274-1285. Zugriff am 03.08.2023 unter https://doi.org/10.1249/MSS.0000000000003139. https://doi.org/10.1249/MSS.0000000000003139
- Schnabel & Thieß (Hrsg.) (1993). Lexikon Sportwissenschaft. Berlin: Sportverlag
- Staunton, Romann, Björklund & Born (2024). Diving into a pool of data: Using principal component analysis to optimize performance prediction in women`s short-course swimming. Journal of Sports Sciences, 42 (6), 519-526. Zugriff am 30.05.2024 unter https://doi.org/10.1080/02640414.2024.2346670. https://doi.org/10.1080/02640414.2024.2346670

## Verwandte Begriffe

- [Leistung](https://schwimmlexikon.de/leistung/)
- [Prognose](https://schwimmlexikon.de/prognose/)
- [Trend](https://schwimmlexikon.de/trend/)
- [Zielzeit](https://schwimmlexikon.de/zielzeit/)
- [Olympiade](https://schwimmlexikon.de/olympiade/)
- [Regressionsgerade](https://schwimmlexikon.de/regressionsgerade/)
- [Schwimmgeschwindigkeit](https://schwimmlexikon.de/schwimmgeschwindigkeit/)
- [Wende](https://schwimmlexikon.de/wende/)
- [Entwicklungstendenz](https://schwimmlexikon.de/entwicklungstendenz/)
- [Prognoseschwimmen](https://schwimmlexikon.de/prognoseschwimmen/)
- [Retardation](https://schwimmlexikon.de/retardation/)
- [Talentauswahl](https://schwimmlexikon.de/talentauswahl/)

## Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2024). Leistungsprognose. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/leistungsprognose/ (abgerufen am 12. Oktober 2026).
