# Lernen, motorisches

- Quelle: [Schwimmlexikon](https://schwimmlexikon.de/)
- Adresse: https://schwimmlexikon.de/lernen-motorisches/
- Englisch: learning, motor
- Schlagwörter: Motorik, Psychologie
- Autor: Klaus Rudolph
- Überarbeitet am: 2020-11-12
- Sprache: de

Lernen, motorisches (learning, motor), „Erwerb motorischer [Handlungskompetenz](https://schwimmlexikon.de/5570-2/) durch Aneignung [motorischer Fertigkeiten](https://schwimmlexikon.de/fertigkeit-motorische/) und zweckmäßiger Verhaltensweisen (Schnabel et al. 2008, S. 128).

Da [Lernen](https://schwimmlexikon.de/lernen/) auf komplexen Informationsverarbeitungs- und Speicherungsprozessen beruht, ist im [Training](https://schwimmlexikon.de/training/) die Einheit von Wissens- und Könnensaneignung (→[Wissen](https://schwimmlexikon.de/wissen/)/→[Können](https://schwimmlexikon.de/koennen/)) zu sichern. Dazu zählen:

 	die Erarbeitung einer [Bewegungsvorstellung](https://schwimmlexikon.de/bewegungsvorstellung/) durch [Leitbilder](https://schwimmlexikon.de/leitbild/)(Film, Bild, Vormachen...),
 	die Kontrolle des Erfassten durch verbale Wiedergabe und
 	die bewusste [Bewegungswahrnehmung](https://schwimmlexikon.de/bewegungswahrnehmung/)(„Was hast Du gespürt?“).

Das setzt voraus, dass dem Sportler nicht nur erklärt wird, was er zu tun hat, sondern auch warum. Die Anforderungen im motorischen Lernprozess sollten zunehmen, aber gleichzeitig das motorische und konditionelle Ausgangsniveau berücksichtigen. Die theoretischen Ansätze sind vielfältig (→ [„closed loop“-Theorie](https://schwimmlexikon.de/closed-loop-bewegung/), →[Schema-Theorie](https://schwimmlexikon.de/schematheorie/), „Schalthebel-Analogie“ usw.), eine übergreifende Theorie, die allen Facetten des motorischen Lernens genügt, steht noch aus. In der Trainingspraxis hat sich das Drei-Phasen-Modell von Meinel & Schnabel (2004) bewährt, das die Lernphasen in Entwicklung der [Grobkoordination](https://schwimmlexikon.de/grobkoordination/), Entwicklung der [Feinkoordination](https://schwimmlexikon.de/feinkoordination/) und Stabilisierung der Feinkoordination mit Ausprägung zur [variablen Verfügbarkeit](https://schwimmlexikon.de/stadium-der-variablen-verfuegbarkeit/) unterscheidet. Motorisches Lernen erfolgt am wirkungsvollsten in ausgeruhtem Zustand und ohne Ablenkung. [Stress](https://schwimmlexikon.de/stress/), Aufregung und Hektik können den Lernerfolg einschränken (Bartonietz, 2008). Schlaf hingegen ist sowohl für die Stabilisierung zuvor erworbener motorischer Erinnerungen als auch für die Erhaltung der Fähigkeit des [Gehirns](https://schwimmlexikon.de/gehirn/), sich plastischen Veränderungen zu unterziehen, notwendig, um neue Fähigkeiten zu erlernen (Wenderoth, 2018). →[Training, ideomotorisches](https://schwimmlexikon.de/9945-2/)

Exkurs: Im Rahmen einer explorativen Studie interviewten Böchthold & Schölermann (2015) leistungssportlich aktive Schwimmer zum [Feedback](https://schwimmlexikon.de/feedback/) verhalten ihrer [Trainer](https://schwimmlexikon.de/trainer/) im Rahmen des [Techniktrainings](https://schwimmlexikon.de/techniktraining/). Die befragten Schwimmer erwarteten von ihren Trainern grundsätzlich häufige und differenzierte Rückmeldungen im Trainingsprozess. Allerdings wollen sie nicht wahllos mit Hinweisen überschüttet werden, sondern brauchen vielmehr Gelegenheit, die Hinweise praktisch zu erproben und unzusetzen. Diese sollten knapp und pointiert erfolgen, wobei die Visualisierung ([Vormachen](https://schwimmlexikon.de/vorfuehren-machen/)) besonders anerkannt wird. Wichtig ist hierbei eine einheitliche Lehrmeinung bei den Trainern. Wenn bei einem Trainerwechsel (Lehrgang, Wettkampfbetreuung) auch die Fehler "wechseln", verunsichert das den Schwimmer.

## Quellen

- Bartonietz, K. (2008). „Gehirn, das (Subst.): ein Organ, mit dem wir denken, dass wir denken.“ Leistungssport 2, 35-44
- Meinel & Schnabel (2004). Bewegungslehre – Sportmotorik. München: Südwest-Verlag
- Wenderoth, N. (2018). Motor learning triggers neuroplastic processes while awake and during sleep. Exercise and Sport Sciences Reviews, 46 (3), 152-159.

## Verwandte Begriffe

- [Handlungskompetenz](https://schwimmlexikon.de/5570-2/)
- [Fertigkeit, motorische](https://schwimmlexikon.de/fertigkeit-motorische/)
- [Lernen](https://schwimmlexikon.de/lernen/)
- [Training](https://schwimmlexikon.de/training/)
- [Wissen](https://schwimmlexikon.de/wissen/)
- [Können](https://schwimmlexikon.de/koennen/)
- [Bewegungsvorstellung](https://schwimmlexikon.de/bewegungsvorstellung/)
- [Leitbild](https://schwimmlexikon.de/leitbild/)
- [Aktualgenese](https://schwimmlexikon.de/aktuagenese/)
- [Anschaulichkeit](https://schwimmlexikon.de/anschaulichkeit/)
- [Bewegungsautomatisierung](https://schwimmlexikon.de/bewegungsautomatisierung/)
- [Bewegungserfahrung](https://schwimmlexikon.de/bewegungserfahrung/)

## Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2020). Lernen, motorisches. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/lernen-motorisches/ (abgerufen am 24. Oktober 2026).
