# Lernfähigkeit, motorische

- Quelle: [Schwimmlexikon](https://schwimmlexikon.de/)
- Adresse: https://schwimmlexikon.de/lernfaehigkeit-motorische/
- Schlagwörter: Langfristiger Leistungsaufbau, Lernen, Masters, Motorik, Talent
- Autor: Klaus Rudolph
- Überarbeitet am: 2020-03-13
- Sprache: de

Lernfähigkeit, motorische (motor educability; motor learning capacity), “ Komplexe [koordinative Fähigkeit](https://schwimmlexikon.de/faehigkeit-koordinative/); relativ verfestigte und generalisierte  [Leistungsvoraussetzung](https://schwimmlexikon.de/leistungsvoraussetzung/) zur schnellen, genauen und effektiven [Aneignung](https://schwimmlexikon.de/aneignung/) und [Stabilisierung](https://schwimmlexikon.de/stabilisierung/) neuer [Bewegungsfertigkeiten](https://schwimmlexikon.de/bewegungsfertigkeit/).“ (Hirtz, in Schnabel & Thieß, 1993, S.549), gemessen an der Lernschnelligkeit, dem Übungsaufwand und der Qualität der Ausführung (→[Bewegungsgüte](https://schwimmlexikon.de/bewegungsguete/)). Die motorische Lernfähigkeit wird beeinflusst durch [Motivation](https://schwimmlexikon.de/motivation/), [Bewegungserfahrung](https://schwimmlexikon.de/bewegungserfahrung/) und genetische [Veranlagung](https://schwimmlexikon.de/veranlagung/)(z.B. „Bewegungsidiot“). Sie ist im [Kinder- und Jugendtraining](https://schwimmlexikon.de/nachwuchstraining/) an den entwicklungsbedingten Stand der Hirnreifung und an die Qualität der Lernvoraussetzungen gebunden. „Typisch reifebedingte Lernvoraussetzungen bei Kindern des [frühen](https://schwimmlexikon.de/schulkindalter-fruehes/) und [späten Schulkindalters](https://schwimmlexikon.de/schulkindalter-spaetes/) sind: die [Plastizität](https://schwimmlexikon.de/plastizitaet-neuronale/) der Nervengrundprozesse, die natürlichen Lernantriebe und die [Fähigkeit](https://schwimmlexikon.de/faehigkeit/) der inneren Mitbewegung“ (Martin et al. 1999). Deshalb sollten im [Kindertraining](https://schwimmlexikon.de/kindertraining/) die Phasen erhöhter motorischer Lernfähigkeit genutzt werden. Untersuchungen der letzten Jahre zeigen entgegen bisheriger Auffassungen, dass komplexe Bewegungsabfolgen auch noch im Alter erworben werden können. Sie verweisen auf ein bemerkenswertes Plastizitätspotential auch beim Erlernen neuer Bewegungen. Nach subjektiven Einschätzungen geht die [motorische Leistungsfähigkeit](https://schwimmlexikon.de/leistungsfaehigkeit-motorische/) erst ab dem 75. Lebensjahr zurück. Nachlassende motorische Leistungsfähigkeit ist aber nicht primär dem Alterungsprozess geschuldet, sondern dem fehlenden Einfluss langjähriger Bewegungserfahrung. „Auch die Entwicklung der motorischen Leistungsfähigkeit folgt dem Prinzip der Plastizität, d.h. der Mensch ist prinzipiell bis ins hohe Alter in der Lage, sich motorische Fertigkeiten neu anzueignen sowie früher erworbene Fähigkeiten zu reaktivieren und zu modifizieren“ (Schaller, 2003).

Exkurs: Ein Merkmal sportlichen [Talents](https://schwimmlexikon.de/talent/) ist, dass es auf [Trainingssreize](https://schwimmlexikon.de/trainingsreiz/) schneller/stärker reagiert. Das betrifft auch das Erlernen sportlicher [Bewegungshandlungen](https://schwimmlexikon.de/bewegungshandlung/), z.B. der [Schwimmtechnik](https://schwimmlexikon.de/schwimmechnik/). Deshalb ist die Beziehung zwischen [Bedingungsgefüge](https://schwimmlexikon.de/leistungsvoraussetzungen-aeussere/), [Leistung](https://schwimmlexikon.de/leistung/) und [Leistungsentwicklung](https://schwimmlexikon.de/leistungsentwicklung-sportliche/) ein wichtiger Faktor bei der Beurteilung sportlichen Talents (→[Talentauswahl](https://schwimmlexikon.de/talentauswahl/)). Da das Bedingungsgefüge ([Trainingsumfang](https://schwimmlexikon.de/trainingsumfang/), Gruppenniveau, [Trainerkompetenz](https://schwimmlexikon.de/trainerkompetenz/) usw.) sehr unterschiedlich und oft nicht zu erfassen ist, schlugen Kupper & Jüling (1968) ein Versuchstraining nach standardisierten Programmen vor (→[STP](https://schwimmlexikon.de/standardtrainingsprogramm-stp/)). Im Vordergrund steht dabei die Einschätzung der motorischen Lernfähigkeit bei weitgehend standardisierten Bedingungen.

## Quellen

- Kupper & Jüling (1968). Zu Problemen der Bestimmung individueller Fähigkeiten für die Entwicklung von Bewegungseigenschaften. Theorie und Praxis des Leistungssports (6)12, 46-55
- Martin, Nicolaus, Ostrowski & Rost (1999). Handbuch Kinder- und Jugendtraining. Schorndorf: Hofmann
- Schaller, H.J. (2003). Bewegungskoordination im Alter. In Denk/Pache/Schaller (Hrsg.): Handbuch Alterssport. Schorndorf: Hofmann, 199-241

## Verwandte Begriffe

- [Fähigkeit, koordinative](https://schwimmlexikon.de/faehigkeit-koordinative/)
- [Leistungsvoraussetzung](https://schwimmlexikon.de/leistungsvoraussetzung/)
- [Aneignung](https://schwimmlexikon.de/aneignung/)
- [Stabilisierung](https://schwimmlexikon.de/stabilisierung/)
- [Bewegungsfertigkeit](https://schwimmlexikon.de/bewegungsfertigkeit/)
- [Bewegungsgüte](https://schwimmlexikon.de/bewegungsguete/)
- [Motivation](https://schwimmlexikon.de/motivation/)
- [Bewegungserfahrung](https://schwimmlexikon.de/bewegungserfahrung/)
- [Bewegungsregulation](https://schwimmlexikon.de/bewegungsregulation/)
- [Entwicklungsgemäßheit](https://schwimmlexikon.de/entwicklungsgemaessheit/)
- [Fasslichkeit](https://schwimmlexikon.de/fasslichkeit/)
- [Landtraining](https://schwimmlexikon.de/landtraining/)

## Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2020). Lernfähigkeit, motorische. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/lernfaehigkeit-motorische/ (abgerufen am 28. Oktober 2026).
