# Muskelkraft

- Quelle: [Schwimmlexikon](https://schwimmlexikon.de/)
- Adresse: https://schwimmlexikon.de/muskelkraft/
- Englisch: muscular strength
- Schlagwörter: Kraft, Langfristiger Leistungsaufbau, Masters
- Autor: Klaus Rudolph
- Überarbeitet am: 2020-11-17
- Sprache: de

Muskelkraft (muscular strength), [Kraft](https://schwimmlexikon.de/kraft/), die der [Muskel](https://schwimmlexikon.de/muskel/) durch [Kontraktion](https://schwimmlexikon.de/kontraktion/) entwickeln kann und damit eine Grundlage sportlicher [Bewegungen](https://schwimmlexikon.de/bewegung/). Entsprechend biomechanischer [Modellierung](https://schwimmlexikon.de/modellierung/) ist die Muskelkraft durch mindestens vier Parameter erfassbar: [isometrische](https://schwimmlexikon.de/isometrisch/) Kraft, maximale mögliche Kontraktionsgeschwindigkeit, maximale mögliche Leistungsabgabe der einzelnen [Muskelfasern](https://schwimmlexikon.de/muskelfaser/) und Anzahl der kontrahierenden Fasern sowie der Funktion der Kontraktionsgeschwindigkeit (Sust in Schnabel & Thieß, 1993, S. 594). Der Muskel kann die Kraftentwicklung durch die Anzahl der aktivierten [motorischen Einheiten](https://schwimmlexikon.de/einheit-motorische/) (→[Rekrutierung](https://schwimmlexikon.de/rekrutierung/)) und die Stärke der Ansteuerung (→[Frequenzierung](https://schwimmlexikon.de/frequenzierung/)) verändern. Die Muskelkraft kann direkt nur am isolierten Muskel (Tierpräparat) im Labor gemessen werden.

Im Sport wird die Muskelkraft indirekt als am starren [Widerlager](https://schwimmlexikon.de/widerlager/) entstehende Gegenkraft gemessen (z.B. Handdynamometer). Bei "einfachen" (eingelenkigen) Bewegungsabläufen ist der Kraftverlust gering. Bei Bewegungen über mehrere [Gelenke](https://schwimmlexikon.de/gelenk/) und dann noch im Medium Wasser ist die Muskelkraft schwer zu erfassen. Mit Hilfe eines individualisierten MKS-Simulationsmodells aus gemessenen [Bodenreaktionskräften](https://schwimmlexikon.de/bodenraktionskraft/) und Bewegungen, die am [Trainingsmessplatz](https://schwimmlexikon.de/messplatz-start/) erfasst werden können, konnten valide Beobachtungsgrößen für eine individuelle dynamische Bewertung von [Startsprüngen](https://schwimmlexikon.de/startsprung/) im Sportschwimmen ermittelt werden. Dazu gehören insbesondere die Antriebsmomente in den Gelenken, die summarisch die vom Athleten aufgebrachten Muskelkräfte abbilden (Hermsdorf et al. 2015). So besteht ein hoher Zusammenhang zwischen maximaler [Muskelleistung](https://schwimmlexikon.de/muskelleistung/) und [Sprunghöhe.](https://schwimmlexikon.de/9149-2/) Das wirkt sich auf die [Antriebsleistung](https://schwimmlexikon.de/antriebskraft/) beim [Startsprung](https://schwimmlexikon.de/startsprung/) aus (Scheichardt & Witt, 2014) bis in den 10m-[Übergang](https://schwimmlexikon.de/uebergang/) (Beretic et al. 2013). Hierbei beeinflusst besonders die [isometrische Maximalkraft](https://schwimmlexikon.de/maximalkraft-isometrische/) der vorderen Knieextension den [Schrittstart](https://schwimmlexikon.de/schrittstart/)(Suito et al. 2012). Beim [Einzelzyklus](https://schwimmlexikon.de/einzelzyklus/) im Schwimmen wird die Muskelkraft nicht 1:1 in [Vortrieb](https://schwimmlexikon.de/vortrieb/) umgesetzt. Hier spielen die [Hebel](https://schwimmlexikon.de/hebel/)- und [Winkelverhältnisse](https://schwimmlexikon.de/winkelgeschwindigkeit/) eine große Rolle (Havriluk 2016). →[Wirkungsgrad](https://schwimmlexikon.de/wirkungsgrad/), →[Schwimmtechnik](https://schwimmlexikon.de/schwimmechnik/), →[Biomechanik](https://schwimmlexikon.de/3680-2/)

Bis zur [Pubertät](https://schwimmlexikon.de/pubertaet/) unterscheiden sich Jungen und Mädchen kaum in der Muskelkraft. Erst mit den hormonellen Veränderungen steigt der Anteil an [Muskelmasse](https://schwimmlexikon.de/muskelmasse-aktive/) bei den Jungen wesentlich stärker und damit die Kraft. Der altersbedingte Rückgang an Muskelmasse ist die Ursache für den deutlichen Verlust an Muskelkraft mit fortschreitendem Lebensalter. Dieser Prozess setzt etwa mit dem 25 – 30. Lebensjahr ein, beträgt im →Alter von 50 Jahren etwa 10% und wächst mit 80 Jahren auf etwa 50% an, kann aber durch [Krafttraining](https://schwimmlexikon.de/krafttraining-fuer-masters/) verzögert werden (Tschan  [www.univie.ac.at](http://www.univie.ac.at)).

Exkurs: "Schwimmtraining - auch von vielen km - muß nicht zwangsläufig zu einer Kraftentwicklung führen. Kraftzuwachs wird nur dann angeregt, wenn die Muskeln bei 70 % ihrer maximalen Kapazität (oder mehr) arbeiten. Viele Trainingsformen (z.B. ÜberdistanzÜbungen) erreichen nicht diese erforderliche Intensität. Nur durch schnelles Schwimmen kann Kraftentwicklung stimuliert werden. Daher ist häufig Krafttraining an Land die geeignetere Form zur Kraftentwicklung, da hier mit schweren Lasten unter kontrollierten Bedingungen gearbeitet werden kann. In den richtigen Relationen trägt das Krafttraining an Land zur Aufrechterhaltung des Kraft-Ausdauer-Gleichgewichts bei. Dieses Gleichgewicht benötigt der Schwimmer, um über eine längere Strecke eine hohe Geschwindigkeit und eine aus biomechanischer Sicht optimale Technik realisieren zu können. Hohe Frequenzen bei hohen Geschwindigkeiten ermöglichen ein Rückführen der Arme über Wasser fast ohne Anstrengung. Bei unzureichenden Ausdauerfähigkeiten auf Grund unzureichender Kraftpotentiale verringert sich die Geschwindigkeit, der Körper sinkt im Wasser ab und der Wasserwiderstand wird daher größer. Je geringer die Zugfrequenz, desto höhere Anstrengungen und Kraftaufwendungen sind für das Rückführen der Arme erforderlich. Diese Negativkette wiederholt sich dann bei jedem Zug (Sterbender-Schwan-Syndrom)." McKeon, B. (1997). 

## Quellen

- Havriluk, R. (2016). Swimming technique misconceptions: Leverage. Swimming World Magazine (57)10, 10-11
- Hermsdorf, Hofmann & Keil (2015). Optimierung der Bewegungsabläufe beim Startsprung im Sportschwimmen. BISp-Jahrbuch Forschungsförderung 2013/14. Strauß-Köln, 95-103
- Scheichardt & Witt (2014). Berechnung von Muskelparametern zur Charakterisierung der Antriebsleistung bei Strecksprungbewegungen. Neue Ansätze in der Bewegungsforschung. Jahrestagung der dvs-Sektion Biomechanik vom 13.-15. März 2013 in Chemnitz, 97-103
- Suito, Nunome & Ikegami (2012). The relationship between the kick start and lower-limbs muscle strength in swimming. 17th Annual Congress of the European College of Sport Science (ECSS), Bruges, 4. -7. July 2012, 341

## Verwandte Begriffe

- [Kraft](https://schwimmlexikon.de/kraft/)
- [Muskel](https://schwimmlexikon.de/muskel/)
- [Kontraktion](https://schwimmlexikon.de/kontraktion/)
- [Bewegung](https://schwimmlexikon.de/bewegung/)
- [Modellierung](https://schwimmlexikon.de/modellierung/)
- [isometrisch](https://schwimmlexikon.de/isometrisch/)
- [Muskelfaser](https://schwimmlexikon.de/muskelfaser/)
- [Einheit, motorische](https://schwimmlexikon.de/einheit-motorische/)
- [Atemtraining](https://schwimmlexikon.de/atemtraining/)
- [Beschleunigung](https://schwimmlexikon.de/3120-2/)
- [Beschleunigungsgesetz](https://schwimmlexikon.de/beschleunigungsgesetz/)
- [Beweglichkeitstraining](https://schwimmlexikon.de/beweglichkeitstraining/)

## Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2020). Muskelkraft. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/muskelkraft/ (abgerufen am 6. November 2026).
