# Muskelverkürzung

- Quelle: [Schwimmlexikon](https://schwimmlexikon.de/)
- Adresse: https://schwimmlexikon.de/muskelverkuerzung/
- Englisch: muscle shortening
- Schlagwörter: Anatomie, Physiologie, Physiotherapie, Test
- Autor: Klaus Rudolph
- Überarbeitet am: 2020-11-25
- Sprache: de

Muskelverkürzung (muscle shortening), hier ist nicht die Verkürzung bei isotonischer [Muskelkontraktion](https://schwimmlexikon.de/muskelkontraktion/) gemeint, sondern eine bestimmte Veränderung der Grundspannung ([Tonus](https://schwimmlexikon.de/muskeltonus/)) des Muskels bis zur schmerzhaften Dauerspannung, die durch eine reflektorische Dauererregung aufrechterhalten wird (→[Muskelspindel](https://schwimmlexikon.de/muskelspindel/)). Im Extremfall führt sie zu schmerzhaften Fehlhaltungen und Bewegungseinschränkungen (Muskelkontraktur). Bei der Auswahl sportlicher Übungen sind die unterschiedlichen Muskelstrukturen zu beachten. So wird zwischen plastischem Tonus (vorwiegend bei glatter Muskulatur) und kontraktilem Tonus (ausschließlich [Skelettmuskulatur](https://schwimmlexikon.de/skelettmuskulatur/)) unterschieden. Die [tonische](https://schwimmlexikon.de/tonisch/) Skelettmuskulatur (Haltemuskulatur) ist gegenüber der [phasischen](https://schwimmlexikon.de/phasisch/) Muskulatur (Bewegungsmuskulatur) besser durchblutet, ausdauernder und schwächt langsamer ab, neigt aber zur [Verkürzung](https://schwimmlexikon.de/verkuerzung/) (s. Tab.). Verkürzte Muskulatur verstärkt das [Verletzungsrisiko,](https://schwimmlexikon.de/sportverletzung/) verschlechtert die [Koordination](https://schwimmlexikon.de/koordination/), hat negativen Einfluss auf die [Kraft](https://schwimmlexikon.de/kraft/), auf die Körperstatik und [Körperhaltung](https://schwimmlexikon.de/koerperhaltung/)(Bolz, 2006). →[Dysbalancen, muskuläre](https://schwimmlexikon.de/dysbalance-muskulaere/), →[Funktionskreise,](https://schwimmlexikon.de/funktionskreis/) →[Stiffness](http://Stiffness)

| zur Verkürzung neigend | zur Abschwächung neigend |
| dreiköpfiger Wadenmuskel | großer Gesäßmuskel |
| Lenden-Darmbein-Muskel | mittlerer Gesäßmuskel |
| gerader Schenkelmuskel | gerader Bauchmuskel |
| Ischiocruale Muskelgruppe | Schlterblattadduktoren |
| Adduktoren, Schenkel-Anzieher | Beuger des Halses |
| viereckiger Lendenmuskel |  |
| tiefe lange Rückenstrecker |  |
| absteigender Teil Kapuzenmuskel |  |
| großer Brustmuskel |  |

Zu Verkürzung und Abschwächung neigende Muskeln (nach Engelhardt & Neumann 1994, S. 96)

Beispiel: Häufig werden bei Rumpfhebungen zur Kräftigung der [Bauchmuskulatur](https://schwimmlexikon.de/bauchmuskulatur/) noch die Füße fixiert. Dadurch erfährt aber der bereits zur Verkürzung neigende [Lenden-Darmbeinmuskel](https://schwimmlexikon.de/lendendarmbeinmuskel/) eine weitere Verkürzung. Das Gegenteil wird erreicht.

Fälschlicherweise werden in der Literatur die Begriffe [Fähigkeit](https://schwimmlexikon.de/faehigkeit/) zu dehnen und Muskellänge synonym verwendet. Die [Dehnfähigkeit](https://schwimmlexikon.de/4033-2/) beschreibt, wie sehr [Ursprung](https://schwimmlexikon.de/ursprung/) und Ansatz eines Muskels voneinander getrennt werden können. Muskellänge bezeichnet die physiologische funktionelle Länge eines Muskels, die durch den Winkel der Gelenkstellung bzw. den Abstand vom Ursprung zum Ansatz definiert ist, bei welchen sich [Aktin](https://schwimmlexikon.de/aktin/)- und [Myosin](https://schwimmlexikon.de/myosin/)-Komplex optimal überschneiden, was die Hervorbringung eines maximalen [Drehmoments](https://schwimmlexikon.de/drehmoment/) ermöglicht (Zahnd 2004).

##### Exkurs zum Thema Muskelverkürzung

Lange Zeit wurde geleugnet, dass sich ein Muskel auch strukturell verkürzen könne: „Die strukturelle Länge eines Muskels per se ist immer gleich, denn eine Veränderung der Anzahl und Länge der [Sarkomere](https://schwimmlexikon.de/sarkomer/) in Serienschaltung konnte in vivo beim Menschen bisher nicht nachgewiesen werden“ (Moosburger s.u.). Die Verkürzung (besser Unbeweglichkeit) ist aber einer Kombination neurophysiologischer und struktureller Effekte geschuldet.

Zum einen bietet das [Muskelgewebe](https://schwimmlexikon.de/muskel/) an sich einen Widerstand, zum anderen spielt aber auch das ihn umgebende und allgegenwärtige [Bindegewebe](https://schwimmlexikon.de/bindegewebe/) eine Rolle. Im Gegensatz zum Muskelgewebe kann dieses nämlich verkürzen, „verkleben“, Fasern vermehren (fibrotisieren) und weitere strukturelle Veränderungen (Heymann & Stecco, 2016) aufweisen, die das Gleiten der Strukturen bzw. eine Dehnung des Gewebes selbstverständlich erschweren.

Verschiedene Studien zeigen auch, dass sich Muskeln an die Arbeitslänge, in der sie die überwiegende Zeit gehalten werden und Arbeit verrichten, anpassen (Gewohnheitshaltung). Diskutiert wird besonders über den Einfluss von Dehnen auf Muskelverkürzung. "Die Vorstellung, dass ein Muskel "verkürzen" würde, wenn er nicht regelmäßig gedehnt wird, ist falsch. Ebenso wenig lässt sich eine "Muskelverkürzung" durch Dehnen beheben. Vielmehr gilt es, muskuläre Dysbalancen im Sinne von Kraftdefiziten und ungleichen Ruhespannungen zu beheben und Agonist/Antagonist über einen möglichst großen ROM (range of motion = Bewegungsumfang) arbeiten zu lassen.“ ([www.dr-moosburger.at/pub/pub046.pdf)](https://www.dr-moosburger.at/wp-content/uploads/pub046.pdf).

Allerdings konnte Williams (1990) bei Mäusen nachweisen, dass nach einer Dehnung über 30 Minuten (!) Muskelverkürzungen behoben werden konnten. Welcher Arbeitgeber billigt diesen Zeitaufwand? Besser scheint doch bei einseitiger Körperhaltung wiederholt die Position zu wechseln.

The best posture is your next posture.

## Quellen

- Bolz, M. (2006). Trainingsmärchen und Fitnesslügen. München: Südwest
- Engelhardt & Neumann (1994). Sportmedizin – Grundlagen für alle Sportarten. München: BLV Verlagsgesellschaft mbH 1994
- von Heymann & Stecco (2016). Fasziale Dysfunktionen. Manuelle Medizin, 54(5), 303-306.
- Williams, P. E. (1990). Use of intermittent stretch in the prevention of serial sarcomere loss in immobilised muscle. Annals of the rheumatic diseases, 49(5), 316-317.

## Verwandte Begriffe

- [Muskelkontraktion](https://schwimmlexikon.de/muskelkontraktion/)
- [Muskeltonus](https://schwimmlexikon.de/muskeltonus/)
- [Muskelspindel](https://schwimmlexikon.de/muskelspindel/)
- [Skelettmuskulatur](https://schwimmlexikon.de/skelettmuskulatur/)
- [tonisch](https://schwimmlexikon.de/tonisch/)
- [phasisch](https://schwimmlexikon.de/phasisch/)
- [Verkürzung](https://schwimmlexikon.de/verkuerzung/)
- [Sportverletzung](https://schwimmlexikon.de/sportverletzung/)
- [Dehnung](https://schwimmlexikon.de/dehnung/)
- [Dysbalance, muskuläre](https://schwimmlexikon.de/dysbalance-muskulaere/)
- [Hüftbeugemuskel](https://schwimmlexikon.de/hueftbeugemuskel/)
- [Hypomobilität](https://schwimmlexikon.de/hypomobilitaet/)

## Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2020). Muskelverkürzung. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/muskelverkuerzung/ (abgerufen am 4. Oktober 2026).
