Retardation

25. Oktober 2022 R 0

Retardation (retardation) lat. retardatio= Verzögerung; In der Biologie Entwicklungsverzögerung von Körperteilen oder ganzen Organismen. Beim Menschen auch die verzögerte psychisch-geistige Entwicklung, zumeist durch Erkrankung, Mangel- oder Fehlernährung sowie ungünstige soziale Bedingungen (Spätentwickler). →biologisches Alter, →Frühentwickler, →Akzeleration, →Wachstumshormon

Physisch retardierte Kinder bzw. Jugendliche sind besonders bei Kraft– und Ausdaueranforderungen weniger leistungs- und belastungsfähig. So hängen die Funktionsreserven des Sauerstoffversorgungssystems bei Jugendlichen von ihrem körperlichen Entwicklungsstand ab (Korepanov et al. 2020). Dem entgegen können Retardierte bei vorrangig koordinativ determinierten sportlichen Leistungen (z.B. in akrobatischen Sportarten) über günstige Leistungsvoraussetzungen verfügen. Frühzeitige hohe Belastungen können aber auch zu Wachstumsverzögerungen führen, wie Studien bei Eliteturnerinnen zeigten (Georgopoulos et al. 2002; Weimann 2002; Vicente-Rodriguez et al. 2007).

Exkurs: In zahlreichen Studien als auch in eigenen Untersuchungen (Rudolph 1996, 2004, 2011) konnte der Leistungsvorteil frühentwickelter Kinder und Jugendlichen nachgewiesen werden. Das führt in der Praxis häufig zu Selektionsverzerrungen bei der Förderung junger Athleten, zumal die Wettkämpfe zumeist nach chronologischem Alter gruppiert sind. Bei einer zurückblickenden Betrachtung langjähriger Entwicklungsverläufe erfolgreicher Sportler wird aber häufig auf deren „retardierte Startbedingungen“ verwiesen. Im Sinne einer nachhaltigen Talentsichtung sollten Trainer mehr die Reife– und Umfeldbedingungen der Sportler berücksichtigen, um eine Verzerrung bei der Auswahl der Athleten zu vermeiden (u.a. Timakova & Klyuchnikova, 2010).


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