# Rekrutierung

- Quelle: [Schwimmlexikon](https://schwimmlexikon.de/)
- Adresse: https://schwimmlexikon.de/rekrutierung/
- Englisch: recruitment
- Schlagwörter: Anatomie, Kraft, Physiologie
- Autor: Klaus Rudolph
- Überarbeitet am: 2022-11-26
- Sprache: de

Rekrutierung (recruitment), lat. recrescere dt. wieder nachwachsen; Einberufung von Soldaten (in Schweiz für Musterung), allgemein das Beschaffen von Personal für Zielgruppen (→[Sportkader](https://schwimmlexikon.de/kadersportler/),→[Talentförderung](https://schwimmlexikon.de/talentfoerderung/) )

In der [Physiologie](https://schwimmlexikon.de/physiologie/) versteht man darunter die Inanspruchnahme molekularer oder zellulärer Ressourcen für einen bestimmten Zweck, wie zum Beispiel die Rekrutierung von Signal[proteine](https://schwimmlexikon.de/protein/) n in spezifische Zellkompartimente, um Signalprozesse zu ermöglichen (DocCheck Flexikon).

Für [Trainer](https://schwimmlexikon.de/trainer/) und Sportler ist besonders die Arbeitsweise der [Skelettmuskulatur](https://schwimmlexikon.de/skelettmuskulatur/) von Interesse. Diese besteht aus [Muskelfasern](https://schwimmlexikon.de/muskelfaser/), die durch [Aktionspotentiale](https://schwimmlexikon.de/aktionspotential/) zur [Kontraktion](https://schwimmlexikon.de/muskelkontraktion/) angeregt werden. Die Einzelfaser folgt dabei dem "[Alles-oder-Nichts-Gesetz](https://schwimmlexikon.de/1909-2/)", d.h. es muss erst eine bestimmte [Reizschwelle](https://schwimmlexikon.de/reizschwelle/) überschritten werden, bevor sie aktiv wird. Sie hat damit ihr Limit erreicht. Somit kann die [Kraft](https://schwimmlexikon.de/kraft/) (Kontraktion) über die Anzahl stimulierter Muskelfasern (Rekrutierung) oder die Häufigkeit deren Stimulierung ([Frequenzierung](https://schwimmlexikon.de/frequenzierung/)) sowie der abgestimmten Aktion aller [motorischen Einheiten](https://schwimmlexikon.de/einheit-motorische/) eines Muskels ([Synchronisation](https://schwimmlexikon.de/synchronisation/)) erzeugt werden.

Nach dem [Rekrutierungsprinzip](https://schwimmlexikon.de/reizstufenregel/) von HENNEMANN (1965) ist für die Aktivierung der [Motoneuronen](https://schwimmlexikon.de/motoneuron/) deren Rekrutierungsschwelle (Erregungsschwelle, [Reizschwelle](https://schwimmlexikon.de/reizschwelle/)) maßgebend. Die Rekrutierung erfolgt nach einer bestimmten Reihenfolge, zuerst die langsamen [motorischen Einheiten](https://schwimmlexikon.de/einheit-motorische/) (ST-Fasern), mit steigender Kraftanforderung die schwächeren FT-Fasern und schließlich die starken FT-Fasern mit großen Motoneuronen und hoher Erregungsschwelle. Bei explosiven Krafteinsätzen ([Explosivkraft](https://schwimmlexikon.de/explosivkraft/)) erfolgt die Rekrutierung zeitlich verdichtet (Grosser, Starischka & Zimmermann, 2004). „Da Anpassungsvorgänge offenbar vor allem in den bzw. durch die während des Trainings überwiegend rekrutierten Muskelfasern ausgelöst  werden, sollten Trainingsprogramme zur Verbesserung der [Maximal](https://schwimmlexikon.de/maximalkrafttraining/)- und [Schnellkraft](https://schwimmlexikon.de/schnellkrafttraining/) auf eine Rekrutierung der schnellen Typ II-Fasern (mit hoher Reizschwelle) abzielen. Bisher vorliegende Untersuchungsergebnisse sprechen dafür, dass ein [desmodromisches Training](https://schwimmlexikon.de/krafttraining-desmodromisches/) und ein [Vibrationstraining](https://schwimmlexikon.de/vibrationstraining/) eine verstärkte Rekrutierung der Typ II-Fasern bewirken können. (Friedmann, 2007, S.17). →[Muskelfasertypen](https://schwimmlexikon.de/muskelfasertypen/), , →[Aktivierungsfähigkeit, willkürliche](https://schwimmlexikon.de/aktivierungsfaehigkeit-willkuerliche/)

Beispiel: Del Vecchio et al. (2019) zeigen zum ersten Mal, dass sich die Entladungseigenschaften der motorischen Einheiten im  vorderen Schienbeinmuskel durch ein vierwöchiges [isometrisches Krafttraining](https://schwimmlexikon.de/krafttraining-isometrisches/)  verändert haben. Zu den spezifischen Anpassungen gehörten signifikante Erhöhungen der Entladungsrate der motorischen Einheiten, Verringerungen der Rekrutierungsschwellenkraft der motorischen Einheiten und eine ähnliche Input-Output-Verstärkung der motorischen [Neuronen](https://schwimmlexikon.de/neuron/). Die Anpassungen in der Funktion der motorischen Einheiten könnten auf Veränderungen des synaptischen Inputs in den Pool der [Motoneuronen](https://schwimmlexikon.de/motoneuron/) oder auf Anpassungen der [intrinsischen](https://schwimmlexikon.de/intrinsisch/) Eigenschaften der Motoneuronen zurückzuführen sein.

## Quellen

- Del Vecchio, Casolo, Negro, Scorcelletti, Bazzucchi, Enoka, Felici & Farina (2019). The increase in muscle force after 4 weeks of strength training is mediated by adaptations in motor unit recruitment and rate coding. The Journal of Physiology (597)7, 1873-1887
- Friedmann, B. (2007). Neuere Entwicklungen im Krafttraining. Muskuläre Anpassungsreaktionen bei verschiedenen Krafttrainingsmethoden. Dt. Z. Sportmedizin, 1 (58), 12-18
- Grosser, Starischka & Zimmermann (2004). Das neue Konditionstraining. München: BLV Verlagsgesellschaft mbH

## Verwandte Begriffe

- [Kadersportler](https://schwimmlexikon.de/kadersportler/)
- [Talentförderung](https://schwimmlexikon.de/talentfoerderung/)
- [Physiologie](https://schwimmlexikon.de/physiologie/)
- [Protein](https://schwimmlexikon.de/protein/)
- [Trainer](https://schwimmlexikon.de/trainer/)
- [Skelettmuskulatur](https://schwimmlexikon.de/skelettmuskulatur/)
- [Muskelfaser](https://schwimmlexikon.de/muskelfaser/)
- [Aktionspotential](https://schwimmlexikon.de/aktionspotential/)
- [Aktivierungsfähigkeit, willkürliche](https://schwimmlexikon.de/aktivierungsfaehigkeit-willkuerliche/)
- [Frequenzierung](https://schwimmlexikon.de/frequenzierung/)
- [Hennemansches Prinzip](https://schwimmlexikon.de/hennemansches-prinzip/)
- [Koordination, intramuskuläre](https://schwimmlexikon.de/koordination-intramuskulaere/)

## Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2022). Rekrutierung. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/rekrutierung/ (abgerufen am 23. Oktober 2026).
