# Sauerstoffdefizit

- Quelle: [Schwimmlexikon](https://schwimmlexikon.de/)
- Adresse: https://schwimmlexikon.de/sauerstoffdefizit/
- Englisch: Oxygen deficit
- Schlagwörter: Biochemie, Physiologie
- Autor: Klaus Rudolph
- Überarbeitet am: 2023-04-11
- Sprache: de

Sauerstoffdefizit (Oxygen deficit), Differenz zwischen dem Sauerstoffbedarf der [Muskulatur](https://schwimmlexikon.de/muskulatur-leistungsbestimmende/) und dem arteriellen Sauerstoffangebot, die zumeist durch den langsameren Anstieg der [Sauerstoffaufnahme](https://schwimmlexikon.de/sauerstoffaufnahme-vo2/) zu Arbeitsbeginn auftritt und nach Arbeitsende nachgeatmet wird (→[Sauerstoffschuld](https://schwimmlexikon.de/sauerstoffschuld/)) . Energetisch gesehen reicht die [aerobe Verbrennung](https://schwimmlexikon.de/oxidation-aerobe/) nicht aus, um den Bedarf an [Adenosintriphosphat](https://schwimmlexikon.de/adenosintriphosphat-atp/)(ATP) bereitzustellen und es wird auf „[anaerob](https://schwimmlexikon.de/oxidation-anaerobe/) umgeschaltet“.

Verschiedentlich wird noch zwischen Sauerstoffdefizit und Sauerstoffschuld unterschieden. Der Begriff Sauerstoffschuld als Defizit am Ende der [Belastung](https://schwimmlexikon.de/belastung/) wird aber nicht mehr verwendet, da die nachgeatmete Sauerstoffmenge meist größer als das Sauerstoffdefizit ist. Sauerstoffschuld ist nur noch zu verwenden, wenn es sich um die Rephosphorylierung von [Kreatin](https://schwimmlexikon.de/kreatin/) zu [Kreatinphosphat](https://schwimmlexikon.de/kreatinphosphat/) und damit zur Wiederauffüllung der energiereichen [Phosphate](http://Verschiedentlich wird noch zwischen Sauerstoffdefizit und) handelt.

Die Bestimmung des Sauerstoffdefizits ist für die [Leistungsstruktur](https://schwimmlexikon.de/leistungsstruktur/) der Ausdauersportarten und folglich für die [Trainingsmethodik](https://schwimmlexikon.de/trainingsmethode/) von Interesse. Deshalb versuchen [Sportwissenschaftler](https://schwimmlexikon.de/sportwissenschaft/) die Methodik ständig zu qualifizieren, wie folgende Beispiele zeigen:

Aus Sauerstoffdefizit und [Blutlaktatkonzentration](https://schwimmlexikon.de/laktat/) wird bei [Intensivbelastung](https://schwimmlexikon.de/belastungsintensitaet/) die [anaerobe Energie](https://schwimmlexikon.de/energiestoffwechsel-anaerober/) lieferung ermittelt. Dabei ist zu beachten, dass [Schwimmgeschwindigkeit](https://schwimmlexikon.de/schwimmgeschwindigkeit/) (Leistungsniveau) und [Bewegungsfrequenz](https://schwimmlexikon.de/bewegungsfrequenz/) den Wirkungsgrad beeinflussen. Böning et al. (2017) schlagen deshalb für Vergleiche den Netto[wirkungsgrad](https://schwimmlexikon.de/wirkungsgrad/) (ηnetto: [Leistung](https://schwimmlexikon.de/leistung/)/[Gesamtenergieumsatz](https://schwimmlexikon.de/energieumsatz/) minus [Ruheenergieumsatz](https://schwimmlexikon.de/ruheumsatz/)) vor, der wenig von der Leistung abhängt.

Als Alternative zum Sauerstoffdefizit kann der anaerobe Beitrag durch die Summe der geschätzten Beiträge von [Phosphokreatin](https://schwimmlexikon.de/kreatinphosphat/) (PCr) quantifiziert werden (Hill et al. 2019).

Eine weitere Möglichkeit ist die Bestimmung des "spirografische Sauerstoffdefizit", definiert als Anstieg der Sauerstoffaufnahme > 100 ml/min während einer gleichmäßigen Belastung bei einer Erhöhung des eingeatmeten fraktionierten Luftgehalts (FinO2) von 0,21-1,00. Diese Methode erwies sich als ein nicht-invasives Instrument zur Bewertung der submaximalen Ausdauerleistung, insbesondere wenn der periphere Beitrag zur Leistung bewertet werden soll (Sperlich et al. 2013).

Reis et al. (2010) prüften die Methode des akkumulierten Sauerstoffdefizits (AOD) beim [Kraul](https://schwimmlexikon.de/6668-2/)- und Brustschwimmen mit dem Ziel, die Robustheit der [Regressionslinie](https://schwimmlexikon.de/regressionsgerade/) zwischen Sauerstoffaufnahme und Schwimmgeschwindigkeit zu bewerten und die Genauigkeit des AOD zu quantifizieren. Die  Variabilität der Daten und die Ungenauigkeit der AOD waren aber beträchtlich.

## Quellen

- Böning, Maassen & Steinach (2017). Der Wirkungsgrad von Muskelarbeit. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin (68)9, 203-214
- Hill, Riojas, McFarlin & Vingren (2019). An alternative to oxygen deficit as a way to quantify anaerobic contributions in running. Journal of Human Sport & Exercise (15)4, 837-848
- Reis, Marinho, Policarpo, Carneiro, Baldari & Silva (2010). Examining the accumulated oxygen deficit method in front crawl swimming. International Journal of Sports Medicine (31)6, 421-427
- Sperlich, Schiffer, Hoffmann, Strueder & Hollmann (2013). The spirografic oxygen deficit: Its role in cardiopulmonary exercise testing. International Journal of Sports Medicine (34)12, 1074-1078

## Verwandte Begriffe

- [Muskulatur, leistungsbestimmende](https://schwimmlexikon.de/muskulatur-leistungsbestimmende/)
- [Sauerstoffaufnahme (VO2)](https://schwimmlexikon.de/sauerstoffaufnahme-vo2/)
- [Sauerstoffschuld](https://schwimmlexikon.de/sauerstoffschuld/)
- [Oxidation, aerobe](https://schwimmlexikon.de/oxidation-aerobe/)
- [Adenosintriphosphat (ATP)](https://schwimmlexikon.de/adenosintriphosphat-atp/)
- [Oxidation, anaerobe](https://schwimmlexikon.de/oxidation-anaerobe/)
- [Belastung](https://schwimmlexikon.de/belastung/)
- [Kreatin](https://schwimmlexikon.de/kreatin/)
- [Alveole](https://schwimmlexikon.de/alveole/)
- [Sauerstoff](https://schwimmlexikon.de/sauerstoff/)
- [Sauerstoffausnutzung](https://schwimmlexikon.de/sauerstoffausnutzung/)

## Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2023). Sauerstoffdefizit. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/sauerstoffdefizit/ (abgerufen am 5. November 2026).
