# Schwelle

- Quelle: [Schwimmlexikon](https://schwimmlexikon.de/)
- Adresse: https://schwimmlexikon.de/schwelle/
- Englisch: threshold
- Schlagwörter: Ausdauer, Leistungsdiagnostik, Sportmedizin
- Autor: Klaus Rudolph
- Überarbeitet am: 2023-07-06
- Sprache: de

Schwelle (threshold), v. althochdt.: suelli, suuella = tragender Balken; Balken, Erhebung, Grenzbereich, Beginn usw.

In der [Leistungsdiagnostik](https://schwimmlexikon.de/leistungsdiagnostik/) sind die Übergänge vom [aeroben](https://schwimmlexikon.de/kapazitaet-anaerobe/) zum [anaeroben](https://schwimmlexikon.de/kapazitaet-anaerobe/) Bereich von großem Interesse für die [Steuerung](https://schwimmlexikon.de/trainingssteuerung/) des [Ausdauertrainings](https://schwimmlexikon.de/ausdauertraining/). Diese Übergänge werden als Schwelle bezeichnet. Man wird aber den physiologischen Vorgängen gerechter, wenn man eher ein Zeitfenster annimmt als eine Schwelle, die immer einen abrupten Übergang suggeriert, zumal die [Muskulatur](https://schwimmlexikon.de/muskulatur-leistungsbestimmende/) selbst bei hoher Beanspruchung nie rein anaerob arbeitet (vgl. Wahl et al. 2009, S.105). Die Schwellen können im Rahmen von [Stufentests](https://schwimmlexikon.de/stufentest/) durch Erfassen von [Atemwerten](https://schwimmlexikon.de/atemgasanalyse/)(→[ventilatorische](https://schwimmlexikon.de/schwelle-ventilatorische/) und [respiratorische Schwelle](https://schwimmlexikon.de/schwelle-respiratorische/)) oder [metabolisch](https://schwimmlexikon.de/metabolismus/), im Schwimmen zumeist in [Feldtests](https://schwimmlexikon.de/feldtest/), ermittelt werden. Ergebnisse einer Studie mit "hoch trainierten" Schwimmern deuten darauf hin, dass die [Herzfrequenz](https://schwimmlexikon.de/herzschlagfrequenz/)-Kinetik, nicht aber die [VO2](https://schwimmlexikon.de/sauerstoffaufnahme-maximale-vo2max/)-Kinetik-Variablen mit der [Ausdauerleistungsfähigkeit](https://schwimmlexikon.de/ausdauer/) bei der Schwimmintensität der Laktatschwelle zusammenhängen (Sengoku et al. 2018). Keller et al. (2022) verglichen verschiedene Schwellenwertkonzepte. Obwohl alle eine gute Übereinstimmung mit der [MLSS](https://schwimmlexikon.de/laktat-steady-state-maximales-maxlass/)-Geschwindigkeit zeigten, ermöglichen Testprotokolle mit fester Schrittdauer und feinen Abstufungen eine höhere Genauigkeit. Zudem scheinen inkrementelle Stufentests aufgrund des geringeren erforderlichen Vorwissens und der Ableitung individueller [Trainingszonen](https://schwimmlexikon.de/belastungszone/) praktikabler zu sein (Keller et al. 2022).

Dem Modell der Laktatschwelle liegt zugrunde, dass bei [Ausdauerbelastungen](https://schwimmlexikon.de/ausdauertraining/) nur bis zu einem Punkt (Schwelle) [Laktatbildung](https://schwimmlexikon.de/laktatbildung/) und [Laktatbeseitigung](https://schwimmlexikon.de/laktateliminierung/)(Elimination) im Gleichgewicht (→ [maximales Laktat-steady state](https://schwimmlexikon.de/laktat-steady-state-maximales-maxlass/)) bleiben. Mit zunehmender Belastung wird Laktat angehäuft ([Laktatakkumulation](https://schwimmlexikon.de/laktatakkumulation/)). In zahlreichen Untersuchungen haben Sportmediziner den Übergang von rein [aerober](https://schwimmlexikon.de/energiestoffwechsel-aerober/) zu [aerob-anaerober Energiestoffwechselleistung](https://schwimmlexikon.de/uebergangsbereich-aerob-anaerober/) bei einem mittleren [Laktatwert](https://schwimmlexikon.de/laktat/) um 4 mmol/l ermittelt und diesen als fixe aerob-anaerobe Schwelle (ANS) definiert. Als Grenze der rein aeroben [Energiegewinnung](https://schwimmlexikon.de/energiestoffwechsel/) wurde die [aerobe Schwelle](https://schwimmlexikon.de/schwelle-aerobe-as/)(AS) bei 2 mmol/l Laktat gewählt. Darüber hinaus wurde mit zahlreichen Laktatschwellenkonzepten versucht, die[individuelle anaerobe Schwelle](https://schwimmlexikon.de/individuelle-schwelle/)(IAS) zu bestimmen. Ihr Vorteil gegenüber der fixen Laktatschwelle ist allerdings durch keine wissenschaftliche Untersuchung belegt (Heck, 2004, S. 270). „Die scheinbaren Gegensätze bei der Bestimmung der individuellen anaeroben Schwellen sind akademischer Natur und beeinflussen das Training in den einzelnen Belastungsbereichen praktisch nicht“ (Hottenrott & Neumann, 2008, S.140). Deshalb wird empfohlen, die [Leistungsentwicklung](https://schwimmlexikon.de/leistungsentwicklung-sportliche/) an Hand definierter Laktatwerte einzuschätzen und diese den [Trainingsbereichen](https://schwimmlexikon.de/trainingsbereich/)([Belastungszonen](https://schwimmlexikon.de/belastungszone/)) zugrunde zu legen. Aus unseren Erfahrungen mit über 3000 Stufentests bei [Kadersportlern](https://schwimmlexikon.de/kadersportler/) würde sich im Schwimmen eine grobe Orientierung nach Streckengruppen anbieten (s. Tabelle). Da Kinder selbst in Nähe ihrer [Erschöpfung](https://schwimmlexikon.de/erschoepfung/) geringere Laktatwerte erreichen, wird eine geringere aerob-anaerobe Schwelle bei 2,5 mmol/l vorgeschlagen (Baxter et al. 2003). Die Nutzung der Schwelle zur [Trainingssteuerung](https://schwimmlexikon.de/trainingssteuerung/) krankt an der Festmachung eines komplexen Geschehens an einem [Parameter](https://schwimmlexikon.de/parameter/)(Laktat) und kann letztlich auch nicht durch stetig neue mathematische Ansätze befriedigend gelöst werden. Wir wissen und haben davon auszugehen, dass die individuellen Schwellenwerte zwischen 2-6 mmol/l streuen. Sie sind abhängig von der [Muskelfaserstruktur](https://schwimmlexikon.de/muskelfasertypen/), dem [Trainingszustand](https://schwimmlexikon.de/trainingszustand/) und weiteren Einflussfaktoren aus dem [Umfeld](https://schwimmlexikon.de/umfeld/) des Sportlers (z.B. [Ernährung](https://schwimmlexikon.de/ernaehrung/)) bis zur Messtechnik. Deshalb spielt die Erfahrung von [Sportmediziner](https://schwimmlexikon.de/sportmediziner/) und [Trainer](https://schwimmlexikon.de/trainer/) eine unverzichtbare Rolle bei der Trainingssteuerung mit Stufentests, die sich entgegen anderer Meinungen (z.B. Mertin in SPIEGELonline vom 18.06.2013) in der Trainingspraxis bewährt haben.

![]() Laktatbereiche nach Streckengruppen im Schwimmen (RTP des DSV, Angaben in mmol)

![]() Abb.: Schematische Darstellung des aerob-anaeroben Übergangs (grauer Bereich). Laktat-Leistungskurve (oben) und Ventilation (unten) beiansteigender Belastungsintensität. AeS: aerobe Schwelle; IAS: individuelle anaerobe Schwelle; VT1: ventilatorische Schwelle 1; VT2: ventilatorische Schwelle 2 (respiratorischer Kompensationspunkt) (nach Kindermann, 2004, S.161)

Der Begriff "Schwelle" wird im Rahmen der Leistungsdiagnostik nicht nur in Verbindung mit dem Parameter Laktat verwendet, sondern auch mit anderen Kriterien, die sich in ihrer Begründung am Anstieg des Laktats orientieren. Dies sind vor allem spirografisch bezogene Schwellenkonzepte und das herzfrequenzbasierte Schwellenkonzept nach Conconi et al. In jüngerer Zeit wurden Wearable Devices entwickelt, die auf der Basis der Messung der Sauerstoffsättigung von Hämoglobin und Myoglobin indirekt und unblutig Laktatschwellen bestimmen sollen. Es wird aufgezeigt, dass zwischen Laktatschwellen und den ventilatorischen Schwellen, der Conconi-Schwelle und den über die Wearable Devices ermittelten Schwellen teilweise hohe Korrelationen gefunden wurden, eine direkte kausale Beziehung aber infrage gestellt werden muss (Heck & Bartmus 2022).

## Quellen

- Heck, H. (2004). Zum Beitrag von Kindermann (Leserbrief). Dt. Z. f. Sportmedizin, 10/2004, 269-270
- Hottenrott, K. (2008). Unterschiede der Geschlechter in punkto Puls. Sports-care 02/1-7
- Kindermann, W. (2004). Anaerobe Schwelle. Dt. Z. Sportmedizin 6 (55), S.161
- Sengoku, Sano, Narita & Tsubakimoto (2018). Analysis of oxygen uptake kinetics and heart rate kinetics in competitive swimmers - On- and Off-kinetics response at lactate threshold intensity. In Japanese Society of Sciences in Swimming and Water Exercise (Hrsg.), XIII th International Symposium on Biomechanics and Medicine in Swimming Proceedings (Biomechanics and Medicine in Swimming, XIII). (S. 320-324). Tokio: Impress R&D.
- Wahl, Sperlich, Hägele, Bloch & Mester (2009). Thesen zum High Intensity Training (HIT), in Engelmeyer & Mester (Hrsg.), Position Statements, Das Deutsche Forschungszentrum für Leistungssport, S. 5-7

## Verwandte Begriffe

- [Leistungsdiagnostik](https://schwimmlexikon.de/leistungsdiagnostik/)
- [Kapazität, anaerobe](https://schwimmlexikon.de/kapazitaet-anaerobe/)
- [Trainingssteuerung](https://schwimmlexikon.de/trainingssteuerung/)
- [Ausdauertraining](https://schwimmlexikon.de/ausdauertraining/)
- [Muskulatur, leistungsbestimmende](https://schwimmlexikon.de/muskulatur-leistungsbestimmende/)
- [Stufentest](https://schwimmlexikon.de/stufentest/)
- [Atemgasanalyse](https://schwimmlexikon.de/atemgasanalyse/)
- [Schwelle, ventilatorische](https://schwimmlexikon.de/schwelle-ventilatorische/)
- [Ausdauer](https://schwimmlexikon.de/ausdauer/)
- [Belastungsintensität](https://schwimmlexikon.de/belastungsintensitaet/)
- [Gütekriterien](https://schwimmlexikon.de/guetekriterien/)
- [individuelle Schwelle](https://schwimmlexikon.de/individuelle-schwelle/)

## Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2023). Schwelle. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/schwelle/ (abgerufen am 24. Oktober 2026).
