# Sensomotorik

- Quelle: [Schwimmlexikon](https://schwimmlexikon.de/)
- Adresse: https://schwimmlexikon.de/sensomotorik/
- Englisch: sensorimotor functions
- Schlagwörter: Motorik, Physiologie, Schwimmen, Talent
- Autor: Klaus Rudolph
- Überarbeitet am: 2023-11-01
- Sprache: de

Sensomotorik (sensorimotor functions), lat. sensus „Empfindung, Gefühl“ und motus „Bewegung“; Zusammenspiel von [Nervensystem](https://schwimmlexikon.de/nervensystem/) und [Muskulatur](https://schwimmlexikon.de/muskel/). Über [sensorische Systeme](https://schwimmlexikon.de/system-sensorisches/) (sehen, hören, fühlen, riechen) werden Informationen aufgenommen und parallel dazu in Bewegung ([Motorik](https://schwimmlexikon.de/motorik/)) umgesetzt (Beispiel: rote Ampel sehen und bremsen). Die wichtigsten sensomotorischen Systeme sind das visuelle Sehen, das [Vestibularsystem](https://schwimmlexikon.de/ventibularapparat/) und das [Muskellängensystem](https://schwimmlexikon.de/muskelspindel/).

Die Geschwindigkeit der sensomotorischen Reaktionen nimmt unter dem Einfluss eines langjährigen Trainings sowohl bei [Flossenschwimmern](https://schwimmlexikon.de/flossenschwimmen/) als auch beim klassischen Schwimmen zu (Dyakova & Mironov, 2022). Spitzenschwimmer zeigten im einer Wasserumgebung eine höhere [kortikale](https://schwimmlexikon.de/cortex/) Inhibition (Hemmung) und überlegene sensomotorische Fertigkeiten (Sato et al. 2020).

Exkurs: Kinder sammeln in der Auseinandersetzung mit der Umwelt über die verschiedenen Sinne sensorische Erfahrungen. Daraus entwickeln sich komplexe motorische Muster, die letztendlich auch zum aufrechten Gang (Vertikalisierung) des Kindes innerhalb des ersten Lebensjahres führen. Anhand dieser Informationen, die das Kind sammelt, ist es im Nachfolgenden in der Lage, motorische Bewegungsmuster zu erlernen, zu kombinieren und immer wieder auszuprobieren, um die Lage im Raum in Verbindung mit dem [Koordinations](https://schwimmlexikon.de/koordinationsfaehigkeit/)- und [Gleichgewichtssinn](https://schwimmlexikon.de/gleichgewichtsfaehigkeit/) zu jedem Zeitpunkt stabilisieren zu können und um sich gezielt fortbewegen, greifen usw. zu können. Ist die sensorische Verarbeitung und Wahrnehmung des Kindes eingeschränkt, so spricht man von einer sensomotorischen Entwicklungsverzögerung. (nach: [http://kinderorthopaedie.berlin/entwicklungsverzoegerungen/](http://kinderorthopaedie.berlin/entwicklungsverzoegerungen/))

Unter sensomotorischem Training werden Übungen zur Verbesserung von Bewegungsabläufen empfohlen, hauptsächlich aus dem Fundus des [Koordinationstrainings](https://schwimmlexikon.de/koordinationstraining/). Dabei ist der Organismus auf ständige Rückmeldungen der verschiedensten [Analysatoren](https://schwimmlexikon.de/analysator/) angewiesen: [Vestibulär-Organ](https://schwimmlexikon.de/ventibularapparat/) im Innenohr und [Propriozeptoren](https://schwimmlexikon.de/propriorezeptoren/) zur Steuerung der [Gleichgewichtsfähigkeit](https://schwimmlexikon.de/gleichgewichtsfaehigkeit/), Messfühler ([Muskelspindeln](https://schwimmlexikon.de/muskelspindel/)) zur Orientierung im Raum ([Raumorientierung](https://schwimmlexikon.de/raumorientierung/)) usw. Bezüglich der [Rehabilitation](https://schwimmlexikon.de/rehabilitation/) unterschiedlicher Krankheitsbilder und der Leistungsverbesserung konnte aber in zahlreichen Studien kein expliziter Vorteil eines sensomotorischen Trainings im Vergleich zu anderen Übungsinhalten (z.B. Krafttraining) nachgewiesen werden (Pfeifer et al. 2009). Unter Sensomotorik ist auch das [Wassergefühl](https://schwimmlexikon.de/wassergefuehl/) des Schwimmers einzuordnen.

## Quellen

- Dyakova & Mironov (2022). Features of adaptation of sensory systems of athletes in swimming with fin. Theory and Practice of Physical Culture (10), 31-33
- Pfeifer, Banzer, Hänsel, Hübscher, Vogt & Zech (2009). Expertise Sensomotorisches Training / Propriozeptives Training. BISp-Jahrbuch – Forschungsförderung 2008/09, 25-32
- Sato, Yamazaki, Yamashiro, Onishi. Baba. Ikarashi & Maruyama (2020). Elite competitive swimmers exhibit higher motor cortical inhibition and superior sensorimotor skills in a water environment. Behavioural Brain Research, 395 (Oktober), 112835. Zugriff am 06.08.2020 unter https://doi.org/10.1016/j.bbr.2020.112835. https://doi.org/10.1016/j.bbr.2020.112835

## Verwandte Begriffe

- [Nervensystem](https://schwimmlexikon.de/nervensystem/)
- [Muskel](https://schwimmlexikon.de/muskel/)
- [System, sensorisches](https://schwimmlexikon.de/system-sensorisches/)
- [Motorik](https://schwimmlexikon.de/motorik/)
- [Vestibularapparat](https://schwimmlexikon.de/ventibularapparat/)
- [Muskelspindel](https://schwimmlexikon.de/muskelspindel/)
- [Flossenschwimmen](https://schwimmlexikon.de/flossenschwimmen/)
- [Cortex](https://schwimmlexikon.de/cortex/)
- [Ansteuerung, neuromuskuläre](https://schwimmlexikon.de/ansteuerung-euromuskulaere/)
- [Audiomotorik](https://schwimmlexikon.de/audiomotorik/)
- [Exterozeption](https://schwimmlexikon.de/exterozeption/)
- [Gehirn](https://schwimmlexikon.de/gehirn/)

## Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2023). Sensomotorik. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/sensomotorik/ (abgerufen am 20. Oktober 2026).
