Begriff: Sportmediziner

Sportmediziner

Sportmediziner (sport physician), in der Bundesrepublik Deutschland ergänzende Qualifikation, die prinzipiell von Ärzten aller Fachgebiete erlangt werden kann. Ärzte für Allgemeinmedizin, Chirurgen, Orthopäden und Internisten mit entsprechenden Interessen und Qualifikationen führen meist diese Zusatzbezeichnung. Das Fachgebiet, welches in seinen Inhalten dem Querschnittsfach Sportmedizin am nächsten kommt, ist das der Physikalischen- und Rehabilitativen Medizin.

Vor der Vereinigung der zwei deutschen Staaten gab es in der DDR das Fachgebiet Sportmedizin, das aber als Gebietsweiterbildung nicht fortgeführt wurde (www.wikipedia.de). Die etwa 200 „hauptberuflichen“ Sportmediziner in Deutschland arbeiten in der Regel an Universitäten. In Deutschland sind rund 6.500 Ärzte Mitglied der DGSP e.V., einer der größten wissenschaftlich-medizinischen Fachgesellschaften Deutschlands und europaweit größten und weltweit ältesten sportärztliche Vereinigung.

Exkurs: „Diskutiert wird die Rolle des Sportmediziners als medizinischer Betreuer von Leistungs- und Hochleistungssportlern einerseits und seiner moralischen Verpflichtung und verantwortbaren Handeln als Arzt andererseits. Zwar umfasst die sportmedizinische Betreuung auch die Bereiche Freizeitsport, Breitensport und Rehabilitation, doch an den Sportmediziner als wichtiger Mosaikstein auf dem Weg zum Leistungsoptimum des Athleten werden besondere Anforderungen gestellt und setzen ihn mehr und mehr dem Kreuzfeuer der Kritik aus. Die Gesund- und Fiterhaltung von Topathleten setzt den betreuenden Sportarzt unter Erfolgs- und Leistungsdruck. Polypragmasie* und prophylaktische medikamentöse Behandlung müssen eine überschaubare Therapie bleiben. Der klassischen Differenzierung in internistische, leistungsphysiologische und orthopädische Sportmedizin sollten weitere Spezialisierungen folgen wie Sportkardiologie, Sporttraumatologie usw. Spezialisierung und moralische Verpflichtung könnten mit dazu beitragen, dass Sportmediziner in dem unheilvollen Dreieck Kommerzialisierung – Wettkampfterminierung – Doping mehr darstellen als Leistungsphysiologen, Trainingssteuerer oder Reparateure“. (Kindermann, 1988)

* Polypragmasie = ein therapeutisches oder diagnostisches Vorgehen, das durch eine große Zahl verschiedener, unkoordinierter und oft sinnloser ärztlicher Maßnahmen gekennzeichnet ist.

Mehr zum Thema: Raschka & Wild-Bode (Hrsg./2026). Grundlagen der Sportmedizin: Physiologie, Biochemie und Anatomie für Medizin- und Sportstudium. Springer

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  • Erstellt am: 21. Januar 2026
  • Überarbeitet am: 21. Januar 2026
  • Autor: Klaus Rudolph

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