Höhenschlaf (LHTL)

27. Mai 2017 H 0

Höhenschlaf (LHTL) („live high, train low“), Begriff aus der Diskussion um die optimale Höhenanpassung, hier die Kombination von Höhenaufenthalt (auch simuliert) und Training unter N.N., um den komplizierten Anpassungsprozessen im Training zu entgehen und gegebenenfalls Gelder (Reisekosten usw.) zu sparen. Die ersten positiven Ansätze gehen auf Studien von Levine & Stray-Gunderson, (1997) und Bae, Hag & Hamoaka (2000) zurück. Doch insgesamt bleibt die wissenschaftliche Evidenz (Erkenntnis) für eine verbesserte anaerobe Leistungsfähigkeit nach LHTL noch unklar (Friedmann, 2000; Wehrlin, 2005). Zwar zeigen viele Studien eine verbesserte Leistung nach LHTL, aber leider fehlt es oft an Kontrollgruppen, was die Möglichkeit der Trainingslagereffekte offenlässt. Wenn Kontrollgruppen, Verblindungsprozeduren und strenge wissenschaftliche Bewertungskriterien angewendet werden, hat LHTL keinen nachweisbaren Effekt auf die Leistung. Es wurde die Hypothese aufgestellt, dass die wissenschaftlichen Beweise, die das „Live High-Train Low“ unterstützen, die sportspezifische Trainingsleistung schwächen (Bejder & Nordsborg, 2018). Ungeachtet dessen sieht Wehrlin (2005) in der LHTL- Variante folgende Vorteile:

  • eine genügende „Höhendosis“ des LHTL (empfohlen ist ein Aufenthalt von 3-4 Wochen mit mindestens 400 Std. auf einer Höhe von ca. 2300-2500m);
  • ein angepasstes Training (Qualität und Quantität)
  • Optimales „Timing“ des Wettkampfes und des Trainings nach dem Höhenaufenthalt;
  • Vermeidung medizinischer Probleme (Atemwegserkrankungen, Infektionen etc.).

Dem steht die Auffassung der ostdeutschen Experten (Reiß, Neumann) gegenüber, dass passive Höhentrainingsaufenthalte nur minimalen leistungsstimulierenden Einfluss auf den hochtrainierten Organismus haben (Reiß, 2001). Inzwischen kann man auch „Höhenschlaf“ erfahren ohne in die Höhe zu müssen. So bietet das Hermann Buhl Trainings- und Forschungszentrum in Bad Aibling einen 150 m2– Hypoxiebereich mit Höhenschlaflabor an, in dem Höhen bis 6000 Meter simuliert werden können (http://www.hypoxie.com/index.php/trainings-und-forschungszentrum.html, Zugriff am 01.067.2016) →Höhentraining, →Anpassung

 

Exkurs: Rodríguez & Àvila (2018) kritisierten nach einer Analyse von 20 Studien (1927-2014) zum Höhentraining, dass die Qualität der empirischen Erkenntnisse über die Nutzung des natürlichen Höhentrainings für Athleten wenig überzeugend sind. Die verfügbaren Beweise stützen jedoch die Auffassung, dass die Hi-Lo- Variante („oben leben und unten trainieren“) das beste Potenzial für die Entwicklung von Leistungsvorteilen hat.

Mehr zum Thema: Wehrlin, J.P. (2005). «Live high – train low»: Ein erfolgreiches Höhentrainingsparadigma zur Leistungssteigerung bei Eliteausdauerathleten? Schweizerische Zeitschrift für «Sportmedizin und Sporttraumatologie» 53 (2), 68–75 (http://www.sgsm.ch/fileadmin/user_upload/Zeitschrift/53-2005-2/5-2005-2.pdf, Zugriff am 30.06.16)


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