Orientierungsfähigkeit

24. Februar 2021 O 0

Orientierungsfähigkeit (orientational ability), Komponente der koordinativen Fähigkeiten zur „Bestimmung und zieladäquaten Veränderung der Lage und Bewegung des Körpers in Raum und Zeit bezogen auf ein Aktionsfeld (z.B. Schwimmbahn, Wende) oder ein sich bewegendes Objekt (z.B. Gegner)“ (Meinel & Schnabel 2004). →Propriorezeptoren

Da sich der Schwimmer in einem ungewohnten Medium befindet spielt die Orientierungsfähigkeit im Bereich von Start/Wende, beim Anschlag oder bei taktischen Varianten gegenüber den Gegnern eine große Rolle (→Taktik). Das betrifft besonders das Freiwasserschwimmen, da hier die Orientierung durch Schwimmleinen fehlt. Bezogen auf die Zeit ist zur Orientierungsfähigkeit das Zeitgefühl zu zählen, das maßgeblich die Renngestaltung bestimmt.

Orientierungsfähigkeit wie auch Zeitgefühl werden maßgeblich durch Bewegungserfahrung beeinflusst:

  • Nach einer Studie im Turnen kann eine erhöhte räumliche Orientierungsfähigkeit aus einer erhöhten Sensitivität in einzelnen sensorischen Systemen resultieren und/oder aus einer optimierten Verarbeitung von interagierenden sensorischen Informationen, die stark mit der Erfahrung der Turner korrelierten (Heinen et al. 2018).
  • Grushlo et al. (2015) verwendeten die Eye-Tracking-Technologie, um so „durch die Augen eines Sportlers“ die aktuelle Trainings- oder Wettbewerbsaufgabe für die nachfolgende Analyse und Korrektur seiner Handlungen zu sehen. Auch hier nutzten professionelle Eiskunstläufer ihr Blickverhalten (okulomotorischer Nystagmus-Mechanismus) aktiver, um die vestibulären Störungen zu kompensieren.
  • Moreau et al. (2011) fanden einen signifikanten Zusammenhang zwischen sportlicher Leistung, Aktivität, sportartspezifischem Training und mentalen Rotationsaufgaben.

Exkurs: Schwimmer mit starker Sehbehinderung und Blindheit sind in ihrer Orientierungsfähigkeit besonders eingeschränkt. Die Entwicklung eines zeitgemäßen Feedbacksystems für sie ist daher eine dringend notwendige Aufgabe. Sportwissenschaftler des IAT entwickelten deshalb ein „Induktiv Persönliches Abstandswarnsystem“, das die raumzeitliche Orientierung für diese Gruppe von betroffenen Menschen im Training und Wettkampf des Sportschwimmens erweitert (Wippich et al. 2016).

Mehr zum Thema: Reischle & Kandolf (2015). Wege zum Topschwimmer, Bd.1, Hofmann-Schorndorf


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