Bewegungserfahrung

22. März 2017 B 0

Bewegungserfahrung (motor experience), im Bewegungsgedächtnis gespeicherte Informationen über bisher ausgeführte eigene Bewegungshandlungen im Alltag, in Spiel, Tätigkeiten in Schule und Beruf sowie im Sport. Wichtig ist hierbei das bewusste Erleben vielfältiger Bewegungen, das wegen Bewegungsmangels bei der heutigen Jugend zunehmend verkümmert. Jede Bewegung wird auf der Grundlage alter Koordinationsverbindungen ausgeführt, je mehr „Fertigteile“ zur Verfügung stehen, umso mehr wird die Bewegung automatisiert. Nervenzellen (Spiegelneuronen) zeigen beim Beobachten eines Vorganges gleiche Aktivitätsmuster, wie bei dessen eigener Ausführung. Dabei wird das Wahrnehmen fremder Handlungen durch die Bewegungserfahrung des Beobachters moduliert (Steggemann & Weigelt 2011). Wie wir Objekte oder auch Ereignisse in der Umwelt repräsentieren, hängt von den eigenen Handlungserfahrungen ab (Beilock & Hohmann 2010). →Afferenzsynthese

Besonders für Kinder sind Koerper- und Bewegungserfahrungen das zentrale Medium, mit dem sie sich ihre martiale, soziale, emotionale und sinnliche Umwelt aneignen (Zimmer 1999). Schon in jungen Jahren eignen sie sich das „Einmaleins“ der Körperbewegungen an. Deshalb sollte diese empfängliche Phase für das motorische Lernen genutzt werden. Im Vordergrund stehen dabei nicht komplexe Bewegungsabläufe, sondern Grundfertigkeiten wie Laufen, Springen oder Werfen. So empfehlen wir zwar bald mit Schwimmkursen zu beginnen, aber diese über das Schwimmen hinaus zu erweitern (Turnstunden „Mutter und Kind“). Zudem ist Vielseitigkeit eine grundsätzliche Forderung der Nachwuchskonzeption im Schwimmen. →Bewegungsschatz

Exkurs: Wer kennt sie nicht, die Schnellkurse zum Schwimmen lernen. Das Kind schwimmt mal gerade so eine Bahn mit langem Hals und ängstlichem Blick zur Decke der Schwimmhalle, die Mama steht schon mit gepackten Koffern…ab in den Urlaub. Mag sich das Kind über Wasser halten, kennengelernt hat es diesen „Bewegungsraum“ nur unzureichend. Diese Grundlagen fehlen aber später, wenn es die Schwimmarten erlernen will. Wassergefühl entwickelt sich nur, wenn man auch die Gelegenheit hat, sich im Wasser zu fühlen.


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