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Begriff

Afferenzsynthese

Afferenzsynthese (afferencsynthese), im „funktionellen System“ von Anochin (1967) neben Aktionsakzeptor, Aktionsprogrammbildung und Rückmeldungsverarbeitung die Ebene bzw. das Glied, das den Handlungsentwurf in Abhängigkeit vom Handlungsspielraum und dem Funktionswert alternativer Ziele oder Wege bewerten hilft. Die Afferenzsynthese bringt alle Reize, die in einem bestimmten Zeitraum in das Nervensystem gelangt sind und physiologische und psychologische Reaktionen ausgelöst haben, zueinander in Beziehung und in Einklang mit den Erfahrungen der Person. So benötigen wir nicht immer alle Reizinformationen, um etwas zu erkennen. Es genügt zum Beispiel der Ausschnitt eines Gesichts, um eine Person wiederzuerkennen. (http://www.spektrum.de/lexikon/psychologie/afferenzsynthese/308). →Reafferenz, →Bewegungssteuerung und –regelung

Beispiel: Für die erfolgreiche Gestaltung eines Wettkampfes benötigt der Schwimmer eine Vielzahl an Informationen, die über die Sinnesorgane aufgenommen und an das zentrale Nervensystem (ZNS) weitergeleitet werden. Das betrifft sowohl Informationen (Informationsafferenzen) zur Ausgangssituation (Startbedingungen) als auch während des Schwimmens (Wende, Gegnerverhalten) bis zum Verhalten nach dem Anschlag. Die verschiedenen afferenten Informationen geben dem  Schwimmer eine Übersicht über den augenblicklichen Zustand der Umwelt (Wasser, Schwimmbecken, Zuschauer), seines Körpers (z.B. Atemnot, locker oder verkrampft) oder der eigenen Bewegung (z.B. Wasserlage, „Wassergefühl„). (s. Abb.) Je erfahrener der Schwimmer ist, umso mehr bindet er unbewusst gespeicherte Verhaltensmuster zu ähnlichen Verhaltensweisen in die Bewegungshandlung mit ein. Bei Abweichungen von diesem Muster (z.B. Gegner zieht Tempo an, verpatzte Wende usw.) wird über neue zusätzliche Informationen (Reafferenzen) sofort reagiert.

Afferenzsynthese

Abb.: Afferenzsynthese im vereinfachten Modell der Bewegungskoordination (nach Meinel & Schnabel, 2004, S. 42)

 

Mehr zum Thema

Quellen

  • Anochin, P.K. (1967). Das funktionelle System als Grundlage der physiologischen Architektur des Verhaltens. Jena: Fischer Zur Quelle
  • Meinel & Schnabel (2004). Bewegungslehre – Sportmotorik. München: Südwest-Verlag Zur Quelle

Verwandte Begriffe

  • ReafferenzLat. re- = wieder, zurück, affere „hinbringen“ …
  • BewegungssteuerungUnd –regelung (motor control and regulation) …
  • Zentralnervensystem(central nervous system), Zentralorgan des Nervensystems mit Gehirn …
  • StartBeginn einer Aktion, auch Bezeichnung für den Ort, wo gestartet wird.
  • WendeAllgemein Richtungswechsel, ob zu Fuß, mit Fahrzeug oder in der Politik… Im Schwimmen Wechsel …
  • Gegner„jemand, der einem anderem im Kampf gegenübersteht oder etwas ablehnt“ (WIKIPEDIA).
  • AnschlagVielseitig verwendeter Begriff, vom Gewaltakt gegenüber Personen …
  • UmweltLebenswelt, die uns umgibt, oft synonym mit Natur gebraucht.
  • AfferenzLat. affere „Hintragen“; Informationsaufnahme durch die Sinnesorgane …
  • BahnungIn der Neurophysiologie die Übertragungsverstärkung von Aktionspotentialen von einer …
  • BewegungserfahrungIm Bewegungsgedächtnis gespeicherte Informationen über bisher …
  • Closed-loop-KontrolleModell der Bewegungssteuerung auf der Grundlage kontrollierter …
Überarbeitet am 15. März 2017Autor: Klaus Rudolph

Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2017). Afferenzsynthese. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/afferenzsynthese/ (abgerufen am 4. November 2026).