Wassergefühl

15. August 2017 W 0

Wassergefühl (water feeling), komplexe koordinative Fähigkeit als Folge von Veranlagung und Erfahrung im Umgang mit dem Wasser, wobei Vortrieb (→Widerlager finden) und geringe Widerstandsbildung die wesentlichen Kenngrößen sind. Wassergefühl wird über taktiles, visuelles, vestibulares und vor allem kinästhetisches Sinnessystem erschlossen. Es ist der „Modus des Sich-selbst-Erlebens in Veränderungen im Wasser“ (Sell, 2005). Mit den Worten „Ich kann das Wasser anfassen, ich kann es wegdrücken. Das können eben nicht alle” trifft van Almsick das Wesen des Wassergefühls. Sowohl das Antriebsgefühl (Taktile Empfindung z.B. an den Handflächen) als auch das Translationsgefühl (Taktile Empfindung des erzeugten Vorschubs des Körpers) sind die Basis für ein effektives Schwimmen. Diese bedürfen immer wieder verbaler und optischer Instruktionen, wie auch ein vielseitiges Bewegungsangebot (Reischle, 2015, S.76).

Dass die Kraft allein noch nicht den guten Schwimmer ausmacht, kann man sehen, wenn Schwerathleten im Wasser sind. Das ist auch ein Problem der Späteinsteiger bei Masters, die ebenfalls Schwierigkeiten haben, das Widerlager zu finden. Folgen sind „Reißen“ oder Schwimmen am Ort trotz kräftiger Beinbewegung. Eine große Rolle bei der Erlangung des Wassergefühls spielt das Anfängerschwimmen, bei dem nicht das schnelle Durchschwimmen einer Strecke, sondern das Erleben der Faszination Wasser im Mittelpunkt stehen sollte (Bewegungsraum Wasser). So wie der Violinvirtuose täglich seine Fingerübungen macht, so verzichten Topsportler nicht auf die alltäglichen Technikübung und erhalten so ihr Wassergefühl. In meiner Arbeit mit Topschwimmern unterschied ich zwischen „Ackergäulen“ und „Rennpferden“. Sie unterschieden sich besonders im Gefühl für das Medium, in dem sie sich bewegten. Damit ist Wassergefühl auch ein Talentmerkmal. Indikator ist der „Rutsch“, d.h. die Zunahme des Zyklusweges bei gleichzeitiger Reduktion der Zyklusfrequenz (Reischle, 2015, S.84) oder Ökonomie-Empfinden für Antrieb zu Vortrieb (Wilke & Madsen, 2015, S.29). →Sensomotorik, →Differenzierungsfähigkeit, →„Wriggen

 

Exkurs: Ein „Überangebot an Krafttraining“ kann für das Wassergefühl kontraproduktiv sein und verlangt folglich Fingerspitzengefühl bei der Zyklisierung des Trainings. Bei aller Euphorie für Kraftkonzeptionen sollte die Balance der für das Sportschwimmen notwendigen Leistungsvoraussetzungen gewahrt bleiben. Diese Erfahrung musste Marco Koch bei der WM 2017 machen. →Leistungsstruktur

 

Übungen: http://swim.de/training/schwimmtechnik/mit-diesen-uebungen-verbessern-sie-ihr-wassergefuehl-60983/2

 

Video: https://www.youtube.com/playlist?list=PLE83BD0DDC00C082A


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