Talent

05. August 2017 T 0

 

Talent (talent), lat. talentum „Gabe“; Begabung für überdurchschnittliche Leistungen auf einem bestimmten Gebiet.

Der talentierte Sportler zeichnet sich durch eine besonders hohe sportliche Begabung (→Eignung) aus, die ihn zu herausragenden sportlichen Leistungen befähigt. Hohe sportliche Leistungen erfordern sowohl Talent als auch dessen Verwirklichung im Training. Der Talentbegriff wird in der Literatur eng (nur auf die Anlagen begrenzt) oder weit (inklusive Umwelteinflüsse) gefasst. So beschreibt Joch (2001) mit der statischen Komponente seiner Talentdefinition vier Bereiche: Dispositionen, Bereitschaft, soziales Umfeld und sportliche Resultate. Mit der dynamischen Komponente wird dem Umstand Rechnung getragen, dass sich das sportliche Talent nur im Trainingsprozess entfalten kann. Insgesamt umschreibt aber die Sportwissenschaft mit dem Begriff. „ein Phänomen, von dem wir relativ wenig wissen“ (Martin et al. 1999). Deshalb wird es für „weitgehend unmöglich gehalten, einen allgemein anerkannten konzeptionellen Ansatz der Zusammenfassung von Talentsuche, Talentauswahl und Talentförderung darzustellen“ (Carl, 1988). Somit ist die Sportwissenschaft noch nicht in der Lage, die Erwartungen der Trainingspraxis zu befriedigen (Hohmann, 2001). Da die Leistungssportpraxis aber fordert, Talente zu finden (Talentauswahl) und zu fördern (Talentförderung), wurde diese Frage weitgehend pragmatisch (Expertenurteile) beantwortet: „Das wichtigste Auge für ein sportliches Talent ist das Auge des Trainers(Hagedorn, 1995). Das setzt zunächst exakte Kenntnis von der Leistungsstruktur der jeweiligen Sportart voraus. Davon ausgehend ist zu prüfen, inwiefern diese Merkmale genetisch determiniert (Genotyp) und damit für eine Eignungsdiagnostik dienlich sind. Es ist anzunehmen, dass durch die Wissensexplosion im Bereich der Genetik, die endogene Seite des Talents umfassender bestimmt werden kann.

Das Talent im Schwimmen zeichnet sich durch folgende Merkmale aus (Rudolph et al.: Nachwuchskonzeption des DSV, S. 52-56):

 

[1] Da der BROCA-Index für Kinder nicht geeignet ist, wird der BMI bevorzugt und auf alters- sowie geschlechtsspezifische Referenzwerte bezogen (Kromeyer-Hauschild et al. 2001) – s. Anlage 5d

„Für das Maß seiner Begabung ist der Mensch nicht verantwortlich, wohl aber dafür, wie er die ihm verliehenen Gaben nutzt.“ (Unbekannt)

Exkurs: Geht man von der weiten Fassung des Talentbegriffs aus, dann haben wir im Schwimmen zu beachten, dass unsere Talente in der Regel minderjährig und somit den Einflüssen ihrer Eltern unterlegen sind. Wenn der Leistungssport aber zunehmend mit solchen Negativschlagzeilen aufwartet wie den Boykott ganzer Länder wegen Dopings, der Aufdeckung von sexuellen Missbrauch in Vereinen, der Geldgier im Profifußball bis zur Ablehnung der Austragung von Olympischen Spielen durch die Mehrheit der Bevölkerung, dann werden die Eltern ihr Kind dem Leistungssport fernhalten. Die Zahl verhinderter Talente wird zunehmen.

 

Mehr zum Thema: Rudolph et al. (2015). Nachwuchskonzeption Schwimmen 2020, Material des DSV (http://www.dsv.de/fileadmin/dsv/documents/schwimmen/Amtliches/150327_Nachwuchskonzeption_Schwimmen_2020.pdf)

 

 


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