Leistungsauffälligkeit

02. März 2020 L 0

Leistungsauffälligkeit (achievement remarkableness), durch überdurchschnittliche Leistungen unter Gleichaltrigen Aufmerksamkeit erlangen. Leistungsauffälligkeit taugt als Talentkriterium nur unzureichend, da die Leistung im Kindesalter nicht 1 zu 1 (linear) auf das Erwachsenenalter übertragen werden kann.

Analysen der Leistungsentwicklung im Schwimmen (Rudolph, 2009) zeigen, dass viele der besten 12 und 13-Jährigen nicht in den A/B-Kader (→Leistungskader) des Dachverbandes gelangen. Andererseits kann aber auch nicht der Umkehrschluss gezogen werden, indem geringere Leistungen im Kindesalter eine bessere Grundlage für spätere Spitzenleistungen im Schwimmen wären. Die meisten erfolgreichen Schwimmer waren bereits als Kinder leistungsauffällig, allerdings zählten sie nicht unbedingt zu den Besten. Neben der spezifischen Veranlagung  und dem biologischen Alter entscheiden die trainingsmethodische Vorgehensweise (z.B. keine frühzeitige Spezialisierung) und die Fördermöglichkeiten (→Talentförderung) maßgeblich über die Endleistung im Jugend-/Erwachsenenalter. Indem verschiedentlich noch Fördergruppen allein nach Bestenlisten zusammengestellt werden, wird diesen Erkenntnissen nicht Rechnung getragen. →Eignung

 Exkurs: „Leistungsauffälligkeit ist im Juniorenalter eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für eine erfolgreiche Entwicklung sportlicher Spitzenleistungen. Nachwuchsförderung muss darauf gerichtet sein, junge Sportler mit 17, 18, 19 Jahren an ausbaufähige Anschlussleistungen heranzuführen. Sportliches Talent muss stärker als breites und multipotentes Entwicklungspotenzial verstanden werden. Demgegenüber steht, dass gegenwärtig in Deutschland zu wenig Zeit in Voraussetzungstraining investiert wird. Durch zu frühe und einseitige sportartspezifische Ausbildung wird eine talentgerechte Entwicklung eher verhindert. Es wird verbreitet relativ wenig trainiert, dafür aber viel zu spezifisch. Mit Dauer und Häufigkeit der frühzeitig eingesetzten spezifischen Trainingsinhalte verschleißt sich deren Wirkung. Die Folge ist, dass alle charakteristischen Zeitpunkte der Leistungsentwicklung vorverlegt werden, der steile Anstieg der Leistungsentwicklung verkürzt wird und Leistungsstagnation eher einsetzt. Der Übergang vom Nachwuchs- zum Spitzenbereich scheitert, weil Entwicklungspotenzial für Spitzenleistungen nicht ausgebildet wurde.“ (Rost & Pfützner, 2006).

Mehr zum Thema: Rudolph, K. (2011). Leistungsauffälligkeit ≠ Talent. Leistungssport 2/11, 40-46 (https://www.iat.uni-leipzig.de/datenbanken/iks/open_archive/ls/lsp11_02_40_46.pdf, Zugriff am 24.08.2016)


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