Begriff: Sportwissenschaft

Sportwissenschaft

Sportwissenschaft (sports science), Integrations- und Querschnittswissenschaft, die ihre Einheit dem gemeinsamen Gegenstand  „Sport“ verdankt, wobei die einzelnen Disziplinen (→Sportmedizin, →Sportpsychologie, →Sportpädagogik, →Sportsoziologie, →Biomechanik des Sports, →Sportmarketing, →Sportethik, →Trainingswissenschaft usw.) eher zur Verselbstständigung neigen. Der wirkliche Gegenstand der Sportwissenschaft und ihre Methoden, Verfahren sind ebenso wenig geklärt, wie ihr Verhältnis zum Sport (Grupe, 2001). Mit einer angestrebten Umbenennung in  „Bewegungswissenschaft“ dürfte sich daran wenig ändern. Inzwischen treibt die Künstliche Intellegenz Diagnosetools an, verbessert die Personalisierung des Trainings, leitet Rehabilitationsstrategien und liefert Grundlagen für ethische Rahmenbedingungen im Sport (An, R. 2025). „Vertrauen, Wissen und ein kritischer reflektierter Blick auf die jeweilige Technologie, die digitale Anwendung sowie auf die Modelle der KI sind dabei wesentliche Voraussetzung, damit die Chancen der KI für den Sport und in die Trainingswissenschaft erkannt werden und Nutzenpotenziale zur Anwendung gelangen“ (Fröhlich et al. 2024).

Obwohl die Sportwissenschaft noch nicht den Status älterer, traditioneller Wissenschaften erreicht hat, ist sie inzwischen fest an den Universitäten und Hochschulen etabliert. Ihr Gegenstand wäre nach Schnabel (2003) die sportliche Tätigkeit, der Sporttreibende und Körperkultur und Sport als gesellschaftliches Phänomen. Die Sportwissenschaft ist primär angewandte Wissenschaft. Die an sportwissenschaftlichen Einrichtungen in der Bundesrepublik Deutschland in Lehre und Forschung tätigen Wissenschaftler/innen haben sich 1976 zur Deutschen Vereinigung für Sportwissenschaft e.V. (dvs) mit dem Ziel zusammengeschlossen, die Sportwissenschaft zu fördern und weiterzuentwickeln. → www.dvs-sportwissenschaft.de – Zugriff 10.10.22

Das Fach Sportwissenschaft kann in der Bundesrepublik Deutschland an insgesamt 64 sportwissenschaftlichen Hochschuleinrichtungen studiert werden. Im Wintersemester 2009/10 waren 26.677 Studierende für das Fach Sport immatrikuliert (davon 10.062 Frauen; Quelle: Statistisches Bundesamt), wovon allein rund 5.000 Studierende an der Deutschen Sporthochschule Köln studieren. Unterschiedliche Bachelor- (B.A.) und Master- (M.A.) Studiengänge führen sowohl zu staatlichen (Lehramt) als auch akademischen Abschlüssen. Es gibt keinen „Einheitsstudiengang“ Sportwissenschaft, sondern die Studiengänge haben i. d. R. spezielle Profile und betonen nach einer grundlegenden, breiten Ausbildung in den ersten Semestern des Studiums verschiedene Schwerpunkte, die berufsbezogen ausgerichtet sind.

Durch die Spezifik des Hochleistungssports (Es gibt nur einen Gewinner) stützt sich der Ekenntnisgewinn oft auf Fallstudien. Obwohl diese in der Hierarchie der Forschungsbelege traditionell einen niedrigen Rang einnehmen, können hochwertige Beispiele die Kluft zwischen Forschung und Praxis erheblich überbrücken. Durch enge Zusammenarbeit mit der Sportgemeinschaft und strategischen Austausch von Erkenntnissen können Fallstudien evidenzbasierte Trainingsstrategien verbessern und die Auswirkungen der Sportwissenschaft in der Praxis verstärken (Mujika et al. 2025). Dabei könnenn Interventionen mit Sportlern statt an ihnen, z. B. in Trainingslagern, die Leistung erheblich steigern und evidenzbasierte Trainingsstrategien (Wissensumsetzung) unterstützen (Girard & Brocherie 2025). So sind Sensor- und Datenprotokolle zu standardisieren, die Erklärbarkeit der Modelle in den Vordergrund zu stellen und der Einsatz in realen Sportumgebungen sicherzustellen, um die Lücke zwischen algorithmischer Leistungsfähigkeit und praktischem Nutzen zu schließen (Kumar et al. 2025; Stellingwerff et al. 2025). Die sportliche Leistung entsteht immer im Wechselspiel vieler Leistungsfaktoren. Deshalb ist es Aufgabe des Trainers, die einzelnen Untersuchungsergebnisse (biomechanisch, physiologisch, psychologisch usw.) in ihrer Wechselwirkungen und Beziehungen zu bewerten (u.a. McLean et al. 2025). →Steueraktiv, Trainingssteuerung

Die vielleicht wichtigste Aufgabe der Sportwissenschaft besteht darin, – den Athleten bessere, besser informierte Trainer zur Seite zu stellen. -Vorbereitungsprogramme effizienter und evidenzbasiert weiterzuentwickeln. -das Risiko von Verletzungen zu minimieren, die ihre Karriere verkürzen könnten (Foster et al. 2022).

Exkurs: „Als ehemaliges Mitglied eines akademischen Mitarbeiterstabes und Sportwissenschaftler kenne ich die Grenzen der Sportwissenschaft. Deswegen bin ich dafür, sie nur dann einzusetzen, wo und wenn es wirklich notwendig ist. Sarah (Sjöstrom-Ru.) und die anderen Topathleten möchten keine Versuchskaninchen zum Wohle der Wissenschaft sein, aber sie sind bereit, wirkliche Hilfe zu akzeptieren. Da ich dieselbe Sprache spreche wie Sportwissenschaftler, frage ich diese als erstes: erzählen sie mir, was sie messen möchten, zeigen sie mir ihr Werkzeug, ihre Methoden und Instrumente. Und anschließend, welches Ergebnis werden sie anbieten? Und wie sieht das aus, nur Tabellen und Grafiken oder auch praktische Empfehlungen, vielleicht als neue Ideen? Und natürlich ist die Zeit bis zur Lieferung das allerwichtigste. Bitte später am Tag oder morgen! Nächste Woche? Danke und auf Wiedersehen!“ (Vorontsov, 2018, S. 8). Der Trainer muss lernen, empirisch gesichertes Wissen von unzuverlässigen Informationen zu unterscheiden, die methodische Qualität von Studien kritisch zu beurteilen, um deren tatsächliche Relevanz für die spezifische Trainingspraxis einschätzen zu können. Diese Kompetenz ist, wie (Bishop 2008) betont, eine Grundvoraussetzung für evidenzinformiertes Handeln im Spitzensport (Lange & Sandig 2025).

Mehr zum Thema: Güllich & Krüger (Hrsg.). Sport in Kultur und Gesellschaft. (2021). Berlin: Springer Spektrum. Zugriff am 08.09.2022 unter https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-53407-6

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  • Überarbeitet am: 26. April 2026
  • Autor: Klaus Rudolph