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Begriff

Anlage

Anlage, Veranlagung (disposition), Erbgut; die in den Chromosomen angelegte Disposition (→Genotyp), bestimmte Fähigkeiten und Fertigkeiten zu entwickeln. Die meisten Anlagen bedürfen eines Entwicklungsrahmens, was in den letzten Jahrzehnten besonders durch die Expertiseforschung hervorgehoben wird. So kann sich der veranlagte Schwimmer nicht „outen“, wenn eine Schwimmhalle fehlt. Auf diesem Zusammenhang beruht die Einheit von Erbe und Umwelt, sowie auf den Sport übertragen von Talentsuche und Talentförderung. In letzter Zeit rückt man immer mehr von der polarisierenden „Anlage oder Umwelt“ – Problematik ab und wendet sich vor allem den Wechselwirkungen zwischen Anlage und Umwelt als dialektische Einheit zu. Der englische Physiologe Brooks betrachtet genetische Veranlagung nur alsTeilaspekt, der am Anfang ausschlaggebend ist. Aufgrund des Einflusses vieler anderer Faktoren und Parameter sei es jedoch auch möglich, Spitzenleistungen ohne die perfekten genetischen Voraussetzungen zu erzielen. Gute genetische athletische Voraussetzungen sind dabei keine Garantie für das Erreichen sportlicher Höchstleistungen, sondern lediglich eine wesentliche Ausgangsposition (Brooks 2009). Der Erwerb komplexer kognitiver Mechanismen erfolgt innerhalb langer Zeiträume und wird nicht durch angeborene Eigenschaften erzielt. Ungeachtet dessen ist eine günstige genetische Veranlagung hilfreich für ein zielorientiertes Training in Vorbereitung auf sportliche Spitzenleistungen (Hagemann et al. 2007). →Deliberate practice

Neue Probleme sind mit der Einordnung der Transgenderproblematik in den Leistungssport entstanden (u.a. Tschiene 2013). →Talent, →Begabung

 

„Auch die glücklichsten angeborenen Anlagen müssen durch ein gründliches Studium und lange Erfahrung noch vervollkommnet werden, oder man muss nach häufigen Missgriffen die Regeln durch eigenen Schaden erlernen“. Friedrich II. (1712-1786) König von Preußen

 

Quellen

  • Hagemann, Tietjens & Strauß (2007). Expertiseforschung im Sport. In: Psychologie der sportlichen Höchstleistung. Hogrefe Göttingen, 7-16 Zur Quelle

Verwandte Begriffe

  • X-ChromosomX-Chromosom (X-chromosome), beim Menschen eines der beiden Geschlechtschromosome (Gonosome) …
  • GenotypGesamtheit der Erbanlagen des Menschen.
  • FähigkeitIndividuelle Grundeigenschaft des Menschen, die zwar veranlagt (vererbt) ist …
  • FertigkeitAuf der Grundlage von Fähigkeiten durch Übung angeeignete Komponente einer Tätigkeit …
  • ExpertiseforschungErforscht die internalen (inneren) Voraussetzungen erfolgreichen …
  • VererbungÜbertragung genetischer Informationen (Erbanlagen) an die Nachkommen.
  • UmweltLebenswelt, die uns umgibt, oft synonym mit Natur gebraucht.
  • TalenterkennungTalentauswahl/Talentsuche
  • BegabungAngeborene Fähigkeiten (Veranlagung) für überdurchschnittliche Leistungen …
  • EntwicklungVeränderung, Bewegung in aufsteigender Linie, vom Niederen zum Höheren …
  • GenanalyseAuch DNA-Analyse, Gentest: molekularbiologisches Verfahren zur Bestimmung der DNA …
  • IndividualisierungVon lat. individuum „Unteilbares, ‚Einzelding“ …

Schlagwörter

Überarbeitet am 16. März 2017Autor: Klaus Rudolph

Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2017). Anlage. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/anlage/ (abgerufen am 1. November 2026).