Expertiseforschung

01. Juli 2020 E 0

Expertiseforschung (expertise research), erforscht die internalen (inneren) Voraussetzungen erfolgreichen Handelns am Beispiel der Entwicklung erfolgreicher Wissenschaftler, Künstler oder Sportler („Experten“). →Talent, →Disziplin, →Chancengleichheit, →Profession, →Kompetenz

Die von Topathleten („Experten“) erbrachten sportlichen Höchstleistungen wurden in der Vergangenheit vordergründig auf physiologische Merkmale (Kondition) zurückgeführt. Erst in den letzten Jahrzehnten wendete man sich im gebührendem Maße auch dem Anteil der psychologischen und kognitiven Fähigkeiten an diesen Leistungen zu. Dabei bietet der Sport „aufgrund des unterschiedlichen, aber in der Regel klar definierten Anforderungsprofils der Sportarten und des strukturierten Leistungssportsystems ein ideales Anwendungsfeld für die Erforschung von Expertenleistungen“ (Hagemann et al. 2007, S.7). Hierzu einige Erkenntnisse der Expertiseforschung, die auch in die Nachwuchskonzeption des DSV übernommen wurden:

  • Menschliche Höchstleistungen sind das Produkt langjährigen Übens (10-Jahres-Regel)
  • Erfahrung in mehreren Sportarten („deliberate play“) zu Beginn der Karriere hat leistungsfördernde Effekte
  • Außergewöhnliche Leistungen werden nicht durch angeborene Eigenschaften (Erbanlagen), sondern wesentlich durch komplexe kognitive Mechanismen über einen langen Zeitraum vermittelt (Ericsson et al. 1993)
  • Bedeutsam sind sportartspezifische Leistungsmotivation, Handlungskontrolle und volitionale Fertigkeiten (Beckmann & Elbe, ebenda)
  • Je früher man mit dem →Training startet, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit an die Spitze zu kommen (Ericsson)
  • Leistungsexzellenz ist nur erreichbar, wenn die systematische Förderung nicht viel später als nach dem sechsten Lebensjahr einsetzt (Ziegler, 2008)
  • Nur wenn die Umgebungsstruktur (→Umfeld) des Sportlers in allen vier Systemen (Mikro-, Meso-, Exo– und Makrosystem) entwicklungsgerecht ist, besteht die Wahrscheinlichkeit erfolgreicher Karriere im Leistungssport (Carlson, 1993). →Karriereplanung

Exkurs: Der für seine Arbeit im Bereich der skalenfreien Netzwerke bekannte Physikprofessor Barabási (Northeastern University Boston) wühlte sich durch einige Tausend Datensätze und kam zu der Erkenntnis: Wer Erfolg haben will, muss natürlich gut sein, aber auch gut vernetzt. Erfolg hängt davon ab, wie man wahrgenommen wird, wie das Publikum die Leistung bewertet (The Formula: The Universal Laws of Success (English Edition) Kindle Ausgabe, 2018). 

Wer einmal trifft, ist noch kein Schütze.“  Heinrich Heine (1797 – 1856) dt. Dichter

Mehr zum Thema: Heller & Ziegler: Schriftenreihe „Talentförderung – Expertiseentwicklung – Leistungsexzellenz“ (seit 2007: http://www.lit-verlag.de/reihe/tel)


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