Professionalisierung

29. Juni 2017 P 0

Professionalisierung (professionalization), „Konsolidierung von Berufen in feste Berufsbilder, d.h. die Entwicklung eindeutig festgelegter Zugangsvoraussetzungen und formalisierter Qualifikationsanforderungen, klar definierter Karrieremuster und Aufstiegschancen, die Entstehung einer Standes- und Berufsorganisation (Berufsverband) und schließlich die Orientierung an gemeinsam akzeptierten Verhaltens- und Wertstandards und einem Staatsbewusstsein (Berufsethos), die eine kollektive Reaktion auf gleichartige Situationen bewirken und damit sozial-strukturell begründete Einflussmöglichkeiten eröffnen können“ (Heinemann, im Röthig & Prohl, 1003, S.431/432). Dabei ist der Begriff Professionalisierung enger gefasst als die Verberuflichung als hauptberufliche, kontinuierliche und kompetent ausgeübte Tätigkeit.

Exkurs: Der Trainer im deutschen Sport ist unter den Aspekten eines Professionsanspruchs (verpflichtende akademische Ausbildung, eigene Standesgerichtsbarkeit, hoher sozialer Status usw.) noch weit von einer wahren Professionalisierung entfernt. Nach den empirischen Befunden der Studie „Berufsfeld Trainer“ (Digel & Thiel, 2010) wird das bundesdeutsche Trainergeschäft teilweise semiprofessionell betrieben. Das war 2010. Sieben Jahre später wird immer noch konstatiert, dass es gilt, „angesichts der aufgezeigten Defizite das Bild der Anforderungen und Tätigkeiten des Trainers zu schärfen und die (arbeitsvertraglichen) Rahmenbedingungen für Trainer so zu verbessern, dass langfristige Perspektiven entstehen.“ (Leistungssportkonzeption von 2016). Anstatt aber Nägel mit Köpfen zu machen, wird abermals eine „Steuerungsgruppe“ bemüht, die erfahrungsgemäß nach einiger Zeit die seit Jahren bekannten Mängel erneut feststellen und den Staffelstab an die nächste Arbeitskommission weitergeben wird.

Mehr dazu: Rudolph (2014). Professionalisierung. In: Wege zum Topschwimmer (Bd. 3), S. 261-263


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