Dropout

07. April 2017 D 0

Dropout (dropout), (engl) Ausbruch aus einer sozialen Gruppe, in die man integriert war. Gegenteil: →Retirement

Im Sport abrupter Karrierebruch, bevor der Leistungshöhepunkt erreicht wurde. Gruppe & Mieth (2001) stufen Dropout „als kritisches, krisenhaftes Lebensereignis“ ein. Dropout ist zumeist auf verloren gegangenem Glaube an die sportliche Perspektive oder unzureichende Bedingungen im sozialen Umfeld zurückzuführen. Haupthindernisse auf dem sportlichen Karriereweg waren der soziale Druck, die Balance zwischen einer doppelten Karriere, einem gewinnenden, fokussierten Umfeld und einer schlechten Kommunikation (Andronikos 2018). Als weitere Ursachen werden die frühzeitige Spezialisierung und der relative Alterseffekt (u.a. Lemez et al. 2014) beschrieben. Seltener ist, dass sich der Sportler nicht mehr mit den Werten des Leistungssports identifizieren kann.

Eine Studie von Breuer (2015) im DOSB zeigte u.a.:

  • „Die Bereitschaft junger Menschen, sich im Leistungssport zu engagieren, ist ein extrem knappes Gut. Hohe Zeitinvestitionen in den Leistungssport, auch auf Kosten von Bildungsinvestitionen, nur geringe Einkommen und ungünstige Arbeitszeiten führen dazu, dass die Ressource Mensch bzw. Athlet nicht optimal ausgeschöpft werden kann. Eine Vielzahl an Athleten und Athletinnen macht sich Gedanken, aus dem Leistungssport auszusteigen. Deshalb steigen die meisten Athleten aus dem Leistungssport nicht aufgrund sportlicher oder gesundheitlicher Gründe aus, sondern weil sie ihre Zeit primär in ihre Ausbildung bzw. ihren Beruf investieren wollen bzw. müssen.
  • Im Laufe der sportlichen Karriere nimmt die Zufriedenheit mit der Betreuung durch Trainer eher ab. Dazu passt, dass die gesellschaftliche Anerkennung des Trainerberufs gering ist. Kurze Vertragslaufzeiten, vergleichsweise geringe durchschnittliche Gehälter und lange Arbeitszeiten senken die Attraktivität des Trainerberufs in Deutschland (Dropout ist nicht nur ein Problem des Sportlers, sondern auch des Trainers)
  •  Optimierungsbedarf liegt auch im Hinblick auf das Fördersystem selbst vor: Wer mindestens drei Jahre in Folge lediglich im B-Kader war, der hat signifikant geringere Chancen auf eine internationale Goldmedaille.
  • Wettkampfabsprachen und die Gefahr von Manipulationen senken zudem die gesellschaftliche Akzeptanz des Leistungssports massiv und gefährden dessen öffentliche Finanzierung.“ (Originalabstract; Beitrag gehalten auf dem Kongress Nachwuchsförderung NRW „Internationale Entwicklungen im Leistungssport – Konzepte und Kompetenzen, Potentiale und Perspektiven“ am 27. und 28. April 2015 in Köln.)

Nach einer Analyse von 15 Studien zum Dropout im Schwimmen in Kanada den USA und Spanien gaben mehr Mädchen auf (65,74%). Hauptgründe für den Schulabbruch waren „Konflikte mit ihren Trainern“, „andere Dinge, die zu tun waren“, „Kompetenzverbesserungen“, „Eltern, Paare oder Trainer“, „Mangel an Genuss“ und „langweilen“ (Monteiro et al. 2017).

„Meister im Schwimmen sind das Produkt einer guten Pflege innerhalb und außerhalb des Pools“ David Wright (Britischer Erfolgstrainer, Autor „Swimming – a Training Program“-2004)

Abb.: Gründe für den Vereinsaustritt von Schwimmern (Jugendsportstudie 1997)
Gründe für den Vereinsaustritt von Schwimmern (Jugendsportstudie 1997)

Exkurs: Dropout ist ohne Zweifel ein Problem des Leistungssports vieler Länder, weshalb sich zahlreiche sportwissenschaftliche Studien mit diesem komplexen Phänomen beschäftigen. Allerdings zumeist aus retrospektiver Sichtweise. Hilfreich im Sinne des Leistungssports ist aber, den Einfluss ausgewählter psychologischer Merkmale auf die Aufrechterhaltung des Leistungssports für Nachwuchsathletinnen und –athleten bereits prospektiv zu erfassen und damit eine Möglichkeit zu schaffen, dem frühzeitigen Ausscheiden entgegenzuwirken. Mittels eines an Eliteschulen des Sports entwickelten Modells, welches den Einfluss der erfassten psychologischen Merkmale auf den Verbleib bzw. Abbruch einer sportlichen Karriere abbildet, können Maßnahmen zur Verhinderung von Dropouts ergriffen werden (Baron-Thiene 2014).

Mehr zum Thema: Wright, D. (2018). Shaping Successful Junior Swimmers. Meyer & Meyer Aachen (engl.)

 

 


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