Armut

16. März 2017 A 0

Armut (poverty), Mangel an materiellen, kulturellen und sozialen Mitteln, der zur Ausgrenzung vom gesellschaftlichen Mindeststandard führt. Armut wird statistisch über das Einkommen definiert. Nach den Maßstäben der EU liegt die Armutsgrenze bei 60% des mittleren Einkommens (relative Armut). Absolute Armut heißt, dass die Mittel zum physischen Überleben nicht ausreichen; das betrifft 1,2 Milliarden in der Welt! Nach einem Bericht des Paritätischen Wohlfahrtsverbandes war die Armut in Deutschland noch nie so hoch und die regionale Zerrissenheit in Deutschland so tief wie heute (Armutsbericht 2017). Kinder von alleinerziehenden Eltern und ausländischen Familien sind besonders von Armut betroffen. 2,5 Mio Kinder leben in Deutschland von Sozialhilfe. Die Folgen sind: mangelhaftes Selbstwertgefühl, unzureichender Zugang zu Bildungseinrichtungen, gesundheitliche Anfälligkeit, geringeres Wohlbefinden, stärkere Zukunftssorgen, Einsamkeit, Nervosität und Konzentrationsschwächen (Vollmer, 2005, S.17).

Rechenexempel: Der jährliche Aufwand für ein „Schwimmkind“ im ABT beläuft sich bei 2400 € (Meissner, A-Lizenz-Hausarbeit, 2010). Wird das Kind an einer Eliteschule des Sports rundumversorgt (Internat), dann kommen monatlich 720 € hinzu (Beispiel Rostock). Das verfügbare Einkommen je Einwohner in Mecklenburg-Vorpommern liegt unter 1400 €. Rechnerisch kann ein Alleinerziehender fast zwei Kinder an der Sportschule unterbringen, so er auf Essen und Schlaf verzichtet. Für die Kinder des Harz-4-Empfängers mit einem Regelsatz (+ ein Kind von 6-14 Jahre) von 674 € (Stand 2016) findet somit Sport im Fernsehen statt.

Sportvereine können dazu beitragen, dass die Benachteiligung von Kindern aus armen Familien ein Stück weit abgebaut wird. Um die Kinder in ihrer schwierigen Situation zu unterstützen muss diese bekannt sein, was nicht immer einfach ist, da Armut aus Scham oft verschwiegen wird“ (Vollmer, 2005). Die KIGGS-Studie bekräftigt: Kinder, die nicht regelmäßig Sport treiben, kommen extrem häufig aus Familien mit niedrigem Sozialstatus oder Migrationshintergrund. Mehr als ein Drittel der sozial benachteiligten Jungen und 40 Prozent der Mädchen im Alter von drei bis zehn Jahren betätigt sich seltener als einmal in der Woche sportlich. Zudem können Kinder mit niedrigem Sozialstatus seltener schwimmen als Gleichaltrige mit hohem Sozialstatus (http://www.kiggs-studie.de/deutsch/home.html). Kurzum: Sowohl Sportengagement als auch motorische Leistungen werden vom Sozialstatus der Eltern determiniert (Klein, Fröhlich, Emrich, 2011).

 

„Armut ist keine Schande, aber das ist ungefähr alles, was man Gutes über sie sagen kann.“ (R.M.Tucker zitiert bei  www.zitate.de)

 


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