Informationsverarbeitung

30. Mai 2017 I 0

Informationsverarbeitung (information processing), Allgemein das „organisierte Erfassen, Speichern, Bearbeiten und Ausgeben von Informationen nach vorgegebenen Verfahren“, wobei oft Daten und Informationen synonym gebraucht werden (Kemper in Gabler Lexikon). In der Psychologie die Aufnahme von Reizen (Informationen) und die weitere Verarbeitung im Gedächtnis durch Schemabildung, Speichern, Erinnern und Vergessen. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die Chemie der Signalübertragung durch Neurotransmitter zwischen den Synapsen. Diese Vorgänge erfüllen die konzeptionellen Anforderungen an eine zerebrale Informationsverarbeitung sportmotorischer Leistungen. Hiernach bedingt synaptische Plastizität die überdauernde Speicherung motorisch bedeutsamer Informationen und ermöglichen Entladungssynchronisationen Zellverbände flexibel miteinander zu kombinieren und als zusammengehörig auszuweisen. Die Bewertung erfolgreicher Bewegungsaktionen wird über Dopaminaktivierungenentwickelt, die Lernvorgänge in Gang setzen“ (Beck, F., 2007).

In der sportlichen Tätigkeit hat der Sportler viele Informationen zu verarbeiten, um zur optimalen Bewegungshandlung zu gelangen. Das sind:

  • die momentane und die antizipierte Situation,
  • die eigenen Fertigkeiten des Handelnden,
  • das intendierte Ergebnis der Handlung,
  • die Kontrolle der Handlungsausführung und
  • die Rückmeldung über das Handlungsergebnis (Maxeiner et al. 1996).

Dabei können zu wenig oder unpräzise Informationen ebenso schädlich sein wie zu viel, Aufnahmekapazität und Aufnahmebereitschaft des Sportlers sind zu berücksichtigen. Innerhalb eines Handlungsvollzuges kann der Sportler nur eine begrenzte Anzahl von verbalen Informationen verarbeiten und motorisch umsetzen, weshalb er Schwerpunkte auswählen muss. Reaktionshandlungen unter Zeitdruck, besonders in den Spielsportarten oder bei schnellen „Kurskorrekturen“, stützen sich auf unbewusste Informationsverarbeitung (Kibele, A., 2001). Auch der Trainer kann besonders bei schnellen azyklischen Bewegungen (Start/Wende) nur wenige Details im Auge haben. Er nimmt zwar viel Informationen auf, deren verbale Transformierung nicht gleichzeitig möglich ist (Meinel & Schnabel, 2007, S. 73). Besonders im Nachwuchstraining sollten Hinweise knapp, auf das Wesentliche beschränkt und fasslich sein. Wenn alle aus einer Leistungsdiagnostik gewonnenen Informationen gebündelt dem Trainer/Sportler offeriert werden, dann kann er diesen Wulst kaum erfassen, geschweige denn in die Trainingspraxis umsetzen.

Dem bildungshungrigen Trainer sei mit auf den Weg gegeben: Es ist nicht notwendig jeden Informationsfetzen aus dem Internet aufzunehmen und jedes Sachbuch zu lesen. „Das Gut, an dem es mangelt, ist nicht die Information selbst, aber unsere Fähigkeit, mit Information etwas anfangen zu können, sie auszuwählen, sie gewichten zu können.“ (Prof. Georg Franck-Uni Wien 1995). Das Gewichten ist aber Sache von Experten. Wir brauchen auch in der Trainingswissenschaft Algorithmen, die die Fülle an Informationen durchkämmen und dem Praktiker das Extrakt offerieren.

„Bildung im zwanzigsten Jahrhundert erfordert vor allem und zunächst die instinktsichere Abwehr überzähliger Informationen“.
Hans Kasper (1916-1990) dt. Schriftsteller 


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