Gedächtnis

21. Mai 2017 G 0

Gedächtnis (memory), Fähigkeit des Gehirns, Informationen zu speichern und abzurufen. Dazu zählen auch Bewegungsmuster. Es werden drei Gedächtnisbereiche unterschieden:

  • Ultrakurzzeit (sensorisches) – Gedächtnis mit großer Speicherkapazität und sehr geringer Speicherdauer (max. 2 Sekunden),
  • Kurzzeit – Gedächtnis (Arbeitsgedächtnis) mit begrenzter Speicherkapazität und Speicherdauer bis zu einer halben Minute,
  • Langzeit – Gedächtnis mit großer Speicherkapazität und Speicherdauer über Jahre bis zu einem Leben lang.

Im Gehirn gibt es keinen abgrenzbaren umfassenden Gedächtnisbereich, sondern das Gedächtnis beruht überwiegend auf Zusatzleistungen anderweitig spezialisierter Teile des Gehirns (Wikipedia). Ein wichtiges Areal für Lernen und Gedächtnisbildung ist der Hippocampus.

Im Langzeitgedächtnis können Inhalte zu sportlichen Bewegungen oder taktischen Situationen abgerufen werden. So ist der Tatbestand, dass man nach langer Pause das Schwimmen nicht verlernt, dem Langzeit – Gedächtnis zu danken. Bewegungsvorstellungen ergeben sich aus der gespeicherten Wahrnehmung eigener und/oder fremder Bewegungen. Dabei ist die sprachlich-begriffliche Fixierung der Inhalte der visuellen und kinästhetischen Wahrnehmung eine wichtige Voraussetzung für diesen Prozess. Beim Erlernen neuer Handlungsabläufe zum Zusammenfügen einzelner Aktionselemente sollte auf das Arbeitsgedächtnis (s.o.) zurückgegriffen werden (Seidler et al. 2013).  Schlaf ist unerlässlich, um sowohl zuvor erworbene motorische Erinnerungen zu stabilisieren als auch die Wirksamkeit des Gehirns aufrechtzuerhalten, um plastische Veränderungen vorzunehmen, um neue Fähigkeiten zu erlernen (Wenderoth, 2018).

Regelmäßige Bewegung kann Studien aus USA, Australien und Schweden zufolge den Gedächtnis-Abbau nicht nur aufhalten, sondern sogar umkehren. Sie führte zu signifikant erhöhten Mengen eines Botenstoffs, der als möglicher Grund für die Hippocampus-Vergrößerung angesehen wird. Dieser bildet neues Hirngewebe und hilft auch bei der Entstehung neuer Erinnerungen (Erickson et al. 2010). Hirnforscher benennen Drei Fronten gegen Demenz: gesund und ausgewogen essen, nur moderat Alkohol trinken und regelmäßig Sport treiben. Bei der zunehmenden Vergreisung unserer Bevölkerung ergibt sich so auch ein wichtiges Aufgabenfeld für den DSV (Masters). →Training, mentales, →Visualisierung, →Antizipation

Exkurs: Lehmann (2018) kommt in seiner Dissertation über hirnstrukturelle Korrelate der Steigerung motorischer Lernprozesse durch neuromodulatorische Voraktivierung zu folgenden Erkenntnissen:

  • dass Variationen in der Struktur der grauen und weißen Hirnsubstanz vor dem Lernprozess zukünftige motorische Lernerfolge voraussagen, 
  • dass durch eine kurzzeitige Ausdauerintervention die Lerngeschwindigkeit zukünftiger motorischer Lernprozesse förderlich beeinflusst werden kann und 
  • dass dieser Effekt maßgeblich über Plastizität in primär sensomotorisch-assoziierten Bereichen der weißen Hirnsubstanz vermittelt wird.
Neuropsychologisches Modell des Langzeitgedächtnisses (nach Miltner, Uni Jena)

„Das gute Gedächtnis ist wie ein Sack, es behält alles. Das bessere Gedächtnis ist wie ein Sieb, es behält nur, worauf es ankommt“.
Hellmut Walters (1930-1985) Deutscher Schriftsteller


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