Antizipation

16. März 2017 A 0

Antizipation (anticipation), lat. anticipare „vorwegnehmen“; „Auf Erfahrung und aktuelle Wahrnehmung gegründete gedankliche bzw. vorstellungsmäßige Vorwegnahme zukünftigen Geschehens“ (Schnabel & Thieß, 1993, S.67). Unser Handeln verläuft nicht vorwiegend reaktiv, sondern voraussehend. Nicht der Weg bestimmt das Ziel, sondern das Ziel den Weg. Der Wasserspringer „erlebt“ seinen Sprung im Kopf bevor er springt. Also wird nicht nur das Ziel, sondern auch das Handlungsprogramm vorausgedacht (antizipiert). Ähnliche Aktivitätsmuter konnten Neurophysiologen bereits Sekunden vor der eigentlichen Aktion mittels Magnetresonanztomografie (MRT) nachweisen. Dabei kann sich Antizipation auf offene Situationen („open skills“, z.B. Zuspiel im Wasserball) oder geschlossene Situationen („closed skills“, z.B. Viermeter im Wasserball) beziehen.

Mit einem „inneren Modell der motorischen Handlung“ (Schnabel,2007, S.54) geht der Schwimmer sein Rennen (StartÜbergangWendeAnschlag) in einem weitgehend zeitnahen Ablauf durch, optimal unterstützt durch einer der Schwimmfrequenz angepassten Musik. Mit zunehmender Wettkampferfahrung verlaufen diese Prozesse unbewusst. Der Torwart reagiert instinktiv und hat keine Zeit, darüber nachzusinnen, welche Ecke dran sein könnte. Er stützt sich auf sein über lange Trainingsjahre entwickeltes Bewegungsgedächtnis. Dieses fehlt dem Anfänger, der sein kinästhetisches Empfinden nur begrenzt nutzen kann. Ist er aber erst einmal „im Wasser zuhause“, dann verbessert sich sein motorisches Ausgangsniveau zunehmend und er lernt eine Schwimmart nach der anderen. Zudem hat er das Umfeld (Schwimmbecken, Leinen) mit seinem Frequenz-/Geschwindigkeitsverhalten in Einklang zu bringen (Anschwimmen an die Wende, Anschlag). Besonders in der direkten Auseinandersetzung mit sportlichen Gegnern (Kampfsport, Spielsportarten, Tennis) können interne Modelle zur Vorhersage von Effekten beobachteter Handlungen genutzt werden (Balser 2014). .Visualisierung, →Gedächtnis, →Intelligenz, → Antizipation, perzeptuelle


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