Leistungsmotiv

07. März 2020 L 0

Leistungsmotiv (achievement motive), Bedürfnis des Menschen, Aufgaben zur eigenen Zufriedenheit oder der der Gruppe zu erledigen oder nach Heckhausen (1989), Leistungsanforderungen auf einem hohen Niveau zu erfüllen. Es unterscheidet sich durch die Auseinandersetzung mit Gütemaßstäben (Heckhausen) von solchen Begriffen wie „Fleiß“ oder „Leistungsstreben“.  Erst durch die Verbindlichkeit des Gütemaßstabes kann die eigene Tätigkeit bewertet werden. Die Psychologen unterteilen das Leistungsmotiv in ein Annäherungsmotiv („Hoffnung auf Erfolg“) und ein Vermeidungsmotiv („Furcht vor Misserfolg“) (Wild & Möller, 2015, S.160). Leistungsmotiviertes Handeln kann bereits bei 3-Jährigen beobachtet werden. Indem dieses Streben die Mehrheit der Menschen einer Gesellschaft erfasst, spricht man auch von der „Leistungsgesellschaft“. →Leistungsprinzip

Leistung ist im Sport eindeutig definiert und entspricht den Bedingungen leistungsmotivierenden Handelns: das Ergebnis der Handlung ist objektivierbar und orientiert sich an einem Gütemaßstab, dem ein Schwierigkeitsmaßstab zugeordnet werden kann, der vom Sportler als verbindlich betrachtet wird und eigenständig erreicht werden muss (Heckhausen 1889). →Leistungsmotivation

Aktuelle Literatur: Leistungsmotive sind im Sport zwischen Geschlechtern, Sportarten und Kaderstruktur unterschiedlich ausgeprägt. So stellte Ong (2019) fest, dass Männer durch den Wettkampf motivierter waren als Frauen, dass Mannschaftssportler durch den Wettkampf motivierter waren als Einzelsportler und dass Athleten mit höherem Leistungsniveau eine höhere aufgabenbezogene Motivation hatten als Athleten mit niedrigerem Leistungsniveau, was Gabler bereits 1972 bei Hochleistungsschwimmern konstatierte. Durch ein sportpsychologisches Training konnte das Leistungsmotiv in einer Experimentalgruppe gefördert werden, ist also trainierbar. Die Sportler zeigten ein funktionales Zielsetzungsverhalten im Wettkampf, attribuierten zweckmäßig bei Erfolgen und Misserfolgen und erzielten dadurch eine positive Selbstbewertungsbilanz (Hengst, 2018). In  Vorbereitung auf die Jugendeuropameisterschaften im Wasserspringer erstellten Psychologen „Handlungsempfehlungen“, die als soziale Unterstützung und Motivation für Sportlerinnen und Sportler konzipiert waren. Es wurden verschiedene Psychoregulationsverfahren mit dem Ziel erlernt, mit Drucksituationen, Motivationsschwächen und Ängsten vor Sprüngen leistungsoptimierend umgehen zu können. Dabei war die Interaktion zwischen Trainer und Sportler von großer Bedeutung (Stoll & Palzek, 2015). Mit dem Leistungsmotiv allein lässt sich aber erfolgreiches Handeln nicht erklären. Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit Spitzensportlern haben immer wieder gezeigt, dass das Machtmotiv mit den Facetten selbstbezogen und eigennützig („Wettkampfmotiv“) eine große Bedeutung für den Erfolg im Spitzensport hat. Das selbstbezogene Machtmotiv liefert, besonders in den Ausdauer- und Kraftausdauersportarten, die notwendige Energie, um sich quälen zu können (Kuhl & Krug, 2006). Sieber & Membel (2015) konnten bei Nachwuchsschwimmern nachweisen, dass bei der Vorhersage der objektiven Leistung ein hohes Leistungsmotiv nur dann einen positiven Effekt besitzt, wenn es nicht durch die bewusste und gewollte Kontrolle der eigenen Gefühle und Affekte (Impulskontrolle) inhibiert (gehemmt) wird.

Diagnose: Fragebogen Achievement Motives Scale-Sport (AMS-Sport), der das sportspezifische Leistungsmotiv erfasst und sowohl den Einsatz in der sportpsychologischen Praxis, als auch im Bereich der Forschung erlaubt. Er eignet sich zudem zur Talentauswahl. Jugendliche und erwachsene Athleten/-innen können den Fragebogen gleichermaßen ausfüllen (Wenhold et al. 2009).

„Es gibt Leistung ohne Erfolg, aber keinen Erfolg ohne Leistung.François VI. Duc de La Rochefoucauld (1613 – 1680), franz. Offizier, Diplomat und Schriftsteller

Mehr zum Thema: Welke, M. (2017). Empathie in der Trainerkommunikation: https://www.iat.uni-leipzig.de/datenbanken/iks/open_archive/ls/lsp17_03_11_16.pdf-Zugriff 07.03.2020


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