Diagnose

27. März 2017 D 0

Diagnose (diagnosis), griech. dia+gnosis „Erkenntnis, Urteil“; Feststellung und Einordnung von Sachverhalten, Symptomen oder Untersuchungsdaten mittels diagnostischer Verfahren. →Diagnosemethoden, →Diagnostik

Im Sport als Leistungsdiagnostik und Eignungsdiagnostik (→Talentauswahl) bekannt. Die stets wechselnde Abstimmung zwischen Diagnose und Zielansteuerung ist das eigentliche Herzstück der Trainingssteuerung (Hoffmann, in Schnabel et al. 2008, S.448). Dank moderner (zunehmend digitaler) Diagnoseverfahren werden Trainer und Sportler mit Daten überflutet. Ausgehend von der komplexen Leistungsstruktur im Schwimmen ist es ein Hauptanliegen, die Ergebnisse aus verschiedenen Wissenschaftsdisziplinen (Biomechanil, Sportmedizin, Trainingsmethodik, Psychologie) im Zusammenhang zu werten und die Hauptkettenglieder zu ermitteln (→“X-Faktor„). So korrespondiert z.B. im Schmetterlingsschwimmen eine höhere Beweglichkeit mit mehr Wellenförmigkeit (Persyn et al. 2000), Umfang des Bizepses in Kontraktion mit der Zeit über 100m Kraul-Armbewegung (Rozi et al. 2018), der Anstieg der Laktat-Leistungskurve mit der spezifischen Kraft, das Sprintvermögen mit Treibhöhe und Armzugkraft (Hohmann 1998, Rudolph et al. 2014) usw.

Exkurs: Das Problem der Leistungsdiagnostik im Schwimmen ist, dass wesentliche Vortriebsbewegungen unter Wasser stattfinden und sich damit dem Blick des Trainers entziehen. Geeignete biomechanische Diagnoseverfahren sind oft zeitaufwendig und kostspielig (→Messplatz). So wachsen z.B. im Interesse zuverlässiger Geschwindigkeiten (laminarer Strömung) die Kosten beim Bau eines Strömungskanals sehr stark, um Wellen– und Luftblasenbildung zu unterdrücken (Beeindruckend ist allerdings, dass erfahrene Trainer aus dem Gesamteindruck einer Schwimmbewegung in der Lage sind, auf nicht unmittelbar sichtbare Bewegungshandlungen zu schließen. Australische Sportwissenschaftler haben ermittelt, dass Expertencoaches mit mehr als 10 Jahren Erfahrung über eine andere visuelle Suchstrategie verfügen, die es ihnen ermöglicht, beim Betrachten eines kurzen Videoclips eines Schwimmers mehr technische Informationen zu gewinnen (Waters et al. 2014). Das ersetzt zwar nicht die gründliche wissenschaftliche Analyse, ist aber in bestimmten Situationen (Wettkampf) unverzichtbar. Noch beeindruckender ist das bei manchem Wassersprungtrainer ausgeprägt, der nach einem Sprung von wenigen Zehntelsekunden einen ganzen Sprung detailliert bewerten kann. →Fachkompetenz

 „Zuerst die Beobachtungen und dann der Versuch, dann das Denken ohne Autorität, die Prüfung ohne Vorurteil“ Rudolf Virchow (1821-1902) dt. Arzt


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.