Fachkompetenz

17. April 2017 F 0

Fachkompetenz (specialized authority), lat. competentia „Eignung“; auch Sachkompetenz, fachlische Kenntnisse, Fertigkeiten und Engagement für erfolgreiches Handeln.

Im Sport das (sportfachliche) Wissen und Können des Trainers, das zur qualifizierten Führung von Sportlern zu sportlichen Höchstleistungen (→Handlungskompetenz) erforderlich ist. Zu vergleichen mit MARTINs (1991) „Gebrauchstheorie, in die subjektive Erfahrung, allgemein anerkannte Erfahrungen, Trainingstheorie und spezielle Bedingungen der Sportart eingehen. Das Fachwissen des Trainers setzt sich zusammen aus Technik und Methoden der Sportart und Kenntnissen der Mutterwissenschaften (→Medizin, →Physiologie,Psychologie, →Biomechanik usw.).

Exkurs: Trainer im Hochleistungsbereich müssen auf Augenhöhe mit Psychologen, Biomechanikern und Medizinern diskutieren können. Dazu reichen die im deutschen Sport vergebenen Trainerlizenzen (C, B, A) nicht aus, das Trainerdiplom (→Diplomtrainer) ansatzweise. Entsprechend der hohen Anforderungen des Leistungssports ist eine akademische Ausbildung erforderlich. Doch fehlte es bislang in der Bundesrepublik Deutschland an Geld und in der Politik an Einsicht. Mit dem exklusiven Aufbaustudium im Studiengang „Sport und Leistung“ der Deutschen Sporthochschule (DSHS) Köln zum „Bachelor of Science“ hat die Trainerakademie des DOSB den Fuß in der Tür.

Hinzu kommt, dass die heutige Wissensexplosion eine ständige Fortbildung erfordert, der mit einer einmaligen Veranstaltung mit 15 „Lerneinheiten“ (a 45 min) in zwei bis vier Jahren nicht genüge getan wird. Deshalb ist Eigeninitiative gefragt. Angebote (Internet, Fachliteratur, „Sprint-Infodienst“ des →IAT auch über Website des DSV) gibt es genug, was vielen Kollegen fehlt sind die sprachlichen Kenntnisse und ist vor allem Zeit. Wenn aus der hehren Wissenschaft immer wieder mehr Fachwissen bei Trainern angemahnt wird (Muckenhaupt, 2012; Mester, 2014; Diegel, 2016), dann sollten sich die Experten mehr bemühen, das vorhandene Wissen für die Praktiker (anwendungsbereit) aufzubereiten. Wissenschaftliche Ausführungen bedürfen in der Regel einer journalistischen Übersetzung, wenn sie die Praktiker ansprechen sollen. Hier hat die Forschung im Verhältnis zur Sportpraxis eine Bringschuld. Ein erster Schritt in diese Richtung ist das „Service-Verbundsystem Leistungssport (SVL)“ (Schimmelpfennig et al. 2016). Vorbildhaft ist das Modell der direkten Betreuung im Rahmen wissenschaftlicher Begleitforschung durch das IAT (→Trainer-Berater-System).

 

Exkurs: „Der Trainer von heute und morgen braucht Sachverstand und Fachkompetenz. Mit deren Hilfe durchschaut er die Zusammenhänge zwischen profanem Alltagsleben und einem Leben im Sport, zwischen nationalen und internationalen Beziehungen, zwischen Erfolg, Glück und Zufall, zwischen irdischer Sportpraxis und metaphysischer Sportwissenschaft. Sachverstand, das bedeutet, er versteht seine Sache. Und seine Sache ist es, Menschen in sportliche Grenzsituationen des Erfolgs und des Scheiterns zu führen in einer Sportart, die höchste motorische Präzision, oder größte Kraft, oder unerschöpfliche Ausdauer, oder Phantasie und Entscheidungsfreude, oder die Ästhetik des Ausdrucks, oder den Mut über dem Abgrund, oder fast alles zugleich erfordert.“ (Hagedorn, 1995, S.35)

Beherrsche die Sache, dann folgen die Worte. (Rem tene, verba sequentur.) Marcus Porcius Cato, d.Ä. (234-149), röm. Feldherr

Mehr zum Thema: Muckenhaupt et al. (2012). Wissenskommunikation und Wissensmanagement im Leistungssport. Hofmann-Verlag

 

 


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