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Begriff

Energiebereitstellung

Energiebereitstellung (energy supply), (Physiologie): Nutzung energiereicher Stoffe (Stoffwechsel) und deren Rückgewinnung (Resynthese) für die Arbeit der Organsysteme, speziell der Muskulatur. Grundlage ist die Neubildung von Adenosintriphosphat (ATP) durch Spaltung energiereicher Substanzen, da ATP nur begrenzt (für 3-4 maximale Muskelkontraktionen) zur Verfügung steht. Die Energiebereitstellung verläuft im Wesentlichen auf drei Wegen:
• anaerob – alaktazid (Spaltung von Kreatinphosphat),
• anaerob – laktazid (Glykolyse ohne Sauerstoffverbrennung) und
• aerob (Abbau von Glykogen oder Fettsäuren unter Beteiligung von Sauerstoff).

Da im Schwimmen Wettkämpfe von 20 Sekunden bis mehreren Stunden bestritten werden, werden auch alle Formen der Energiebereitstellung genutzt. Dabei sollte die noch in einigen Lehrbüchern anzutreffende Darstellung der Energiebereitstellung am Beispiel kommunizierender Röhren mit Vorsicht genossen werden, weil dadurch die eigentlich fließenden Übergänge verstellt werden und ein schematisches Nacheinander suggeriert wird. Schließlich verlaufen die verfügbaren Energiesysteme parallel: Die Fette verbrennen im Feuer der Kohlehydrate. Die anaerobe Energiebereitstellung ersetzt niemals die aerobe, auch nicht teilweise, sondern wird zu der auf Hochtouren laufenden oxidativen Energiebereitstellung immer nur dazu geschaltet (Tomasitis & Haber, 2003, S. 18). Selbst bei einer aerobeLaktatbildung von 20 mmol/l wird der aerobe Energiestoffwechsel teilweise beansprucht (Hottenrott & Neumann, 2010, S. 113). →Energiezonen, →Belastungszonen

Abb.: Verteilung der Energieträger (Braun, H.: aus Vortrag A-Lizenz-Ausbildung, Köln 2005)
Verteilung der Energieträger (Braun, H.: aus Vortrag A-Lizenz-Ausbildung, Köln 2005)

 

Exkurs: Seit den 90iger Jahren wird das Ausdauertraining nach Form und Anteil der Energiebereitstellung gesteuert (Belastungszonen/Energiezonen). Damit folgen diese zwar einem physiologisch begründeten Trend, sind aber in ihrer Vielfalt weitgehend den Erfahrungen der Trainingspraxis geschuldet. Die für eine Belastungszone angeblich repräsentativen Belastungskomponenten sind selten durch wissenschaftliche Untersuchungen gesichert und streuen stark. Ein typisches Beispiel sind die unterschiedlichen Angaben in der Literatur zu den Mischungsverhältnissen zwischen aerober und anaerober Energiebereitstellung entsprechend der Wettkampfdistanzen im Schwimmen (Rudolph, 2014, S.56/57). Sokolovas (2007), der Begründer der „Energiezonen“ im amerikanischen Schwimmsport, gelangt deshalb zu einem Kompromiss.  Danach können Wissenschaftler viele Energiebereiche bestimmen, aber die Trainer sollten für sich eine gewisse Anzahl definieren, die sie im Training einsetzen. Dann können Übungen gezielter zugeordnet werden und das Training präziser wirken. →Trainingsbereiche

Video:https://www.youtube.com/watch?v=syMgK7TPfVc (Zugriff 19.02.2019)

Quellen

  • Sokolovas, G. (2007). Train your energy system. Swimm. World Mag., 47 (11), 40-42. Zur Quelle

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Überarbeitet am 12. April 2017Autor: Klaus Rudolph

Zitiervorschlag

Rudolph, K. (2017). Energiebereitstellung. In: Schwimmlexikon. https://schwimmlexikon.de/energiebereitstellung/ (abgerufen am 1. November 2026).