Konstitutionstyp

08. Juni 2017 K 0

Konstitutionstyp (constitutional type, somatotype), „Leittyp“, der eine Gruppe von Individuen mit ähnlicher individueller Konstitution repräsentiert. Das seit 1921 lange Zeit dominante dreipolige System nach Kretschmar (athletisch, pyknisch, leptosom) ist für die Sportwissenschaft nur noch eingeschränkt nutzbar, da 72% der Menschen Mischtypen sind. Auch dem folgenden System nach Sheldon (1940), der endo-, meso- und ektomorphe Typen unterschied, haftet dieser Mangel an. Conrad (1963) versuchte diese Systeme weiter zu qualifizieren, indem er von zwei Wuchstendenzen ausging und über die Berechnung eines Metrikindex und Plastikindex auch Mischtypen in einem Koordinatensystem lokalisierte. Obwohl in den Folgejahren weitere Systeme entwickelt wurden, hat sich das Conradsche System bei der Beurteilung der Schwimmer in Deutschland durchgesetzt. Dabei platzieren sich viele Topschwimmer im metromorphen Bereich mit leptomorph-hyperplastischer Tendenz. Mit der Methode nach Conrad (1963) konnte die differente körperbauliche Prägung objektiviert und zur Information der Sportlerinnen und Sportler anschaulich dargestellt werden. Damit erscheint der Körperbautyp als eine wesentliche Orientierung für die Leistungsfähigkeit in einzelnen Sportarten (Fröhner & Wagner, 2002, S.38). →Eignungsmerkmal

Letztlich ermöglichen aber alle Systeme keine exakte wissenschaftliche Beurteilung des Körperbautyps, besonders wenn die Sportler noch im Wachstum begriffen sind. Die Annahmen über psycho-morphologische Zusammenhänge wurden empirisch widerlegt. Zwischen Körperbautyp und Persönlichkeit besteht also kein gesicherter Zusammenhang. Mit der Methode nach CONRAD (1963) konnte die differente körperbauliche Prägung objektiviert und für die sportartspezifische Talentauswahl nutzbar gemacht werden (Rudolph, 2004).

Einordnung der deutschen Olympiamannschaft im Schwimmen nach dem Körperbautypen-System Conrads (Rudolph, 1992)

 

Mehr zum Thema: https://www.iat.uni-leipzig.de/datenbanken/iks/open_archive/ls/lsp02_01_33_40.pdf


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