Eignungsmerkmal

10. April 2017 E 0

Eignungsmerkmale (aptitude characteristics), Eigenschaften eines Sportlers, die eine besonders günstige sportliche Entwicklung erwarten lassen.

Im Schwimmen von der Leistungsstruktur abgeleitete Merkmale, die im Rahmen einer Talentauswahl diagnostiziert werden. Dabei ist zu beachten, dass neben der aktuellen sportlichen Leistung auch körperbauliche Merkmale sowie motorische Fähigkeiten und Fertigkeiten (→Technikbewertung) eingeschätzt werden. Ferner sollten diese Merkmale immer in ihrer Entwicklung (→Reifung, biologisches Alter, →relativer Alterseffekt) und im Umfeld (Trainingsbedingungen, Förderung) gesehen werden. In den meisten Studien wird der Reifegrad zum Zeitpunkt der Altersgruppenbewertungen als Schlüsselgröße für die Talentfindung im Schwimmen gesehen (Alves et al. 2014, Timakova & Klyuchnikova, 2010). Deshalb wurde im Vorwort zur „Rudolph-Tabelle“ darauf verwiesen, bei der Leistungsbeurteilung biologisches- und Trainingsalter zu berücksichtigen. →Eignung, →Talent

Die meisten Erfahrungen wurden im Schwimmen mit körperbaulichen Eignungsmerkmalen an der DHfK in Leipzig gewonnen (Kupper & Jüling, 1967). Später wurden diese Empfehlungen wegen veränderter Wettkampf– und Technikstrukturen korrigiert, woran besonders die Delfinbewegung maßgeblichen Anteil hat (Rudolph, 2004). Gegenüber den vielen Studien zu anthropometrischen Merkmalen blieben  leistungsphysiologische (Ramcke, 2007; Braumann & Reer, 2000) und mentale Voraussetzungen ziemlich unberücksichtigt. Aber je passender die Zielformulierung zum Motiv und zur Impulsivität des Athleten bzw. der Athletin ist, desto größer sind Durchhaltewille und Engagement bei der Zielverfolgung (Stoll & Mempel 2016;  Sieber & Mempel, 2015). Letztlich ist es unverantwortlich, bei der Komplexität der Leistung im Schwimmen, sich nur auf einige wenige Eignungskriterien zu beschränken. Dabei steht außer Frage, dass auch zunehmend genetisches Screening die Talentauswahl beeinflussen wird, aber entscheidend wird sein, wie wir diese Technologie umsetzen und steuern (McGregor 2008; Carl, 2009). →Genetik, Anthropometrie, →Körperbau

Exkurs: „ Schwimmen ist eine Sportart, die mehr auf das „Gefühl“ (d.h. den Tastsinn) als auf Sicht, Klang usw. angewiesen ist. Die Qualität des sensorischen Inputs beeinflusst auch die Fähigkeit des Schwimmers, eine Körperposition zu halten, die den Widerstand reduziert.“ (Ralph Richards, Chef der Australian Swimming Coaches & Teachers Association) und  „Regenerationsfähigkeit ist der Maßstab für die Identifizierung physiologischer Talente“ (Bill Sweetenham, australischer Erfolgstrainer, Autor „Champion swim Training“)

 


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