Anthropometrie

16. März 2017 A 0

Anthropometrie (anthropometry), griech. anthropos „menschlich“+ metron „Maß“; Methode zur Erfassung der metrischen Verhältnisse am menschlichen Körper.

Die Anthropometrie spielt eine wichtige Rolle zur Quantifizierung morphologischer Veränderungen (→Morphologie) durch das Training, bei Modellbildungen für Körperbewegungen (biomechanische Anthropometrie) und bei der Bestimmung von Körperbautypen/ Konstitutionstypen (→Körperbaumerkmale).

Da leistungssportliches Training im Schwimmen vorwiegend in einem Lebensalter stattfindet, in dem die Schwimmer im Wachstum begriffen sind und dieses wiederum stark mit der sportlichen Leistung korreliert, sollte der Trainer über grundsätzliche Kenntnisse der Anthropometrie verfügen. Das beginnt bei der Erhebung einfacher Körpermaße wie Körperhöhe und Körpermasse und geht bis zur Berechnung von Indizes (→Index) zur Bestimmung des biologischen Alters, der finalen Körperhöhe oder der Körperbautypen. Diese Kenntnisse sind besonders hilfreich bei der Leistungsbewertung und Talentsichtung. Zudem ist der Einfluss anthropometrischer Merkmale auf die Leistung im Schwimmen bei den kürzeren Strecken wiederholt nachgewiesen worden (u.a. Rudolph 2004, Barbosa et al. 2009, Figueiredo et al. 2016; Mitchell et al. 2014; Bond et al. 2015; Moura et al. 2014; Silva et al. 2014, Nevill et all. 2015). Aus dem Zusammenspiel von Masse Hebeln und Kräften und deren Bedeutung für Sportschwimmen (Dominanz des Zyklusweges) werden die Vorteile der Hebel (Körperhöhe, Arm- und Beinlänge, Hand- und Fußlänge) und Kräfte (Muskelmasse) gegenüber der Masse (Körpergewicht) deutlich (s. Tab.). dass die Körpermaße nicht allein genetisch determiniert sind, sondern auch durch die verschiedenen Trainingsreize verändert werden, zeigen Messungen mit Body-Line-Scanner nach einer Ausdauerphase und nach Tapering innerhalb von zwei Monaten (Kawada et al. 2007). Bei aller Begeisterung für Körpermessungen sollte aber nicht vergessen werden, dass zur Talentdiagnose koordinativ, kognitiv-perzeptuell, taktisch-konzeptionell, physisch-konditionelle Elemente und psychische Eigenschaften oft von größerer Bedeutung sind als sportartspezifische Leistungsvoraussetzungen (Hoffmann et al 2013).

 

Elemente Zykluslänge Frequenz
Hebel

Kräfte

Massen

+

+

+

Leistung + + – – + –

 

Tab.: Amplitude (→Zyklusweg) und →Bewegungsfrequenz als somatische Funktion (nach Wutscherk, 1983)

 

Exkurs: Talentsichtung bei Einbeziehung anthropometrischer Daten war in der DDR Usus und eine Ursache der sportlichen Erfolge. Nach der Wende versuchte ich die Methoden in Hamburg, zunächst von viel Misstrauen umgeben, anzuwenden. Nachdem die Eltern begriffen hatten, dass es hier vorrangig um eine Beratung zum Vorteil ihres Kindes ging, hatte ich sie mehrheitlich gewonnen. Für die Leistungsdiagnostik entwickelten wir am OSP ein Programm der körperbaulichen Eignung für Sportschwimmen, das uns half, die Testergebnisse in größeren Zusammenhängen zu interpretieren. Mit meinem Weggang erlosch das Interesse und es fehlte die fachliche Qualifikation der Nachfolger. Leider ist das kein Einzelbeispiel im deutschen Sport, der mehr von Projekt zu Projekt hechelt als dass er Kontinuität sichert. 

 

Mehr zum Thema: Fröhner & Wagner (1996). Anwendungsorientierungen der Anthropometrie in der Betreuung von Sportlern. Leistungssport 2 (26), 12-16 (https://www.iat.uni-leipzig.de/datenbanken/iks/open_archive/ls/lsp96_02_12_16.pdf) – Zugriff 13.12.2019


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